Lofoten Mai 2008

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SchwachSuper 

 

  

 
Für eine Zigarette in den Mahlstrom
 
oder
 
wenn das Meer zu kochen beginnt
 
 
Reisebericht zur Lofotentour 2008
 
 
 
 
von
 
prappo (Markus)
 
 
 
Reiseteilnehmer:
 
prappo (Markus)
Sandale (Andreas)
Marko
 
 
 
 

 

 

Nun sind schon wieder mehrere Wochen ins Land gezogen, seitdem wir, d. h. Andreas, Marko und meine Wenigkeit, unseren Norwegenurlaub 2008 beenden mussten. Drei Wochen Urlaub - was sind schon drei Wochen, frage ich an dieser Stelle. Allein unsere Hin- und Rückfahrt nahmen fünf Tage in Anspruch.

 

 

 

 

 

 

 

Am 21.07.2008 verließen wir um 09.00 Uhr Deutschland mit der Fähre von Rostock nach Gedser. Wieder einmal ohne Vorreservierung und wieder wurde uns von dem netten Mitarbeiter der Svcandlines unmissverständlich klar gemacht, dass unser Mitfahrt angesichts der Ferienzeit angezweifelt wird. Also rauf auf das Abstellgleis(-spur) und dann, wieder einmal, als eine der Ersten auf die Fähre.

 

 

 

Über Dänemark, Schweden, Finnland ging es nach Norwegen. Unzählige Begegnungen mit Rentieren, insbesondere in Finnland, Kranichen und sonstigem Getier brachte uns unserem ersten großem Ziel näher – dem Nordkap.

 

 

 

 

 

 

 

Man sollte einfach mal da gewesen sein, sagten wir uns bei der Abfahrt. Als wir da oben dann tatsächlich waren, hieß es: „Das hätten wir uns sparen können!“ Leider spielte das Wetter überhaupt nicht mit. Nebel, Nebel und nochmals Nebel. Man sah die Hand vor Augen nicht. Dann noch 300 NOK Maut und 200 NOK/Person Eintritt. Leider kann man das Wetter nicht ändern. So war dieser Ausflug, der immerhin fast genau 1.000 km vom eigentlichen Urlaubsort lag, nicht so prickelnd.

 

 

 

Andrerseits lernten wir dabei Ecken kennen, die uns wieder einmal bestätigten, dass wir Norwegen noch lange nicht kennen. Der Porsangenfjord, der Jöckelfjord und wie sie alle heißen. Viel versprechende Reviere und herrliche Natur, die in jedem Fall ein Kennen lernen und einen Urlaub wert sind.

 

 

 

 

 

Erstmals durften wir bei der Fahrt auf die Lofoten den oder besser gesagt die Tunnel nutzen. Ohne Fähre, eingebettet in den Tälern der Lofotwand, steht der seit Dezember 2007 offene direkte Weg auf die Lofoten zur Verfügung. Die so genannte „Lofast“ ist eine fantastische Strasse, die für insgesamt 1,7 Milliarden Kronen gebaut wurde – und ohne Maut befahrbar ist (darüber wurde hier bei den Naffen ja schon umfangreich diskutiert). Es geht durch schoene Landschaften, im Raum Ingelsfjord und Øksfjord sind es Fjordlandschaften, im Sørdalen und zwischen den Fjorden sind es mehr Inlandslandschaften. Und jeder, der in die Verlegenheit kommt, die Lofoten zu besuchen, sollte diese Strecke mal fahren – zumal die Fährpreise schon wieder gestiegen sind. Bezahlten wir vor drei Jahren noch etwa 660 NOK, sind es heute fast 1.100 NOK.

 
 

 
 

 

 

Spätestens als wir den Raftsundet erreicht hatten, kamen die Erinnerungen der letzten Jahre wieder auf. „Auch hier haben wir schon geangelt“ und „Hier haben wir den ….fisch gefangen.“ und ähnliche Sätze fielen. Sehr gute Erinnerungen hatten wir auch an den Trollfjord. Die Aufmerksamkeit wurde deutlich größer und nach einem kurzem Aufenthalt in Svolvaer zur Aufnahme von verschiedenen Lebensmitteln – u. a. 6 kg Reker – ging es auf die letzten 124 km in das Å-hamna Rorbuer AS.

