Bodø/ Salstraumen

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Norwegen Bodø/Saltstraumen 2007

 
 
 

 
 
Saltstraumen – Mein erstes Mal
 
Es ist ja nun schon eine Weile her, aber ich habe doch noch das Bedürfnis dem Forum meinen Reisebericht zu hinterlassen.
 
Wir, das sind die acht Angelfreunde vom Niederrhein.
 
 

 
Seit einigen Jahren fahren wir gemeinsam zum Makrelenangeln nach Holland. Nach einem sehr deprimierenden Fangergebnis im Jahr 2006, kam Nobbi mit einem privaten Angelurlaubsvideo von seinem Chef um die Ecke. Der Cheffe fährt schon seit einigen Jahren nach Norwegen zum angeln und was da auf dem Video zusehen war hat uns alle sofort begeistert. Nachdem das Video in der Truppe rundgegangen war, wollten wir nur noch eins, uns zwar so schnell wie möglich zum angeln nach Norwegen.
 
Mit einigen Informationen von Nobbis Chef fingen wir dann im September 2006 mit der Planung unserer ersten Norge-Tour an. Es sollte genau wie auf dem Video zusehen war nach Bodø zum Saltstraumen gehen. Die Geschichten die sich um diesen sagenhaften Mahlstrom ranken dürften ja bekannt sein. Jedenfalls hörten wir von sehr guten Bedingungen und einem Megafischaufkommen. Na dann lassen wir uns mal überraschen. Das Reiseziel stand also fest. Jetzt ging es daran eine Hütte zufinden, die groß genug für uns acht war, nicht zu weit vom Wasser entfernt ist und zwei Boote hat. Ich sage schon mal vorab, dass wir zu diesem Zeitpunkt völlig ahnungslos waren was da auf uns zukommt. Vom NAF oder von Reiseanbietern die ausschließlich auf Angelreisen spezialisiert sind, wusste keiner was. Nach dem ich mich in der Vorbereitungszeit ausführlich mit dem Thema Meeresangeln in Norwegen im Internet befasst hatte, konnte ich in etwa erahnen, was dass allein gerätemäßig bedeuten würde. Jedenfalls wurde ca. ein halbes Jahr geplant und überlegt wie alles funktionieren soll. Soweit so gut.
 
Nach dem nun alles geplant und beschafft und organisiert war, sollte es am 06.05.2007 losgehen. Wir machten uns gegen 0:30 Uhr auf den Weg in Richtung Norwegen. Gegen 5:45 erreichten wir die erste Station. Die Fähre Puttgarden– Röby.
 
 
Bisher verlief alles Planmäßig. Weiter ging es über Malmö – Stockholm – Sundsvall und zur Nacht in die schwedischen Wälder. Ich muss sagen, dass mir dieser Abschnitt der Fahrt mit am Besten gefallen hat. Ich finde es einfach unbeschreiblich 600 Kilometer fast nur durch Waldgebiete zufahren. Das war schon ein tolles Gefühl. Man konnte die Trolle und Fabelwesen quasi aus dem Dickicht hervor blinzeln sehen. Leider hatten wir nur Begegnung mit ein paar Füchsen, Rebhühnern und Rentierherden.
 
 
Guten Morgen! Es ist mittlerweile der 08.05.2007 5:48 Uhr. Wir sind 29 Stunden unterwegs und die Kräfte lassen rapide nach. Doch nach knapp 36 Stunden und 2.523 Km erreichen wir das lang ersehnte Ziel. Seivåg auf der Insel Straumøya unmittelbar an Saltstraumen.
 
Nach unserer Ankunft freuten wir uns auf das schöne Haus.
 
 
Wir sind erst an der Kiste vorbeigefahren weil wir dachten, dass kann es nicht sein. Aber das war es. Die Hütte die wir da gemietet hatten war um es gelinde auszudrücken eine Bruchbude. Nach den ersten Eindrücken von Haus und Grundstück, ein ernüchterndes Resümee. Wenn ich euch die Details erzähle, werdet ihr uns für bescheuert halten, dass wir die Bude überhaupt bezogen haben. Aber was soll´s. Wir waren von der Fahrt so platt, dass keiner mehr Lust und Antrieb hatte sich jetzt noch großartig zu wehren. Wir wollten einfach nur noch den Sprinter ausräumen die Bude einräumen und viel Bier trinken. Nach dem wir den ersten Schreck überwunden hatten, griff ich doch noch mal zum Telefon um dem Vermieter zu kontaktieren. Nach dem der am Haus angekommen war, stellten wir erstmal ein paar dumme Fragen.
 
