Norwegen Angelfreunde

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Warum es in Fjordnorwegen so schön ist

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Die Geschichte vom Lyr

Kerls was macht Ihr auf dem Wasser


Bericht eines, der zum leben am Fjord verdammt ist.

Da schreibt der Kalender 30.mai – und keiner geht hin, jedenfalls das Thermometer nicht.
Die Sonne weiß das und scheint seit Tagen brav, nur irgendwie wird das nicht warm.

Nach einer langen Woche Arbeit , die alles andere als niedlich war, will ich mal alleine raus – mal alleine mit Boot durch die Fjordlandschaft fahren, sehen, spüren, genießen...abschalten.

Und das Gefühl genießen, wenn Wasser das Boot umspült, wenn Gischt zischt und Hecksee den Fjord zerschneidet.

Zum anderem, die Woche und ihre Arbeit war stressig – unangenehme und mistige Arbeit – im wahrsten Sinne des Wortes, so was macht irgendwie immer so....wütend.

Und dagegen hilft bekanntlich ein gutes Maß körperlicher Ausgleichbewegung, wie wäre es also damit, das mit einem Versuch zu verbinden.

Der Versuch lautet: mit leichtem Gerät viel Spaß zu haben.....klappte schon zweimal bei kleinen Touren mit Gästen hier, nun aber mal ganz gezielt.

Da wir seit Tagen am mittleren Langenuenfjord hier in Sunnhordaland recht ruhige Winde haben – und auch die Tidenhübe mäßig sind, sollte das mal klappen.

Als Anmerkung - leicht bedeutet oftmals in Norwegen Köder bis 125gr in Tiefen bis 150m anzubieten...nicht das wer denkt wir sind hier die Weicheier und spielen mit zwanzig Gramm rum...das geht nur an ganz besonderen Stellen zu ganz besonderen Zeiten.

Zum anderen, bei diesem Leichtgefische, kann ja mal --- oder soll?? --- was Grosses einsteigen...oder halt Größeres.

Öhm...ne Forellenrute ist dann eher spaßlos ..außer für den Rutendealer zu Hause...das gilt übrigens auch für die Rolle und die Strippe drauf.....es soll das ganze Paket zu stimmen, sonst wird´s albern und nicht fair ( mit  ner Spatzenflinte auf Büffeljagd in Afrika ist ja auch albern...gut unsere Biesters können ihren Unmut über eine unsinnige Verletzung nicht so äußern wie ein Kaffernbüffel...aber trotzdem ).

Demzufolge, gegen 18:00 Uhr und irgendwas...warum ist Zeit in Norge bloß so relativ? ...runter zum Hafen – Floater übers Shirt und die Unterbuxe ( scheint ja doch schon wärmer zu sein ? ) ein siebzehnfüßiges Boot klargemacht ( also gar nichts gemacht, war klar ) und raus auf den Fjord.
 


Erst einmal ein paar Runden gedreht, einfach fahren...schauen genießen – abschalten, eins werden mit Wasser, Bergen, Landschaft. Treiben lassen
( sinnbildlich...ich fuhr ja )
 


Irgendwie mag ich schon lange nicht mehr anders zum Fischen raus – sicher mit dem Vorsatz einen Fisch zu erbeuten ( und das meist noch mit Berechnung ) – doch im Vordergrund steht : Fjordlandet wo es am schönsten ist, mit dem Småbåt auf dem Wasser.
 


Nach diesem so kurzen Auftakt eines Sonntagsfeierabends (manche Leute haben sonntags Ideen!) - zum anderem erwähnte ich ja schon, Zeit ist relativ – also war das kurze Fahren relativ kurz...sehr relativ.