 

 

 

 

 

 

 

Dort spürten wir dann erstmals wieder die norwegische Mentalität und das nowegische Lebensgefühl für das ich dieses Land und die Menschen so liebe. Unsere Hütte „Sanderbua“ hatten wir sofort gefunden, die stand auch offen.

 

 

 

 

 

 

 

Anmerkungen:

 

 

 

 

 

 

 

Die Anlage Å-hamna Rorbuer AS besteht aus insgesamt 14 liebevoll restaurierten, über 100 Jahre alten, Rorbue. Darüber hinaus gibt es noch das Haus Hennumgården, 150 Jahre alt, mit insgesamt 8 Doppelzimmern. Letztere befinden sich faktisch direkt über dem Torrfiskmuseum. Mann muss sich bewusst sein, dass man direkt in einem Museum wohnt. Wann hat man das schon. Dies bringt aber auch den Nachteil, dass täglich viele Touristen da durchmarschieren und unzählige Fotos machen. Wir hatten den Nachteil, dass unser Rorbue direkt an Steg von einem Ende des Museums zum Torrfiskmuseum lag. Ich glaube, wir sind in dieser Zeit so oft fotografiert worden, wie noch nie im Leben. Wände in Frankreich, Italien, den USA und Mexiko werden nun bald mit unseren Gesichtern und Leibern geschmückt - wenn wir dafür Gage verlangt hätten, wäre dieser Urlaub finanziert gewesen.

 

Aber das sollte Niemanden davon abhalten, Å zu erleben. Bis auf zwei haben alle anderen Rorbue einen unverbaubaren Blick aufs Meer und werden von den Touries weitaus weniger belästigt. Es sei denn, das passiert auch, einer von denen ist so frech und kommt dir auf die Stube gerückt. Und dann gibt es auch noch die Anlage in Sorvagen, die nach eigenem Erkunden doch ein ganzes Stück ruhiger liegt – auch wenn man dann auf den guten Kaffee von Steinar verzichten muss.

 
 

 
 

 
 

Von einem Anlagenbetreuer oder Besitzer – Steinar Larsen – war aber nichts zu sehen, was auf einem Missverständnis unsererseits beruhte. So irrten wir ein wenig hin und her, fanden eine nette Rezeptionsdame (Steinars Tochter – ne echte Wikingerbraut Renate), die uns aber an Steinar verwies und so führte unser erster gezielter Weg ins Torrfiskmuseum.

 
 
 

Leute mich schwachen Magen ist dies nicht zu empfehlen Wenn man sich aber erstmal daran gewöhnt hat, dann stört das überhaupt nicht mehr.

 
 
 
 
 
 

J

 

edenfalls fanden wir dann Steinar und, da bereits nach 17.00 Uhr, verabredeten wir uns für den nächsten Tag 10.00 Uhr.

 

 

 

 

 

 

 

Anmerkungen:

 

 

 

 

 

 

 

Steinar ist ein typischer Norweger. Arbeiten vom Mai bis August, nicht vor 10.00 Uhr und bis spätestens 17.00 Uhr. Der Sommer muss so viel Geld abwerfen, dass damit der Rest des Jahres gewirtschaftet werden kann. Geld spielt keine so große Rolle. Steinar war über Jahrzehnte, nach Aussagen des französischen Fernsehens, welches 1997 einen Film über den Trockenfisch und die Lofoten gedreht hatte, der größte Trockenfischexporteur der Lofoten. Hatte dabei wohl eine Menge Geld verdient und hatte sich nun, mit Anfang / Mitte 50 zur Ruhe gesetzt. Er betreibt weiterhin das Å-hamna Rorbuer AS, besitzt noch zwei Sommerhäuser und einige Rorbue in Sörvagen, die er ebenfalls vermietet, und führt den ganzen Tag Touristen durch sein Torrfiskmuseum. Ein Mann, der die Ruhe weg hat, so manchen deftigen Witz versteht und spricht und letztlich überhaupt nichts mit Angeln auf dem Meer zu tun haben will. Gleichwohl kann er dir aber Erfolg versprechende Stellen nennen und dich hervorragend motivieren, wenn es mal nicht so gut gelaufen ist. Ach so und er ist der Cousin von Arnstein Larsen, was sich nicht zuletzt in seinen perfekten Kenntnissen der italienischen, französischen, englischen, deutschen Sprache widerspiegelt. Die Familie muss scheinbar nur Sprachgenies hervorgebracht haben.