Ob das Haus überhaupt für 8 Personen ausgelegt sei. Zustand der Einrichtung. Ausweichmöglichkeiten. Und so weiter und so weiter. Uns war klar, dass wir die Hütte schriftlich reklamieren müssen wenn wir Geld wieder sehen wollen. Trotzdem versuchten wir erstmal auf dem „kurzen Dienstweg“ ein paar NOK für das zweite Boot zu drücken, was, wie wir dann erfuhren, auch erst noch „besorgt“ werden müsste. Wir sagten nur, dass wir auch besorgt sind und zwar über den Zustand des Bootes welches wir nun im unserer Bucht vor uns liegen sahen. Kein Steg kein Anleger nur ein kleines Ruderboot. Aber dazu Später mehr.
 
Trotz der Enttäuschung mit dem Haus und den Booten konnte uns keiner die Freude an unserem Norwegenurlaub nehmen. So kam es das wir trotz allen Widrigkeiten noch Lust bekamen das ganze Gerödel auszupacken und Fangfertig zumachen;-)
 
 
Nach getaner Arbeit ging es dann aber wirklich ab in die Falle!
 
Neuer Tag neues Glück! Nach einem ausgiebigen Frühstück ging es rein in die nagelneuen Floater und ab zum Wasser. Wir kommen also wieder zu unseren geliebten Booten.
 
Stig Bjørnar Karlsen unser Vermieter, ist übrigens eine lokale Kabarettgröße und Journalist, teilte uns mit wie wir an die Boote kommen.
 
 
Kleines grünes Boot =                Boot A
 
Großes weißes Boot =                Boot B
                                                                              
Zweites nicht vorhandenes Boot =      Boot C…
 
soweit klar? OK!
 
 
Also, Boot A wird zu Wasser gelassen und mit Angler 1 und 2 besetzt. Angler 1 und 2 rudern zu Boot B. Falls sie Boot B erreichen, steigt Angler 1 von Boot A in Boot B um und versucht den Motor von Boot B zu starten. Angler 2 rudert derweil wieder mit Boot A ans Ufer. Angler 1 startet nun den Motor von Boot B und kommt zum Ufer gefahren um Angler 2,3 und 4 aufzunehmen um mit den stotternden und kaputten Motoren kurz vor dem mächtigsten Mahlstrom der Welt nasse Zündkerzen zu bekommen und von den reißenden Strudeln in die Tiefe gerissen zu werden.
 
Es gab direkt am ersten Tag zwei Vorfälle die noch kurz erzählen will.
 
Als wir dann beide Boote zum Laufen bekommen haben, ging es raus auf den Saltfjorden. Nach dem wir eine Platz zum Angeln gefunden hatten ging es los zum ersten Mal die Pilker baden. Was wir nicht wussten unter uns befanden sich ca. 300 Meter Wassersäule. Als die Spule der Penn 113H fast leer war und mein Pilker immer noch nicht unter war kam mir irgendetwas spanisch vor obwohl wir in Norwegen waren. Ok, das kann es nicht sein. Wir suchen uns eine andere Stelle. Doch leider ging das nicht, denn unser Motor sprang nicht mehr an. Ich konnte an dem Starter des 25 PS-Motors reißen wie ich wollte. Kein Ton. Was dazu kam war, dass es auf dem Wasser etwas krabbelig wurde und die ca. 1 Meter hohen Wellen nun längsseits auf das manövrierunfähige Boot trafen. Ich kann euch sagen die Hose war randvoll. Zum Glück konnten wir die anderen per Handy erreichen. Außer Sichtweite dirigierten wie das zweite Boot anhand von gelben und roten Häusern, die man weit sehen konnte, in unsere Richtung. Nach bangen 20 Minuten erreichten uns die Freunde endlich um zu helfen. Da der Gashebel klemmte war der Motor beim anziehen abgesoffen. Das konnte ich nicht sehen. Nach eine paar Handgriffen war der Hebel wieder frei und die Kiste ging an. Gott sei Dank.
 
