Norwegen Angelfreunde

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Warum es in Fjordnorwegen so schön ist

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Hyllestad 1997 – Norwegenvirus gefangen

Es war einmal.

Nachdem ich mehrmals in Dänemark und einmal in den Niederlanden im Urlaub war und vom Service der Touristinformationen bzw. Hüttenvermittlungen, im Besonderen in Dänemark, „angenehm“(!) überrascht wurde:
überschwemmte Duschkabinen mit verstopftem Ablauf,
ein defektes Boot ohne jegliche Bemühungen zur Reparatur oder zum Ersatz und kilometerlang knietiefes Wasser,
ein extra vermitteltes Boot neben der Hütte, aber zwischen der Hütte und dem Wasser 30 Meter Steilhang und die nächste Slipstelle kilometerweit entfernt, aber keine Anhängekupplung
angeltechnisch also voll auf die „Sch....e“ gefallen, die Freundlichkeit und unkomplizierte Lebensart der Skandinavienbewohner jedoch kennen gelernt hatte, sollte es im Jahr 1997 vom 9. bis 23. August nach Norwegen gehen.

Bei Recherchen im Internet war mir die, damals noch in Norwegen existierende, große Hüttenvermittlung „Fjordhytter“ aufgefallen. Also her mit dem Katalog. Über 250 Seiten; Hütten über Hütten; Wohin nun ?? Nach langer Suche war ein passendes Haus am äußeren Sogne in Hyllestad gefunden. Da ich einen gewissen Komfort nicht vermissen wollte, hatte ich das Haus bewusst etwas größer ausgewählt; sechs Personen, obwohl ich nur mit meinen „alten Herrschaften“ unterwegs war. Da ich mit der Buchung recht früh dran war, gab es keinerlei Probleme. Laut Katalog, sollte der Hauseigentümer neben norwegisch auch englisch und deutsch sprechen. Wichtig für mich, da auf Grund meiner „Vorbildung“ als Ossi, alles außer deutsch im wahrsten Sinne ein Fremdwort war. Auch die Fähre von Hirtshals nach
Kristiansand und die Rückfahrt wurde gleich mit gebucht. Bei 1500 km einfache Strecke brauchte ich natürlich noch Zwischenübernachtungen, also wieder ins Internet und die Informationsbroschüren des Norwegischen Fremdenverkehrsbüros studieren. Schließlich hatte ich für die Hinfahrt in Røldal ein geeignetes kleines Hotel gefunden. Rückwärts sollte die Übernachtung ab 22:00 Uhr bei Hirtshals erfolgen. Es könnte also los gehen ?!?

Halt! Da war doch noch was!!!
Ich wollte ja auch ein paar Fische fangen. Meine Ausrüstung bestand aus „hervorragenden“ Ruten und Rollen (Plaste) aus Produktion der DDR und Tschechien’s. Alles ausgelegt für die Zeit, in der ich noch aktiv im Süßwasser gefischt hatte. Also her mit dem ultimativen Meeresgerät.
„Den Anbieter“, dessen Konkursmasse jetzt von Gerlinger mit verkauft wird, hatte ich schnell gefunden. Her mit den Teleskop(wegen der notwendigen Transporteinschränkungen) -ruten in knapp vier Meter Länge und den Pilkern, Marke Kindersarg. Schließlich hatte ich gesehen, dass es in „meinem“ Angelrevier bis 160 Meter tief sein sollte. Ich wollte ja auch am Grund angeln. Meine Rollen hatten mehr als 10 Jahre Angeln bereits überstanden, also würden sie auch diesen Test gut überstehen. Ich war zumindest so schlau, dass ich mir ein paar Meter geflochtene Schnur besorgt habe.
Die Fischtransportfrage war auch leicht zu klären. Eine elektrische Kühlbox gab es im Handel und eine Zigarettenanzünderdose hatte ich im Auto selbstverständlich frei.
Alles klar; jetzt geht es los.