 

 

 

 

 

 

 

Als wir dann am 25.08.2008 um 10.00 Uhr im Museum eingefunden hatten, mussten wir dann erstmal über uns erzählen. Wir bekamen eine Einweisung in unser Boot und dazu die Einladung, dass wir jederzeit im Torrfiskmuseum zum Kaffeetrinken eingeladen sind. Es ist nämlich so, dass jeder Besucher des Museums einen frisch gebrühten Kaffee und Kekse erhält. Feine Sache, dachten wir, und waren dann auch ab und zu im Museum anzutreffen. Der Geruch störte uns spätestens nach dem zweiten Besuch nicht mehr.

 

 

 

 

 

Also ging es am 25.08.2008 zu ersten Mal mit großen Erwartungen und viel Enthusiasmus raus auf den Vestfjord. Vor der beeindruckenden Kulisse der Lofotwand wurden mehrere Hotspots, die wir dank AWS in das GPS eingeben konnten, angefahren und erprobt.

 
 

 

Aber wie das so ist, klappt das nie. Scheinbar ein ungeschriebenes Gesetz. Jedenfalls ging der Tag bei herrlichem Sonnenschein und einigen wenigen Dorschen zu Ende. Wir hatten trotz der geringen Fänge – ich hatte überhaupt nichts verwertbares gefangen – einen wunderschönen und erholsamen Tag.

 
 

Am Abend dann gönnten wir uns den einen oder anderen Schluck, denn es galt unsere Ankunft und das Traumwetter zu feiern.

 
 

 

 

Anmerkungen:

 

 

 

 

 

 

 

Wettermäßig konnten wir uns überhaupt nicht beschweren. Tageshöchsttemperaturen von bis zu 30 Grad in der Sonne (Schatten hatten wir ja keinen auf dem Wasser) machten diesen Urlaub für mich dann aber doch zu einem Problem. Als eher empfindlicher Typ hatte ich schwer mit Sonnenbrand zu kämpfen. Darüber hinaus, das war besonders in windarmen Zeiten ein Problem, verursachte die lange Kleidung schweißtreibende Stunden. Aber was nimmt man nicht alles auf sich.

 

 

 

Wir hatten also fast 14 Tage Traumwetter, wobei am 02. und 03. August das Angeln, auf Grund des Windes, ausfallen musste.

 

 

 

 

 

 

 

Am 26.08.2008 ging es dann nach ausgiebigem Frühstück und in aller Ruhe gegen 13.00 Uhr aufs Wasser. Mein Eindruck war, dass sich bereits am zweiten Tag wieder das relaxte und gute Gefühl eingestellt hatte, welches die Norwegen-(Lofoten-)urlaube ausmacht. Heute sollte es richtig krachen, so jedenfalls unsere Vorstellung. Ich war motiviert und wollte unbedingt den Einen oder Anderen auf die Schuppen legen. Aber: auch dieser Tag sollte für mich nicht besonders erfolgreich verlaufen. Zu Beginn half ich meinen Mitfahrern noch Köderfische zu fangen. Das war es dann aber auch.

 

Hingegen meine Mitfahrer konnten einige schöne Fische fangen. U. a. hatten sie insgesamt 7 Lengs zwischen 80 cm und 105 cm. Lumpen waren mit bis zu 90 cm vertreten. Dorsch und Schellfisch dagegen Fehlanzeige. Wir waren völlig überrascht, da wir in den vergangenen Jahren die Erfahrung machen mussten, dass die Lengs auf den Lofoten kaum über 70 cm groß werden. Und dann gleich zwei dieser feinen Fische innerhalb von einer halben Stunde. Jedenfalls für meine Mitfahrer ein guter Tag. Für mich leider nicht und ein Hauch von Frust stellte sich ein.