Somit kam ich zum zweiten Teil des selbst gewählten Feierabendprogramms – und das sah dann so aus - strömungstechnisch jedenfalls anders wie gedacht:

Wir haben aktuell 11,2 Grad Wassertemperatur, es zog dann ein drei bis vier m/s Wind auf aus Nord, dazu setzte der Tidenstrom aus Nord ein, was es kompliziert machte, da die Driftgeschwindigkeit eher einer Trollinggeschwindigkeit glich - oder noch eher der Geschwindigkeit mit der ich sonst Kanten suche und Unterwasserreliefs - Vermessung betreibe.
 

Und trotzdem...es war nicht möglich eine Drift ohne Fisch zu bleiben.....in Tiefen um 25m bei 50 - 60m unterm Kiel trieben sich Jungseis herum ( die bekamen nen Backs und durften dahin wo sie hingehören - ins Wasserbett - die Erziehung der Seis ist mir zu antiauthoritär - um die Zeit die Kinder noch spielen lassen ! )

Ein wenig rausrutschen, so mit 70 - bis 120m Wasser unterm Kiel - dabei schön über Unterwasserberge und -Schluchten brachte dann erst einmal Seis der Klasse - wenn du mich filetierst, biste heute abend satt....aber Kartoffeln und Soße passt auch noch in den Wanst.

Diese Halbstarken-Bande trieb sich so in 50m rum....war nicht das Ziel, darum wurde ihr typisches "Einschlagen" in die Rute und das " Rumgehopse " im Drill von mir eher mit "ochnee...was willst du den nun?“ abgebrummt.

Zwei durften denn mit - will übrigens jemand wissen, wattes bei mir heute zum Mittag gibt??
 

An der dann folgenden Abbruchkante ins " Tiefennirwana " standen dann die Zielfische Seis und Lyrs der Kategorie " fang mich - und ich lasse dir die Slammer jaulen ".

Ich nenne die Bande ja immer " Kampffische " - allein deren Biss ist ein Genuss - und macht süchtig, wenn erst einmal so 15 bis 20m Schnur haltlos verschwinden - und sich der Einfallwinkel selbiger ins Wasser radikal verändert.


Ebenso ihr Drill.....wenn sicher ist, zieh sie einfach stupide hoch und du verlierst nen guten Fisch ( bei meinem Gerät ist dessen Schaden eher auszuschließen - aber Rute und Rolle einer geringeren Qualitätsklasse könnte bei " Durchdrehen " dieser Biester sicher mal vom Ableben Gebrauch machen).

Nachdem das ganze an zwei Stellen im Gewässer ( das Versetzen war eher dem " Fahrspaß " als der Angelei geschuldet ) sechsmal klappte und die auch an Bord blieben - schließlich erwarte ich Fisch verzehrenden Besuch, der ja auch in meinen florierenden Privateinzelhandel eingebunden ist - kleine leckere Mitbringsel aus bestimmten Regionen, gegen leckere Mitbringsel vom Fjord. nenene....da kriegt niemand was ab...alles was da kommt, landet in meinem Kühlschrank...betteln sinnlos!!
 
Nun jedenfalls wollte ich Feierabend machen, eine rauchen, lümmelnd auf der Heckbank, noch mal das Echo/GPS modifiziert....den Kompromiss gesucht, zwischen Grundverfolgung und Genauigkeit anders zu gestalten und somit Abrisse in dieser Unterwasserbergwelt weiter zurück zu drängen ( ein sinnloses Spiel übrigens - aber ich kann’s nicht lassen, das Optimale noch mal optimieren zu wollen - leider denken dann immer irgendwelche Komiker, sie sind besser wie ich....).

Nebenbei trieb das Schiffchen dann über ne Tiefstelle an die sich eine Terrasse und dann ein kleines Plateau und anschließend eine Schlucht reiht....geht dann auf dem Echo so : 87 - 290 - 150...120 - 70 - 145......anschließend " Nirwana "

Bei hundertundvierzig dachte ich: na komm, letzter Wurf für heute, dann langer Bogen in Fjordmitte und heimjumpen...
 