Die Hinfahrt verlief bis Hirtshals problemlos. Zu der Zeit musste man an der dänischen Grenze noch den Ausweis vorzeigen. Nachdem ich um 15:00 Uhr von der „Silvia Ana“ runter war und den
Zoll problemlos passiert hatte, ging es durch’s Setesdal Richtung Hardanger. Irgendwann merkte ich, dass mir ein Geräusch im Auto fehlte. Nach längerem Suchen war klar, es war der Lüfter der Kühlbox. Das Kühlteil war hin. Die mitgeführten Getränke waren mittlerweile auf Umgebungstemperatur von über 20 Grad. Also Stecker raus und gut. Weiter ging es. Nach der Übernachtung in Røldal habe ich mir vorgenommen, hier nie wieder. Die Chefin des Hauses (schon etwas älter) verstand jedes Wort in deutsch, sprach jedoch offensichtlich aus Prinzip nur „norenglisch Slang“ und mischte einige Worte hinein, welche ich wegen der Etikette hier nicht wiedergeben möchte. Am nächsten Morgen kam es Dicke. Das Wetter war umgeschlagen, es goss wie aus Gießkannen. Also ab über den Berg und auf der anderen Seite Richtung Odda – Kinsarvik. Zwischen Odda und Kinsarvik nutzte ich eine kleine Regenpause für eine Rast. Links und rechts neben mir standen Tische mit Schirmen, unter denen Körbe mit Kirschen u. a. leckeren Früchtchen warteten, daneben Holzkästchen bzw. Einmachgläser mit Geldstücken. Dahinter mit Netzen abgedeckte Obstplantagen. Es war warm, fast schwül. Über den Fjord hinweg konnte ich in relativ geringer Entfernung einen Gletscher entdecken, den Folgefonna. Was für ein Anblick.

Da war er, der Norwegenvirus. Das wusste ich aber damals noch nicht.


Ab zur Fähre und weiter über Utne – Kvanndal zum Mautring Bergen und dann auf der E 39 an den Sogne. Dank der relativ guten Wegebeschreibung hatte ich Hyllestad schnell gefunden. Hier musste es irgendwo nach links in eine Seitenstraße gehen. Auch diese war schließlich erreicht. Nach dem Durchfahren mehrerer Tore (welche ich ordnungsgemäß wieder geschlossen habe – soviel wusste ich), dann auf der linken Seite am Fjord eine Blechhütte. Meine „alte Dame“ bekam fast einen hysterischen Anfall, da sie ein halbverfallenes Bootshaus für die Hütte gehalten hatte. Es war 3 Minuten vor 15:00 Uhr. Um 15:00 Uhr war ich brieflich angemeldet. Die Hütte sah wirklich gut aus. Direkt am Fjord und offensichtlich im Umbau. Im Katalog war noch nicht vermerkt, dass das Haus ab dem darauffolgenden Jahr für 8 Personen „aufgestockt“ war. Dann kam der „Chef“, Bjarne hatte uns gesehen. Was ich nicht wusste, ich war 200 Meter vorher an seinem Haus vorbeigefahren und auf diese Weise bereits avisiert. Es erfolgte eine kurze Einweisung in einem Gemisch aus norwegisch und englisch. Deutsch - Fehlanzeige. Machte aber gar nichts. Wo es anders nicht weiter ging, halfen die Hände und die Füße. Irgendwie verstand man sich. Auch bei kleineren späteren Problemchen, wie einer kurzen Unterbrechung der Warmwasserzufuhr. Der mitgebrachte Hochprozentige hat ihm auch geschmeckt.

Der Regen hörte auf, während wir das Auto leer räumten und das Haus bezogen.
Petrus hatte beschlossen, dass es Sommer werden sollte. Ab diesem Zeitpunkt kein Regen mehr und bis zu 26 Grad im Schatten. Petrus hatte seinen Willen durchgesetzt. Es war Sommer.

Am nächsten Morgen wurde die Angelausrüstung fertig gemacht und ins Boot geräumt. 14
Fuß und 4 PS, das war doch was !!
Nach zwei Stunden hatte ich Schweißperlen auf der Stirn, dicke Oberarme und einige Meter (!) weniger monofile (Süßwasser-) Schnur. Also zurück zur Hütte und neu bespulen. Für zwei Rollen reichte die Geflochtene. Auf der Dritten blieben 50 Meter Monofil.