In unserer Bucht angekommen hörten wir dann wie es den Anderen ergangen war. Sie hatten sich bis zur Brücke vorgetraut und waren dort munter mit ein paar Köhlern beschäftigt. Als einer sagt:“ Hort mal wir drehen uns irgendwie so komisch“. Sie waren dabei dem Straumen gefährlich nahe zu kommen. Aber auch hier wollte der Motor nur mit Ruckeln laufen. Tank leer. Auch das noch. Also schnell den Reservekanister rein und weg hier. Noch mal gut gegangen.
 
Die Bootsgeschichte ist etwas lustig und vereinfacht geschrieben, aber es war tatsächlich so und noch schlimmer. Ich kann die Story wirklich nur mit Humor wieder gegen sonst bekomme ich rote Punkte im Gesicht.
 
So ähnlich wie hier.
 
 
Als dann ein Boot am zweiten Tag Motortotalausfall hat, haben wir die Schnauze gestrichen voll! Letzte Abschleppaktion und das letzte Mal, das ich diese Boote betrete. Nach diesem zweiten Tag mit defekten Booten, waren auch die Optimisten davon überzeugt, dass es so definitiv nicht weiter gehen kann ohne das ein paar von uns für immer in norwegischen Gewässern ihr Grab finden.
 
Es musste was Neues her! Unserem Vermieter sagten wir, dass er sich seine beiden Boote getrost in den Hintern schieben kann. Ich dachte so bei mir, ohne Einweisung mit den Dingern jemanden auf den Fjord lassen ist schon fast fahrlässige ……! Ich sag es nicht. Wir mussten auf jeden Fall irgendwo anständige Boote herbekommen damit die kommende Woche nicht ganz zum Desaster wird. Also bin ich mit Nöbbi und Rolf abends erstmal nach Bodø gefahren um mal die Lage zu checken. Am Hafen trafen wir dann zufällig jemanden der ganz in der Nähe unserer schönen Herberge Boote vermietet. Ha, geschafft.
 
 
So wird ein Schuh draus! Endlich anständige Boote. 17,5 Fuß Yamarin mit 60 PS.
 
 
Jetzt kann es endlich richtig losgehen. Ich bin erleichtert, dass wir nicht mehr in diese Nussschalen müssen.
 
Vernünftiges Material ist eben durch nichts zu ersetzen. Und kaum sind die Boote anständig, kommt prima Wetter auf und die lang ersehnten Fische steigen ein. Von da an habe ich das Gefühl das Blatt wendet sich doch noch. Und so kommt es auch.
 
 
Der vierte Tag bringt den ersehnten großen Fang die Kisten sind voll und wir ziehen den Fischen das Fell über die Ohren. Die Echolote, mit denen die neuen Boote ausgestattet sind, lassen uns zumindest schon mal wissen, wie viel Wasser sich unter dem Kiel befindet und zeigen uns die Fische.
 
 
 

 
Während dem draußen noch fleißig filetiert wird,
 
 
wird drinnen schon lecker gekocht. Die Arbeitsteilung funktioniert.
 
 

 
 
Der einzige gefangene Lumb landet noch am selben Tag auf dem Teller.
 
In den folgenden Tagen, sind wir mit den Fängen eher mittelmäßig zufrieden. Es steigen viele Köhler von 4 – 6 Kg ein. Doch der Meterdorsch will noch nicht beißen. Wir versuchen es immer wieder unter der Saltstraumenbrücke wenn der große Strom alle 6 Stunden für 30 – 40 Minuten einigermaßen zum Stehen kam. Die Strömung wird sehr schnell wieder stärker und die Bleie erreichen auch bei nur 30 Metern Tiefe kaum noch den Grund. Grund genug für uns wieder die Biege zu machen. Etwas landeinwärts im Skjerstadfjord finden wir schöne Ecken um den Bartrelträgern nachzustellen. Hier wo es etwas windgeschützter ist als auf dem Saltfjord macht es noch mehr Spaß und die Landschaft ist einfach fantastisch. Nach und nach füllen sich die Kisten mit Fisch. Wir kommen also doch noch zu dem erhofften Ergebnis.
 
