Hitra/Ansnes

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Angelreise in Hitra/Ansnes vom 14.-30.06.2007


In der Nacht vom 13. auf den 14. Juni ging’s los Richtung Kiel. Wie geplant erreichten wir
Kronprinz Harald frühzeitig in seinem Bett und schipperten bei ruhiger See Richtung Oslo.

 

 

 Dort sind wir zwar gut angekommen, wurden aber vom Zoll etwas unsanft empfangen.
Acht Stunden später waren wir wohlbehalten in Hitra angekommen, wo jeder erstmal seine
Kemenate bezog. Leider war an diesem Abend wegen der miesen Stimmung keiner mehr zur
ersten Ausfahrt bereit – kann ich irgendwie nicht nachvollziehen, nach 11 Monaten
apathischen vor-sich-hin-vegetierens. Demnach musste ich das Zittern meiner Hände noch
bis zum nächsten Morgen unter Kontrolle halten.
Samstag, 16.06.: Der erste Blick aus dem Fenster zeigt schwachen Wind, die Sonne lacht
- und ich erst recht.

 

 

Auf ging’s in die erste Schlacht - was sich später auch als eine solche herausstellte.

 Alle anderen Boote fuhren die altbekannten Stellen an, die man immer so am ersten Tag in
„seinem Revier“ ansteuert. Mir war jedoch eine Stelle vom letzten Jahr noch gut im
Gedächtnis an der wir gleich am ersten Tag (und leider nur am ersten) fette Beute
machten. Nach ca. 35 Minuten Fahrt waren wir da. Ich hoffte, dass wir auch diesmal
wieder soviel Glück am ersten Tag hatten, aber was wir hier erlebten, übertraf alles, was
ich erwartet hatte - Seelachse in mehr als ordentlichen Größen:

 In den ersten 15 Minuten passierte erstmal nichts, bis auf einen Lump den wir vom Boden
hochholten. Plötzlich der erste nennenswerte Biss bei Günther. Ein Ruck und schon schoss
die Schnur von der Rolle. So wie die Rute sich bog, rechnete ich gleich mit etwas an die 10
kg. Nach mehrfachen Fluchten konnte der Seelachs dann sicher per Gaff gelandet werden
und hatte am Ende doch tatsächlich 13,5 kg – was für ein Start!
Der nächste Kapitale ließ nicht lange auf sich warten. Schon mein nächster Wurf wurde mit
heftigen Schlägen und Fluchten quittiert. Am Ende lag ein Seelachs von 9 Kilo auf der
Matte. Und so ging es auch weiter bis mein Letzter auch mein Kapitalster wurde: 12,5 kg,
meine bisherige Bestmarke. Leider hab ich bei alledem vergessen zu messen – was für ein
Fehler. 

 

 Am Ende konnten wir folgende Statistik vorweisen:
1 x 13,5 kg, 1 x 12,5 kg, 1 x 11 kg, 3 x 9 kg, 1 x 8 kg und noch ein paar zwischen 3 und 6 Kilo.
Kein einziger Seelachs unter 50cm. Dazu gesellte sich noch ein Dorsch, ein Pollack und ein
Lump in weniger üppigen Größen. Die Kollegen der anderen Boote hatten da leider weniger
Glück an diesem Tag, da an den altbekannten Stellen meist nur kleinere Köhler gefangen
werden konnten.
Gegen Mittag kam dann auch leider schon stärkerer Wind auf, weshalb wir an diesem Tag
keine Ausfahrt mehr unternahmen.
Sonntag, 17.06.: Die Sonne lacht, aber leider pfeift auch der Wind. Zwar versuchten wir
kurz mit dem Boot um die Ecke des Fjordausgangs zu gucken, was aber gleich mit einer
ordentlichen Begrüßungsdusche quittiert wurde. Also umdrehen und ab in den Fillfjord.
Hier wollten wir ein paar Pollacks an den Felsen auf den Leib rücken, was aber auch am zu
starken Wind scheiterte. Deshalb suchten wir uns einen Unterwasserberg (von 24 auf
120m abfallend) auf dem Plotter und befischten das Plateau Drift um Drift. Anfangs
gingen nur kleine Köhler an den Haken, was allerdings meinem ersten Kleinköhler nicht gut
bekam, denn wenige Sekunden nachdem er bei mir am Haken hing, schnappte schon ein
Dorsch von 7,5 kg danach, was für mich einen ordentlichen Drill bei Windstärke 5-6
bedeutete.
Etwas später ging uns auf gleiche Weise noch ein Dorsch von 6 kg auf den Leim. Nachdem
wir noch zwei bis drei kleinere Köhler hatten, stieg bei mir beim Hochdrehen auch noch ein
Seelachs mit stattlichen 9 kg ein, der mir gleich etliche Meter von der Rolle zog. Da meine
Schnur durch die starke Drift ziemlich weit draußen war, hatte ich ein gutes Stück Arbeit
vor mir – ja, es gibt auch Arbeit die ich liebe. ☺
Und wieder hieß es Gleichgewicht halten und ordentlich pumpen. Durch eine recht hohe
Reling konnte man auch bei diesem Wind noch sicher im Boot stehen. Auch an diesem Tag
verzichteten wir auf eine zweite Ausfahrt.
Montag, 18.06.: Bei schwachem Wind und dünner Wolkendecke fuhren wir morgens mit
zwei Booten nochmal die Seelachs-Stelle vom ersten Tag an. Was hat man doch für ein
mulmiges Gefühl im Bauch, wenn man die Kollegen auf die vermeintlich gute Stelle führt
und dort vielleicht nichts mehr beißt. Aber alle Bedenken umsonst. Schon nach weniger als
15 Minuten ging es wieder los. Besonders freute mich die Tatsache, dass ein Kollege aus
dem Nachbarboot den dicksten Fisch an Land zog - ein Seelachs von 12,5 kg.
Unser Boot konnte da „nur“ mit einem Exemplar von 11,5 kg aufwarten (wie schnell man
doch vermessen wird ☺). Dazu gesellten sich 4 Dorsche von 7, von 5 und zweimal 3 kg sowie
ein Seelachs von 8 kg.