Dann erst mal Einkaufen. In der Kaufhalle ging das Suchen los. Ich fand den Würfelzucker nicht. Irgendwann muss ich dann sehr hilflos ausgesehen haben. Ich wurde von einem weiblichen Wesen, ca. 16 – 17 Jahre und mit einem Kittel bekleidet, angesprochen. Leider gelang eine Verständigung auch dieses Mal nur mit Händen und Füßen. Auf diese Art und Weise machte sie mir deutlich klar, dass ich mich zwischen den Regalen nicht von der Stelle rühren sollte. Kurze Zeit später war sie wieder da. Sie hatte aus dem Büro ein Wörterbuch geholt !!!!!! Deutsch – Norwegisch / Norwegisch – Deutsch. Nun war sukkerbitter schnell gefunden. Sie rief „etwas“ quer durch den ganzen Laden (wie ich mir irgendwann viel später zusammenreimte, fragte sie ihren Vater und Chef des Ladens, nach dem entsprechenden Regal) und „zerrte“ mich dann hinterher, um mich genau richtig abzustellen. Könnte ich mir das auch in Deutschland vorstellen ??? Ich glaube es bis heute nicht.

Ist das ein Teil des Virus?

Die Gegend war herrlich. Fische waren auch da. Also zwischendurch auch mal etwas von dem herrlichen Land sehen. Bis zum Jostedalsbreen und nach Lærdal ins Lachsmuseum ging es. Auf dem Heimweg unterwegs noch ein „Heimatmuseum“ besichtigen, kein Problem. Neben einer Ausstellung zu alten Trachten, Handwerk u. a. waren auch aus dem gesamten Fylke eingesammelte uralte Häuser zu besichtigen. Selbstverständlich wollte ich diese auch von innen sehen, als mich das nette Mädel an der Kasse, auf deutsch, danach fragte. Eli Aase nahm den großen Schlüsselbund mit den riesigen Schlüsseln. Es ging los. Da wo deutsch und englisch bei Eli nicht mehr ging, kam norwegisch und schließlich die Hände und Füße hinzu, um mir alle meine Fragen zu beantworten. Nach Ende des Rundgangs bei der Verabschiedung entschuldigte sie sich mit den Worten, es tut mir leid, dass ich so schlecht deutsch spreche, die Kollegin, die es gut kann, hat heute frei.

Wieder ein Stück Virus?

Irgendwann habe ich mich dann auch noch nach Holmedal aufgemacht. Ich hatte ja noch den Artikel aus einer bekannten deutschen Anglerzeitschrift in der Tasche, in welchem erwähnt wurde, dass man dort in der Messerfabrik „Helle“ sehr gute Messer im Fabrikverkauf preisgünstig erwerben kann. Dort angekommen und die Auslagen besichtigt, war ich sprachlos. Nachdem ich in deutsch begrüßt wurde und mir einige Messer ausgesucht hatte, erwähnte ich nebenbei den Artikel. Dies rief sofort den Verkaufsmanager auf den Plan, welcher mich ausdrücklich nach dem Artikel befragte. Ich habe ihm dann das Original in die Hand gedrückt. Die Freude war ihm anzusehen.

Langsam rückte das Datum der Abreise näher. Wie kriege ich nur die Fische nach Hause. Ich hatte sie lediglich ausgenommen, die Köpfe entfernt und dann eingefroren. Ich habe dann die letzten drei Tage meine Kühlbox mit Eis runtergekühlt, meine Fische in Haushaltsfolie und Zeitungspapier gewickelt und alles so gut es ging in die Box gequetscht.

In jedem Abschied liegt ein Stückchen Sterben.

Beim Packen wurde es dunkler. Petrus hatte den Sommer abgestellt. Ich bin die ganze Strecke bis
Kristiansand im Regen gefahren. Dann auf die Fähre. Es war die „Christian IV“. Als ich dann gegen Mitternacht und nicht wie von mir angenommen gegen 22:00 Uhr ins Hotel kam, lag der Schlüssel auf dem Tresen. Daneben ein Zettel „Für Familie..“. Die weitere Heimfahrt verlief problemlos und der Fisch war sogar noch gefroren.

Der Virus hat mich nicht mehr losgelassen. Ich suche weiter nach der Infektionsquelle. Zwischenzeitlich war ich bis einschließlich Herbst vorigen Jahres (2005)15 mal in Norwegen. Gefunden habe ich ihn jedoch nicht. Vielleicht klappt es dieses Mal – ab 24.05.06 in Valen am Høylandsundet. Wenn nicht auch gut. Dann habe ich Grund zum Weitersuchen.

 

Ich habe die Infektionsquelle bis heute nicht gefunden und suche immer noch.


Euer Nisse

 

 

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