 
 
 

Als wir am Abend dann in den Hafen kamen, waren wir richtig baff. Die Litauer, die mit einem Reisebus, einschl. Kind und Kegel in der Anlage waren, hatten die Kisten voll mit wunderschönen Dorschen, Schellfischen und sogar zwei Steinies. Das frustrierte und spornte gleichzeitig an weitere Erkundungen zu machen, zumal der Wind immer weniger wurde und sozusagen eine Flaute von mindestens zwei Tagen vor uns lag.

 
 

 

 

 

So kam es, dass wir dann am 27.08.2008, zuerst sehr vorsichtig, dann immer forscher, den legendären Mahlstrom erkundeten. Ihr könnt euch vorstellen, dass dort die Post abging - jedenfalls im Zeitraum um die Flut herum, konnte man sich kaum retten. Jede Drift, die im Mahlstrom schon mal bis zu 5 Knoten schnell sein konnte, war von Erfolg gekrönt. D. h. runter den Pilker – Orange, Gelb-Rot oder Rot waren die Farben der Saison - überlisteten einen Dorsch bzw. Schellfisch nach dem anderen. Die Durchschnittsgrößen lagen beim Dorsch um die 70 – 80 cm und beim Schellfisch um die 60 cm. Gezählt wurden die Fische irgendwann nicht mehr. Alles was unterhalb dieses Durchschnitts lag, wurde wieder zurückgesetzt. Aber auch zahlreiche große dürfen weiterhin für Nachwuchs sorgen.

 

Ein unvergessliches Angeln mit schmerzenden Armen und vielen Freudenschreien, wenn mal wieder der eigene Rekord gebrochen werden konnte, stand uns bevor. Immer wieder suchten wir den Mahlstrom auf und immer wieder hatten wir Erfolge zu verzeichnen. Wenn nirgends etwas ging, dann ging es „auf eine Zigarette in den Mahlstrom!“.

 
 

 
 

Und dann kamen Erfolge zustande, wie dieser 115 cm lange und 11 kg schwere Dorsch, der sich so fett gefressen hatte, und dennoch den Beifänger von Marko nicht widerstehen konnte. Im Magen fanden wir dann insgesamt 5 Platte bis zu 15 cm, einen kleinen Steinbeißer, zwei mittelgroße Makrelen und noch etwas Undefinierbares.

 
 
 

 

 

Ich glaube man sieht ihm an, wie sehr er sich über diesen Fang freute.

 

 

 

 

 

 

 

Dort kam es aber eines Tages auch zu einem sehr unangenehmen Ereignis. Ich glaube, ich hatte noch niemals solch eine Angst gehabt, wie in dieser Stunde und in diesem Straumen.

 

 

 

 

 

 

 

Anmerkungen (aus WIKIPEDIA):

 

 

 

Der mythologische Hintergrund des Mahlstroms findet sich in der Gróttasöngr der Edda. Hiernach erhält der dänische König Frode eine Handmühle, mit der sich alles herbeimahlen lässt. Um die schweren Mühlsteine bewegen zu können, bedient er sich zweier Riesinnen, die er dem schwedischen König abkauft. Tag und Nacht nötigt er sie, Gold, Reichtum, Erfolg und Glück herbeizumahlen. Um zu entkommen, mahlen sich die Mägde eine Streitmacht herbei, die König Frode erschlägt und die Mühle samt Riesinnen auf einem Schiff mit sich nimmt. Der Anführer der Streitmacht entpuppt sich als ebenso unersättlich. Noch auf dem Schiff müssen die riesigen Mägde Unmengen an Salz herbeimahlen, das schließlich das Schiff zum Kentern bringt. Und noch heute mahlen am Meeresgrund die gewaltigen Mühlsteine das Meer salzig. Dieser Ort wird Mahlstrom genannt.

 

 

 

Durch die exponierte Lage der Lofoten in südwestlicher Richtung, zieht der Moskenesstraumen die Fischschwärme fast automatisch an. Vor allem der Laichzug des Barentssee-Dorsches (Skrei) in die südlichen Laichgründe bei Jahresbeginn, ist von je her ein saisonales und lukratives Geschäft. Der Vestfjord, zwischen dem Festland und den Lofoten ist das Hauptlaichgebiet. Durch seine Keilform, bindet er einen Teil des warmen Golfstromes, und ihm werden so ununterbrochen neue Nährstoffe zugeführt. Ein schier unerschöpfliches Reservoir für den Aufwuchs des Laiches.