Für die Gewässer rund um den Saltstraumen kann ich persönlich nur kräftige Bootsrute mit Pilkern oder Bleien nicht unter 350 gr. – 400 gr. empfehlen. Da die Strömungen teilweise sehr stark sind, kommen die Köder nicht mal in die Nähe des Grundes. Teilweise steht die Schnur waagerecht im Wasser und man hat kaum noch Schur auf der Rolle. An den Fisch kommt man so nicht. Die Stelle um den sog. Rundholmen, ein kleine Insel südlich der Straumenbrücke hat sich als sehr fängig erwiesen. Weiter einwärts in den Skjerstadfjord gibt es noch ein zwei interessante Stellen mit sandigem Boden. Gute Stellen für die Jagd auf Heilbutt.
 
Ein weiterer Versuch unter der Brücke bringt dann aber doch endlich den ersehnten
Meterdorsch. 1,14 Meter und 22 Pfund bringt der Bursche auf die Waage.
 
 
Wir freuen uns über das Ergebnis.
 
 
Dafür, dass unser Haus sehr klein und die Verhältnisse in den ersten beiden Tagen nicht die besten waren, haben wir uns alles in allem gut vertragen. Das Haus in dem wir waren, haben wir über das Dancenter gebucht. (Haus Nr. 11878) Das Haus ist für 12+1 Personen angegeben. Ich würde sagen, dass es ohne sich auf die Füße zutreten für maximal 6 Personen geeignet ist. Wenn jemand weitere Infos zu dem Haus haben will, kann er sich gerne bei mir melden. Bei der Übergabe am Ende der Tour erführen wir von unserem Vermieter dann noch, dass in der Scheune auch noch zwei ausgebaut Räume sind und zum Haus dazugehören. Er führte uns freudestrahlend dann noch durch die frisch renovierten Räume. Ich dachte ich krieg nen Knall als ich das gehört habe. Wir hätten locker zwei Mann umquartieren können damit wir uns im Haus nicht gegenseitig umrennen. Aber was soll´s. Das Häuschen hatte aber auch nicht nur Nachteile. Wie hatten z.B. das 3000 m² Grundstück für uns allein. Im Umkreis von 500 m keine Nachbarn. Feuerstelle mit Bänken und genügend Holz für einen ganzen Winter. Das war schon schön. Zumal es im Mai soweit oben auch Mitte Mai schon kaum noch dunkel wird. So haben wir immer gesagt, wir gehen ins Bett wenn es dunkel wird ;-) Hat immer sehr lange gedauert!
 
 

 
Hier sehen wir die so genannte Himmelleiter. Zugang zu den oberen Schlafgemächern. Morgens schlaftrunken – abends … naja. Mein Spruch war immer eine Hand für das Haus und eine Hand für mich.
 
Das Haus befindet sich auf der Insel Straumøya. Elizabeth bei der wir die neuen Boote gemietet haben ist mit dem Auto in ca. 5 Minuten zu erreichen. Für uns also noch absolut vertretbar. 500 m von Elisabeth befindet sich das bekannte Saltstraumen Fiskecamp. Elisabeth und ihr Mann haben sich die regionale Geschichte zum Hobby gemacht. Unmittelbar am Steg befinden sich zwei Steinzeithäuser in denen traditionell gekocht und gespeist wird.
 
 
 
 

 
Alles in allem waren wir am Ende doch zufrieden.
 
Um es vorwegzunehmen. Wir haben das Haus und die Boote für 2009 schon wieder gemietet. Mit einigen Erfahrungen und mit dem Wissen das wir sammeln konnten, haben wir bei nächsten Mal gute Chancen die Sache gelassener anzugehen. Dafür, dass wir alles allein geplant und umgesetzt haben war das erste Mal schon ganz Ok. Was als nächstes mein Eigen sein wird, ist sicherlich eine automatische Rettungsweste und Nummer der Seenotrettung. Darauf könnt ihr euch verlassen. Sicherheit geht eben vor.
 
Zum Schluss noch ein paar Bilder.
 
 
 
 

 
 
 

 
 
 
 
 

 

 

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