Norwegen Angelfreunde

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Unter Seetoyfeln

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Nach dem x-ten Stopp gegen 11:00 Uhr, inzwischen hatten sich die Wannen der Angler ein wenig mit kleinen Dorschen gefüllt, kapitulierte ich aufgrund meiner nassen Füße und verschanzte mich im Salon mit Blick auf die Kombüse des Kutters. Mit geschätzten vier Quadratmetern Platz, bot sie dem kundigen Blick eines frischgetauften Petrijüngers bedenkliche Aussichten: wie zum Henker konnte Matthias in dieser Abstellkammer kochen, ohne dass der Inhalt der vier 10 Liter Pötte überschwappte, oder gar er selbst beim nächsten Wellental den Stand verlor?


Wir hatten inzwischen 1,50 Meter hohe Wellen, die Gischt peitschte über Bord und prallte an den Bullaugen ab, die draußen auf den Bänken sitzenden Angler verkeilten sich mit Händen und Füßen, um nicht den Kontakt zwischen Hosenboden und Bank zu verlieren. Der als Schiffskoch eingestellte Neue war immer noch nicht gesehen worden und hin und wieder hörte man trotz der leicht aufgewühlten See und dem Stampfen des Motors an Bord schwache Würgegeräusche.


Sohnemann hatte sich inzwischen bei mir eingefunden und litt tonlos. Seine Frage, wann wir wenden und gen Heimat tuckern würden, ging im Geschepper aus der Kombüse unter. Kurz vor Langeland wenden? Keine Wracks mehr ansteuern, die laut Kapitän Fischreichtum versprachen und man das Glück wahr nahm, davon wenigstens einen Dorsch zu landen, vielleicht auch zwei oder drei? Kein Geschaukel mehr, keine Übelkeit im Magen, keine nassen Füße? Nein! Ich wähnte mich tapfer und starrte aus dem Bullauge hinaus Richtung Horizont, der sich leicht grau präsentierte und schloss dann meine Augen.


Nach gut einer Stunde, ich hätte schwören können, nur fünf Minuten gedöst zu haben, hatte sich das Bild im Salon etwas geändert: inzwischen füllte er sich mit gestandenen Anglern, die auf Matthias Frage hin, ob sie zu Mittag essen wollen, eilends nach draußen stolperten.


Aber ich wollte: es gab ein ungarisches Gericht: Gulasch mit Sauerkraut und Salzkartoffeln, die Matthias mit viel Hingabe auf einem Suppenteller drapierte und anschließend zu mir hin jonglierte, ohne dass etwas daneben ging. Ich nahm den Teller in Empfang und balancierte ihn weiter aus, während ich versuchte, mit dem gereichten Löffel zu essen. Wellengang inzwischen einssiebzig. Ich rutschte auf dem Sitz herum. Das Mittagessen entwickelte auf dem Teller ein Eigenleben und befand sich auf der Flucht. „Petri Heil!“, schoss es mir durch den Kopf und enterte mit dem Löffel eine Kartoffel, die nach langem Umweg tatsächlich meinen Mund fand. „Petri Dank!“


Sohnemann hatte gerade mal zwei Bissen zu sich genommen und stürzte dann grußlos zur Reling. Neptuns Massen forderten nun endgültig ihren Tribut. Eine schmale Sitzbank, die drei schmäleren Anglerhintern Platz bot, wurde anschließend zu einem Siechenlager umfunktioniert.


Nachdem auch die letzten Petrijünger den Kampf um ihr Mittagessen erfolgreich gewonnen hatten – nur ca. zwei drittel der Anwesenden stillten ihren Hunger, der Rest fütterte wohl wiederholt die See, verließen bis auf zehn Mann den Salon, um doch noch einen erfolgreichen Angeltag zu absolvieren. Die sitzen gebliebenen schmollten über das Wetter, die raue See, den wenigen Fisch und über Angler, die ihre Schnüre nicht unter Kontrolle hatten und für ein reges Verwirrungsspiel sorgten. Für sie galt der Angeltag als beendet.
Gegen 15:00 Uhr hatten wir zwei Meter hohe Wellen, der Himmel hatte sich bleigrau bezogen und versprach eine kräftige Dusche von oben. Wir befanden uns auf dem Rückweg und zu den nächsten südwestliche gelegenen Wracks. Kurz vor 16:00 Uhr hielten wir zum letzten Mal. Doch auch hier präsentierte sich der geortete Fisch als beißunwillig. Im Salon brandete eine heiße Diskussion darüber, warum sich der Dorsch nicht fangen lassen wollte.
Am Wasser- und Luftdruck würde es liegen, an der Wassertemperatur, am Seegang und womöglich auch daran, dass der Winter mal wieder zu mild war und der Dorsch nicht ablaichen könnte. Andererseits wäre es zu kalt, so dass der Fisch seinen Betrieb auf Stand by gestellt hatte und keinen Hunger verspüren würde. Der große Fisch sei sonst wo und die kleineren, vorhandenen Exemplare hätten wohl keine Lust auf gelbe, grüne, blaue Pilker oder wabbelige Beifänger, die falsch oder schlecht von der Anglerhand geführt wurden.


Und das ganze soll eine Wissenschaft sein? Wie viele Komponenten so ein Angler doch zu beachten hat, um ein anständiges Stück Fisch auf den Teller zu bekommen! Zumindest verstand ich spätestens bei diesen Gesprächen, dass Angeln zwar mit Können und Erfahrung einher gehen muss, jedoch meiner Ansicht nach auch eine Glückssache darstellt.
Und noch etwas benebelte meinen Verstand, nachdem mir Matthias einen speziellen Kaffee kredenzt hatte: nie wieder werde ich mit wasserdurchlässigem Schuhwerk einen Kutter betreten.


Froh war ich am Ende darüber, dass der erlebte Tag auf der Forelle ein Ausnahmetag war. Ausnahme dahingehend, dass man höchst selten mit solch einem Wellengang zu kämpfen hatte, so dass sogar gestandene Angler schwächelten.
Gefangen hatte ich absolut nichts, aber auch Neptun nichts geschenkt. Standhaft bin ich geblieben, um Erfahrungen reicher geworden und um die Erkenntnis: ich gehe wieder aufs Boot. Jederzeit! Bei jedem Wellengang! Mit guten Schuhen!
Allseits Petri Heil und für das nächste Mal hart am Fisch und nicht hart an der Reling!
Das nächste Mal? Vom 30. April bis 04. Mai 2008 gen Norwegen.



Toyfelchen (Martina)__________________
ich kam, las und angelte

 

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