 

 

 

 

 

 

 

An einem der Tage, an dem das Wetter schön war, der Wind mit 2 vor sich hin blies, ging es wieder mal raus in den Mahlstrom. Wieder einmal zeigte sich, dass dieser Straumen unerschöpflich zu sein scheint und die Fische hier übereinander stehen müssen. Da passierte es. Das Meer begann scheinbar zu kochen. Um das Boot herum bildeten sich kleine, maximal 10 cm hohe, eng aneinanderstehende Wellen, die ein Geräusch erzeugten, welches kochenden Wasser in einem Topf ähnelte. Dazu kam, dass das Wasser, mitten in einem solchen Wellefeld zustehen schien. Leicht gekräuselt, aber sonst scheinbar ohne gefahren. Das war ein Trugschluss. Innerhalb weniger Minuten wurde aus dem Mahlstrom ein Kessel mit Strudeln und mit Strömungen, wie ich sie noch nicht erlebt habe. Es entstanden mit einem Schlag Löcher und an einem ganz besonderes Hotspot, einem 9 m-Berg im sonst etwa 50 m tiefen Straumen, entstanden wirklich große Wellen.

 

 

 

Der 30PSer der an diesem Tag richtig leiden musste, bewegte sich keinen Zentimeter vorwärts. Im Gegenteil: Bei Vollgas, ohne noch Reserven zu haben, wurde unser Boot immer schneller in Richtung Nordwest und zum Land hin gedrückt. Irgendwann, erwischten wir dann wohl eine Stelle, wo die Strömung etwas schwächer war und nach einer scheinbar endlosen Weile schaffte das Boot, nachdem wir genau in die entgegengesetzte Richtung getrieben, vielleicht auch gefahren sind, den rettenden Vestfjord. Nach dieser Erfahrung haben wir uns mit diesem Boot nicht wieder in den Mahlstrom bewegt. Aber: Es sollten ja noch bessere Zeiten kommen, so dass der Mahlstrom nicht vergessen wurde.

 

 

 

 

 

 

 

Anmerkungen:

 

 

 

Man sollte die Hinweise und Warnungen sehr ernst nehmen und sich, sowie sein Boot niemals unterschätzen, wenn man dort angelt. Kein Fisch der Welt ist es wert, dass man sich wegen ihm in eine solche Gefahr begibt. Lieber etwas früher die Zelte abbrechen.

 

 

 

 

 

 

 

Weitere Infos zu den Gefahren des Mahlstroms unter http://www.daserste.de/wwiewissen/beitrag_dyn~uid,eiti606xk2l9dle3~cm.asp

 

 

 

 

 

Na ja, wir haben es glücklicherweise überlebt und sind gesund und munter wieder im Hafen angekommen. Eine Lehre war es, denn die nächsten Tage mieden wir diese Stelle, zumal das zweite Wochenende auch wegen der Windverhältnisse ein angelfreies Angelwochenende wurde. Genug anzuschauen gab es in Å. Darüber hinaus schauten wir uns das Aquarium in Kabelvag an und nutzten die Zeit um kleinere und größere Krappen zu pulen und die Natur zu erkunden.

 
 
 

 

 

Natürlich wurden wir nach zwei Tagen ohne Angelausflug schon sehr unruhig und es kribbelte in den Fingern. Aber glücklicherweise hat sich dann schon am Sonntagabend das Wetter so beruhigt, dass man küstennah einige schöne Dorsche fangen konnte.

 

 

 

 

 

In den Folgetagen hatten wir dann von Steinar angeboten bekommen, dass 75 PS Quicksilver 680 zu nutzen – ohne einen Pfennig dafür zu bezahlen. Eine freundliche Geste, da er das Boot nicht vermietet hatte und es eh nur im Hafen stand. Also nicht lange überlegt und raus damit – vor allem wollten wir damit auch mal die 100m-Kante und die noch nicht befahrenen Hotspots besuchen und schauen, was diese zu bieten haben. Ein Super Echo mit Kartenplotter an Bord, war es eine Leichtigkeit die Punkte anzufahren. 75 PS sind schon ne feine Sache, aber ehrlich: für mehr als drei Mann ist das Boot ungeeignet. Aus diesem Grund bekommt das Boot von mir nur eine drei – bei allem Komfort, welches es zu bieten hatte. Da lob ich mir vom Platz her mein Oiyen, welcher aber leider zu schwach motorisiert war. Scheinbar muss man da immer Kompromisse eingehen – oder vielleicht doch nicht!?