Also raus mit dem Dingens und ablassen, ablassen, ablassen.....bei der Drift und dem Geläuf, keine Gefahr. bei 150m Leine hab ich dichtgemacht (nach wie vor, die colorierte Schnur ist für mich das non plus ultra um zu wissen, wo ich rumeier da unten ).

Dann mal angefangen zu " präsentieren " dabei die stille Hoffnung...schön die Kanten abzugrasen - sie nicht zu berühren, sondern leicht dahinter im Freiwasser das Eisending jemanden vors Maul zu bringen - der blöde genug ist, dass auch noch für fressbar zu halten....

Bei so 125m Schnur im Wasser tat’s nen Hieb....ein paar kleinere Ruckler......und dann - ging’s rund.......
Vollverneigung der wft baltic-spinn. die schon weit offene Bremse der Slammer weiter auf...rasch.

Da verschwanden dann erst einmal 25m...mehr als 25m.....stopp! jetzt mal ich - also Bremse etwas dichter....aber nur etwas - mal gegendrücken....
Kopfschläge und verneigen der Rute - kein heben möglich.....jedenfalls keine ohne die Sorge...der schlitzt aus.

Abwarten, lass ihn mal wieder machen, er bleibt stur, der erste Gewaltakt ist aber vorbei.

Dann step by step los.....Weitanheben des 2,95m langen Steckens war nicht drin...nur immer halbbogenweise...
und eine Hand an der Bremse ( nein, ich habe keine drei Hände ) weil...ab und an war da jemand nicht einverstanden, sich der Wasseroberfläche zu nähern.

Nebenbei Blick aufs Echo...oh mamamiamadonnagottverfluchtnochmal! - 70 m....das Plateau --- und da sind immer noch 125m draußen...und die zeigen halbsenkrecht, der da unten wird doch jetzt nicht...er wird doch nicht???

Er tut’s nicht, er geht nicht gegen die Wand...er zieht für den Kampf das Freiwasser vor, watt een Glück...braver Bursche...er bleibt fair.

Also weiter im Ringen.....Rutenspitze für Rutenspitze hoch....runter...kurbeln...immer wieder abwarten, dabei nicht in eine seiner Gegenattacken zu geraten, sondern ihn die bei gesenkter Spitze und offner Bremse reiten zu lassen, damit sie schön ins Leere gehen.

Laut Farbe auf der Colorschnur noch fünfzig draußen...da kommt eine dieser Atacken, mächtig...unangekündigt, kein Schlag vorneweg....zum Glück sind wir eh gerade bei "Spitze unten - dein Auftritt" - 25m Schnur verschwinden.....ich sehe "rot abfleuchen und blau" über 75m wieder raus...der Sauhund...was ein Kämpfer.

Also noch mal...weiter im Text...nebenbei ein Rundblick....ne Fjordwand weit wech, die Strömung ist mit mir...in Strömungsrichtung alles frei...wir haben Zeit, viel Zeit...es bleibt auch lange helle.

Endlich...meine Schnur wird gelb...25m noch....die Attaken werden schwächer....aber dem Kumpel trau ich nicht. und das zu recht - da kommt die wohl letzte, sie ist behäbiger.....lässt sich austarieren...leichtes Gegenbremsen beendet sie.
Also Spannung und trotzdem Konzentration...was bis du, bei allen Teufeln ??

Und dann erscheint die Seite eines grünlichmarmorierten Fisches ( quatsch--- kein Karpfen, wenn auch die erste Färbung und selbst die Form dahin geht )''

Lyr, ein Lyr....jo, ein klasse Lyr....ein Kampflyr, ein Fightinglyr, einer dieser einsamen Patroulliengänger.

Gar nicht so groß...80cm zeigt das eingeklebte Maß an der Bordwand...aber hochrückig......jeder Zentimeter Fisch reine Muskelmasse.

Schwer für seine Grosse....und sein Fleisch ..fest, da gibt nirgends was nach.