 (Hier meine Wenigkeit mit zwei gierigen Köhlern)
Auf jeden Fall hatten alle einen fantastischen Angeltag und ordentlich was in der Bütt.
Nachmittags entschlossen wir uns dann, den Rotbarschen hinter Skatran einen Besuch
abzustatten. Wir hatten uns doch so lange nicht gesehen. ☺

 Allerdings kamen uns nach der Ausfahrt aus dem Knarrlagsund schon weiße Krönchen
entgegen. Da wenig später auch noch schwarze Wölkchen zu den weißen Krönchen
aufzogen, fuhren wir schnellstmöglich zurück und ließen den Tag beim Bierchen ausklingen.
Dienstag, 19.06.: Wieder die „gute“ Stelle aber diesmal mit wesentlich weniger Erfolg.
Drei mittlere Seelachse konnten wir landen die wir auch gleich zum Abendessen
weiterverarbeiten konnten.

 Gegen Abend fuhren wir wegen Starkwind nach einem Kurzausflug durch den Knarrlagsund
ein paar Stellen im Fjord ab, was aber nur mit ein paar zu kleinen Köhlern gedankt wurde,
die wir natürlich schwimmen ließen. Einzig ein fetter Biss hellte mein Gemüt auf, der sich
aber leider schon nach wenigen Sekunden und ca. 10m Schnur wieder verabschiedete.
Mittwoch, 20.06.: Sonne pur und etwas starker Wind. Dem Ausflug zu unserer
Lieblingsstelle wollten deshalb andere Boote nicht so recht folgen – deren Pech, denn wir
kamen wohl behalten und problemlos drüben an.
Die erste Drift bei ca. 60m Tiefe – kein Biss.
Die zweite Drift bei ca. 75m Tiefe – auch nichts.
Die dritte und vierte Drift bei ca. 90m – oh, leck! Guckst Du hier...

 

 Dieser Kollege konnte einen Köhler von 9,5 kg landen. Dazu kamen insges. noch 6 Dorsche
zwischen 2 und 5 kg und eine Menge Köhler ab 3 kg aufwärts. Da hatte sich der Umbau des
Echolots am Vorabend von Lowrance X71 auf X91 bezahlt gemacht, denn auf dem X71
konnten wir trotz vieler Fische an den Tagen zuvor keine Signale ausmachen. Aber
vielleicht hatten wir das Ding ja nur falsch eingestellt.
Dann die letzte Drift und der allseits bekannte letzte Wurf. Plötzlich beim Hochdrehen
der Ruck und ab geht die Luzie bis zum Grund.

 

 

 Die ersten 5 Minuten konnte ich den Fisch jedenfalls nicht halten, bis er scheinbar etwas
müde wurde. Und dann kam die „Plackerei“: Bei starker Drift und ordentlich Wind pumpte
ich das Teil Meter für Meter hoch, fast ohne Gegenwehr aber seeeeehr langsam, weshalb
ich mit einem Seeteufel rechnete. Man hat ja schon davon gehört, dass die sich wegen der
großen Klappe fast wie eine Plastiktüte hochziehen lassen. Nach fast einer halben Stunde
das Ergebnis: Seelachs 10,2 kg – am Bauch gehakt.