 
 
 

 

 

Neptun blieb uns nun die gesamten restlichen Tage wohl gesonnen. Es gab Tage, da hätten wir, ungelogen, ohne Probleme 60, 70, 80 kg Fisch mit nach Hause nehmen können. Und einmal haben wir das auch getan. Genau an dem Tag bissen die Köhlerkracher (Havsejkracher) von den Lofotodden. Ein Mythos, ein geflügeltes Wort, was sich tief einprägte.

 

 

 

Eines Tages, als wir mit das 75 PSer wieder abgegeben hatten (hatten damit 2 Tage geangelt), der 30PSer noch funktionierte, fanden wir die „45“. Ein Hotspot, der in der AWS-Karte nicht eingezeichnet war. Das Echolot zeigte eindeutig Havsej an. Also nichts wie runter mit den Pilkern. Bei Marko, der die letzten Tage immer gefangen hatte, auch wenn bei uns nichts ging, kam gleich mal eine Stunde Anschauungsunterricht. Wir kannten ja das geniale Angeln auf diese Sportfreunde. Runter und dann mit Speed wieder hoch oder die Wassersäule mit Pilkbewegungen abfischen. Nachdem am Anfang noch der eine oder andere Schellie einstieg, ging ziemlich schnell die Post ab. Jedenfalls fingen wir im Mittelwasser Havsej ab 75 cm aufwärts. Der größte dieses Tages und des gesamten Urlaubs war 12 kg bei 110 cm. Ein Hammerdrill, der für Sandale fast in einer Katastrophe endete, weil diese Kampfsau den Wirbel aufgebissen und –gebogen hatte. Jedenfalls hielt sich Marko sehr zurück, weil er genau in dem Moment, wo der Fisch abging, auch noch mit seinem Pilker in der Schnur hing.Am Ende ging aber alles gut aus, weil der arme Kerl, völlig fertig und den schwarzen Kieler Blitz – so gut wie nichts anderes ging auf Havsej – bis zu Schlund geschluckt, an der Oberfläche trieb. Ein gigantisches Erlebnis, welches wir dann unserem Mitfahrer auch nicht entgehen lassen wollten und ihm mit einem entsprechenden Pilker gaben und ihn mit den notwendigen Tipps versorgten. Wir sind ja schließlich keine Unmenschen. In jedem Fall hatte auch er noch ausreichend Möglichkeiten sich mit den Kräften dieser Wahnsinnskämpfer zu stellen. Glücklicherweise waren es dort nur etwa 70 m tief. Und trotzdem fragte man sich wo die mit der Schnur, die sie uns von der Rolle holten, hin machen. Meine Kombi in diesem Fall eine 80 g, 2,70 m Reiserute von DEGA und dazu eine 4000er Stradic von Shimano. Ich muss ehrlich gestehen - eine Schowrute vom Feinsten. D. h. wenn dort die Post abging, da bildeten sich Knoten in der Rute. Ein Gefühl, wenn die Schnur sich mit einem lang anhaltenden Schrei der Rolle in die Tiefe verabschiedet. Man muss es erlebt haben. Für mich gibt es nichts besseres – außer vielleicht wenn doch mal eine entsprechender Heili beißen würde. Um es vorweg zu nehmen, bei mir hat das auch diesmal wieder nicht geklappt.

 

Am Abend ging jeder mit 4 ausgewählten Exemplaren – alles andere schwimmt natürlich wieder - überglücklich nach Hause.

 
 
 
 

 

 

Ja, was will man mehr. So vergingen die Tage und schon bald mussten die Zelte wieder abgebrochen werden. Zuvor aber kam es noch zu dem folgenden Zwischenfall:

 

 

 

Am 05.08.2008 waren wir – natürlich bei strahlendem Sonnenschein - wieder draußen, als es an der „45“ passierte.