Ich betrachte ihn da vorne in der Wanne - eine rauchend und mir eins grinsend.....ihm anerkennend in die toten Augen schauend - Junge, du warst nicht der gesuchte Zielfisch - Metersei zum Kampf...aber du hast ihn eins zu eins ersetzt. und besser schmeckst du allemal ( Vorsicht, dass war subjektiv )

Respektvoll neige ich den Kopf vor ihm... Junge was musst du für ein Leben geführt haben, bevor du Sonntagabend besoffen dich auf ein Stückerl Eisen stürztest.....frei und ungehemmt in diesem Dschungel da unten, dich langsam hoch gefressen und geschwommen zu so einem Kraftklotz - oder gibbet da bei euch im Keller Muckibuden ??

Ab geht’s...ein Blick über dieses, über mein Fjordnorwegen....über das schönste Stück Welt , dass Gott je schuf.

Mein Hafen ist verschwunden - liegt irgendwo unter diesem gleißendem Gegenlicht der tief stehenden Spätabendsonne da...

Also erst einmal mehrfach lange Blicke über die Wasserwelt....nein - ich bin alleine, da hinten verschwindet der letzte Cabincruiser, weit von unten kommt ein Frachter auf....aller Platz ist mir.

Also...kleiner Bogen.....den Fjord anschnippeln...Richtung nördlich eines vermuteten Zieles.....und in netten Winkel zu den kleinen Wellchen......und ab.

Nochmals genießen – nochmals fahren durch diese Landschaft – meinen Heimvorteil dabei ausspielend und Landschaft, Boot, Mensch und Natur eins werden lassen

Und mit großer Hecksee verschwindet das ganze als Boot Gischt sprühend in der gleißenden und flimmernden Reflektion der 21:45 Uhr hellen Sonne in Fjordland.

Zurück bleibt eine wunderschöne Natur, eine himmlische Wasserfläche und ein Fjord, der um einen großen Kämpfer ärmer ist – Odin verzeih!

und nun Fakten und Zahlen :

Gedanken zum angeln – oder was man daraus machen kann.

Ich habe drei Tage zu jeweils drei Stunden " gefischt " , bei zwei dieser Touren hatte ich Gäste zum "Anlernen" an Bord.....also eher kein bewusstes Angeln bei mir.

Das Ziel war bei mir, dem Sinn "mit leichtem Zeug auf schwere Jungs" zu frönen, also stärkere Seis und Lyrs mit Spinngerät war anvisiert ( wobei durch die Verhältnisse hier dann leicht Zocker zwischen 75g bis 125g beinhalten - muss ).

Bei allen drei Angeleien hatte ich genau eine Rute, ein Vorfach und sieben Zockerpilker mit - dazu sicherheitshalber einen Karabiner inklusive no-knoth in der rechten Hosentasche.

Mein Filetiermesser, das ganze in meiner eigenen Fischkiste (ner echten weißen, nach drei Jahren immer noch!), Handtuch, Eimer mit Stahlbürste und ne Cola....fertig!

Diese Ausrüstung fürs „leichte Fischen“ ist in fünf Minuten zusammengekramt, wiegt maximal 5kg und nimmt null Platz im Boot weg, die Pilker hängen eh an den dafür vorgesehenen Softhalterungen an der Reeling.

Ich bin im Unterwassergebirge siebenmal hängen geblieben...und habe alle beschriebenen Ausrüstungsgegenstände wieder im Hafen hängend.

Ich habe bei diesen Touren gesamt 14 Fische gefangen.

Die ersten fünf ergaben eine Filetmenge von 5,74 kg, das von gestern konnte ich nur schätzen...ich denke um die acht Kilogramm.

Ergo...so satte dreizehn Kilo in sagen wir: 7h angeln ( und die sieben ist hoch gegriffen)

Kerls - was macht ihr auf dem Wasser ???!!!
 
 
 
Euer Fjordsven
 

 

 

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