 

 

 Den hatte ich aus mind. 40m komplett quer hochgepumpt. Da können einem schon ganz
schön die Ärmchen wehtun. Abkühlung gabs dann auf dem Rückweg mit einigen heftigen
Duschen, da der Wind noch etwas aufgefrischt hatte, was für unser Boot allerdings
keinerlei Problem darstellt. Man wird nur höchstens bischen nass. ☺
Unser dankbarer Abnehmer für die Fische war eine vierköpfige Gruppe aus unserer Gegend
die leider nur eine Woche gebucht hatte und bisher sehr wenig Glück beim Angeln hatte.
So hatten wir auch mit dem Filetieren nix am Hut – is ja auch mal ganz nett. Also Bierchen
und ab ins Bettchen!
Donnerstag, 21.06.: Gleiche Stellen – gleiche Wellen! Bei dem Wind ist leider an Leng und
Rotbarsch nicht zu denken. Mit uns fuhren noch zwei Boote unserer Truppe raus. Nur
einem blutete das Herz, weil er wegen Seekrankheit bei diesem Wellengang lieber zu
Hause blieb und bereits am Vortag sein Frühstück mit den Fischen teilte. Und das hat er
nachher sicher bereut. Denn wieder gab es ordentlich Seelachse in den Größen bis 10 kg.
Auch diesmal haben wir die Fische an die Kollegen verschenkt und den Abend gemütlich vor
der Glotze verbracht.
Freitag, 22.06.: Endlich Rotbarschwetter! Also raus auf die 200m-Marken.
Selbstgebautes System mit 6 roten 8/0er Gummimacks (selbstleuchtender Schwanz,
Abstand ca 60cm) und selbstleuchtendem 500g Pilker, dazu noch an jeden Haken ein
kleines Stück Mini-Köhler und ab nach unten auf 150m. Und sofort gings los – zumindest
bei mir.

 

 

 Trotz etlicher Fehlbisse konnte ich insges. 11 Rotmatzen hochzwackeln. Meine beiden
Kollegen, einer mit „Ennis Rotbarsch-System“ (sechs 3/0er Haken mit Leuchtschlauch) und
der andere mit einem selbstgebauten 8-Haken-System ähnlicher Bauart, konnten jedoch
nur insg. 3 Rotbarsche nach oben befördern. Trotzdem wollten Sie mit Ihren Systemen
weiterangeln.

 

 
 

 Zu den insgs. 14 Roten zwischen 800 und 2000gr. gesellten sich noch 6 Einsteiger.

 

 

 Am Abend dieses Tages wollten wir dann zu zweit auch noch den Lengs nachstellen. Zwar
hatten wir optimale Windverhältnisse und eine noch optimalere Drift (zumindest von der
Richtung; genau durch den Kanal wo es von 125m auf 300m runter geht; ist ja mitlerweile
durch einige Veröffentlichungen ein alter Hut), aber leider versagte unser Echolot den
Dienst, weshalb wir zu spät merkten, dass wir schon über die 125m Kante getrieben sind,
was sich durch einen fast gleichzeitigen Ruck in beiden Ruten bemerkbar machte und den
Abriss beider Montagen und insg. 2 kg Blei zur Folge hatte. Da hatte mein Kollege schon
die Nase voll, weshalb wir noch auf dem Rückweg ein paar Würfe bei den Roten machten,
was allerdings erfolglos blieb, und dann nach Hause schipperten.
Samstag, 23.06.: Wieder wollten wir den Rotbarschen nachstellen, was jedoch wegen zu
starker Drift (trotz schwachem Wind; 800gr reichten grade so) nicht wirklich Spaß
machte. Ergebnis waren 5 Rote, 3 Köhler, ein Wittling und ein Dorsch und nur jeweils ein
Auswurf pro Drift. Das ist auf Dauer doch zu anstrengend für uns Schönwetter-Angler. ☺
Sonntag, 24.06.: Kein Wind und keine Drift, aber dafür Muskelkater vom gestrigen
Pumpen mit 800gr. Deshalb keine Lust auf die Roten und bei Ententeich rüber zu den
Seelachsen. Allerdings wurde das diesmal meine einzige Schneider-Fahrt, trotz
mehrfacher Bisse. Am Ende blieben uns 5 Köhler.