 

 

 

Die Kisten waren längst voll – ich glaube wir hatten mehr als 15 kg pro Person. Es ging also nur noch darum, die eigenen Rekorde weiter zu erhöhen und danach die Fische zurückzusetzen.

 

 

 

 

 

Der Motor machte noch zwei drei Töne und dann sagte er gar nichts mehr. Wir waren also etwa 5 km vom Land entfernt und es ging gar nichts. Guter Rat war teuer. Erstmal schauten dann die beiden Motorfreaks, ob es da vielleicht doch noch etwas zu machen geht. Fehlanzeige. Nach 10 Minuten probieren und schauen, entschieden wir uns dann doch Steinar anzurufen und uns abschleppen zu lassen. Das war den beiden natürlich peinlich, aber was solls. Wir müssen ja irgendwie wieder rein.

 
 

Nach etwa 15 Minuten, die bei diesem Wetter die reinste Erholung waren, kam Steinar schleppte uns in den Hafen und ohne zu überlegen erhielten wir von Ihm sein Goldstück: 12 Wochen alt, 100 PS Diesel, Arvor 215.

 
 

 

 

Ein Boot, wie es sein muss. Platz ohne Ende. Ausreichend Motorreserven und eine Speed, wie …. Die Welt stand uns offen. Wir gaben riochtig Gas und wenn ich die Leute nicht gestoppt hätte, dann hätten wir wahrscheinlich in Bodö geangelt. Nein, mal ehrlich. Wir getrauten uns nun wieder in den Streaumen – zumal noch vier andere Boote (ich glaube das warn Preußen aus Potsdam) dort standen. Fuhren noch etwas dahin und dorthin und ich erkannte, dass dieses Boot genau das ist, was ich schon immer gesúcht hatte. Einziges Problem: Irgendein läufiger Kater musste darin abgespritzt haben. Die Kabine stank erbärmlich nach Katzenpisse und man konnte machen was man wollte – es wurde nicht besser.

 

 

 

Jedenfalls hatten wir auch dieses Boot wieder zwei Tage und noch einige schöne Erlebnisse. Insbesondere die „Triletten“ mit drei 70er Dorschen, die gleichzeitig in die Rute einstiegen, waren der Hammer.

 

Leider fuhren dann am 04., 05. und 06.08.2008 drei Schleppnetzfischer durch den Vestfjord. Jeder kann sich denken, was da noch übrig war. Aber: im Mahlstrom konnte oder wollte er nicht fischen. Dort bestand weiterhin höchster Fischalarm und die höchste Anglerdichte.

 
 
 
 
 

Am 07.08.2008 verabschiedeten wir uns dann um Punkt 14.00 Uhr von Moskenes aus mit der Fähre von den Lofoten. Wieder einmal ein sehr trauriger Moment. Aber nicht ohne ein Versprechen abzugeben: Wir sehen uns wieder. Die Heimfahrt verlief unspektakulär, wenn man mal davon absieht, dass wir 2.645 Fahrtkilometer in genau 26 Stunden und 56 Minuten absolviert haben. Auch wenn dem Eine oder Anderen Zweifel aufkommen, ich habe es selbst nicht geklaubt. Die Strecke, die wir gefahren sind – zum ersten Mal – erlaubte uns einen fast 100er Schnitt zu fahren. D. h. unser gefrosteter Fisch kam in der neuen Coleman hervorragend an, zumal wir jeder eine eigenen Tiefkühltruhe hatten und so die Kisten ohne Hohlräume packen konnten. Anstrengend war es – klar, keine Frage. Aber effektiv, weil ausgeruht in eine Nachtfahrt gegangen wurde. 17.30 Uhr ab Bodö, bis Mo i Rana und dann links über die E 12 nach Schweden, Landstraße bis Stockholm (fast überall 110 erlaubt) und kurz vor Stockholm auf die Autobahn und dann durch bis nach Hause.

 

 

 

Fazit:

 

Meine Trauminseln bleiben meine Trauminseln und insbesondere in deisem Jahr war es, ohne zu übertreiben ein Traumurlaub. Nicht Mallorca, die Karibik oder was weiß ich – nein die Lofoten. Der „Luchsfuß“ ist es, aber nicht ohne die nötige Vorsicht. Das habe ich in diesem Jahr gelernt.

 
 
 

 
 
 
 
 

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