 Abends nochmal auf die Roten, aber diesmal mit Trick 17: Wegen der vielen Fehlbisse am
Freitag hatte ich meine Macks mit einem Drilling versehen, was sich als echter Knaller
rausstellte. Zwar hatte ich nicht mehr ganz so viele Bisse wie am Freitag, aber dafür saßen
sie fast alle. Zwischenzeitlich hatte einer meiner beiden Kollegen auch ein System mit den
Macks im Einsatz, was uns insges. 23 Rotbarsche, 4 Wittlinge und einen Pollack einbrachte.

 

 
 

 Montag, 25.06.: Wieder Ententeich! Da die Frau eines Kollegen noch keine nennenswerten
Fische landen konnte, fuhren wir nochmal zu den Seelachsen - allerdings vergeblich. Nicht
ein einziger Treffer. Deshalb fuhren wir eine Stelle an, an der fast immer große Schwärme
kleinerer Köhler anzutreffen sind. Vielleicht konnte man ja mit Überbiss-Montage den ein
oder anderen Dorsch überlisten.
Kaum angekommen wurde es schon schwarz auf dem Echolot. Wir saßen mitten auf einem
riesigen Kleinköhlerschwarm. Also nur den Pilker dran und rein damit. Unser Mädel ließ
gemütlich einen putzigen schwarzen 60gr-Pilker mitten in diese Wolke hungriger Mäuler
und gleich beim ersten Versuch kam dabei ein Dorsch von 6,2 kg nach oben – alle Achtung
und Gratulation. Ich riet ihr, sie solle auch gleich einen Lottoschein ausfüllen. Der Dorsch
war dann auch der einzig verwertbare Fisch an diesem Morgen, denn meine gehakten
Kleinköhler ließen die Dorsche an diesem Tag völlig kalt.
Mit unseren Rotbarschen hatten wir ein paar Kollegen auf den Geschmack gebracht.
Schnell wurden noch ein paar Systeme gebunden und mit zwei Booten fuhren wir abends
nochmal rüber zu den roten Freunden.

 

 

 Für unser Boot war diesmal die Platte geputzt, weshalb ich schon vermutete, dass unser
Nachbarboot auf die Pumperei mit anfangs 800gr schnell keinen Bock mehr hat – aber weit
gefehlt. 5 Rotmatzen und 10 Köhler lagen in deren Kiste incl. Einem 10 kg Dorsch aus 100m
Tiefe, der auf einen riesigen Pilker biss. Auf dem Echolot sah man zwischen 60 und 100m
ein paar winzige Punkte, was das Pumpen von Rotbarschen sowieso zu einem Abenteuer
machte. Endlich hatte ich einen Biss auf 150m und war mir sicher, dass gleich ein schöner
Roter das Licht der Welt erblickt, aber bei ca 80m knallte ein Köhler ins System und riss
die ganze Montage heftig durcheinander. Danach war der einzige Fisch am Haken der
Fetzen meines Köderfischs. Aber am schönsten war für mich, dass meine Kollegen einen
wirklich tollen Angeltag hatten und sie dadurch richtig Geschmack an der „Jagd auf Roter
Oktober“ gefunden hatten. Wir hatten ja mitlerweile auch schon Rotbarsche genug.
Dienstag und Mittwoch, 26./27.06.: Da ein paar von unserer großen Truppe noch nicht
wirklich viel Glück hatten, fuhren wir mit allen Booten rüber zu den Seelachsen. Aber
diesmal war das Ganze mit ziemlich viel Sucherei verbunden, was ja auch irgendwie den
Reiz an der Sache ausmacht. Reinhalten und rausziehen kann ja schließlich fast jeder.
Am Ende pickten wir hier und da mal einen ordentlichen Brocken raus, was uns vor allem
wieder die Dame des Hauses vormachte mit einem Exemplar von 9 kg.

 

 
 

 Aber auch der Rest der Truppe konnte zufrieden den Heimweg antreten, auch wenn
manche Fangtechnik nicht ganz der Norm entspricht. ☺

 

 
 

 Die Heimreise am 28.06. verlief dann problemlos mit gemütlichem Ausklang bei Kronprinz
Harald, der ja bekanntlich zum Jahresende abdanken wird.
Am Ende dieses Urlaubs kann ich nur sagen: Noch nie zuvor hab ich es erlebt, Fische in
dieser Größe und Menge gefangen zu haben. Und wenn ein Urlaub dann auch noch so
harmonisch verläuft, wie in unserem Quartett (abzügl. der Sache mit dem Zoll), dann wird
es in Zukunft nicht leicht, das hier noch zu toppen. Fehlt eben nur noch der Leng aus der
gehobenen Mittelklasse.

 Deshalb ist eins klar: Heute ist nicht alle Tage, ich komm wieder, keine Frage! ☺

 

 
 

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