Spangereid 2011

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SchwachSuper 

 

Traumurlaub mit Traumfisch in Südnorwegen


Juni 2011 in Spangereid


Die Überschrift hört sich pathetisch an, ist sie aber auch. Habe ich einen noch nie so erfolgreichen und spannenden Angelurlaub verbracht wie jenen in Spangereid, doch der Reihe nach.
Fahre ich doch mit meinen ehemaligen Kollegen & Freunden eher nach Mittelnorwe-gen, so hat mich die lange Fahrzeit doch im letzten Jahr deutlich abgeschreckt. Da-mit es insgesamt günstig wird, wurden wenig Fähren genutzt und die gesamte Stre-cke mit dem Auto zurückgelegt (32 Std.). Das war keine Freude!
Somit wollte ich eigentlich meine Combo überreden, doch dieses Jahr mal Südnor-wegen auszuwählen, zumal ich letztes Jahr drei Wochen Familienurlaub auf Skogsoy verbrachte habe und es einfach nur schön fand.


Was habe ich mir alles angehört: Dort gibt es keinen Fisch und wenn, sind die zu klein. Dann können wir auch von Warnemünde rausfahren ... Solche und ähnliche Antworten und Hinweise bekam ich zu hören. Da für mich klar war, dass ich diese gewaltige Strecke mit dem Auto nicht noch einmal zurücklege, wurde ein neuer nach kurzer Auswahl ein Ferienhaus in Spangereid gebucht, mit Boot vom Vermieter über die bereits erfolgreiche Ferienhausvermittlung Reiner Frühling aus HH. Hierbei konn-ten wir zwischen dem Boot des Vermieters sowie seinem Zweitboot wählen, beide mit Echolot und großem AB.


FähreAm Samstag, 18.06.11, morgens um 04:30 Uhr ging es los. Pünktlich in Hirthals angekommen, zunächst einmal Kontaktaufnahme mit Jens („Hailbutt“). Der war noch auf der Anfahrt, so gesehen Treffpunkt auf der Fähre. Kurz abgesprochen und Treffen mit Suse vereinbart, zwecks Übergabe von Lebensmitteln pp. In Vigeland kurz verfahren aber Dank telefonischer Hilfe von Suse und Jens dann doch rechtzeitig angekommen. Es wurden keine Naschwaren o. ä. übergeben, sondern hochwertige und gesunde Nahrungsmittel! Ehrlich!

 

 

Wir dann weiter nach Spangereid und ein netter Vermieter nahm uns gleich in Empfang. Was hatte Suse uns gesagt? Unser Ferienhaus liegt bei „Beverly Hills“? In der Tat!

 

Was für eine stattliche Anzahl an Traumhäusern mit Traumlage und Traumblick! Und wir mittendrin. Unser Vermieter zeigte uns kurz unser Haus und das Boot.


Ein neuwertiges 16 Fuß Konsolenboot mit neuem 50 PS Suzuki AB mit Powertrimm und Echolot. Ein tolles Boot!
Insofern schnell ausgeladen und noch eine Runde mit Boot und Rute vor die Tür. Mit diesem Boot ein Traum. Ein guter Dorsch und ein Pollack wurde überlistet, somit konnten wir für den ersten Tag auch diesen zufrieden ab-schließen.
Am Sonntag war dann der einzige Tag, an dem wir uns morgens um 5 mit Wecker aus dem Bett gequält haben. Danach mussten wir feststellen, dass die Fänge auch zu einer späteren Uhrzeit durchaus passabel waren. Ich gebe Hoddel gerne recht und bleibe auch lieber ne Stunde länger liegen. Wir grasten nunmehr die Stellen auf der Seekarte ab und haben außerhalb begonnen. Sicherlich stieg der eine oder andere Köhler mit ins Boot aber so richtig kamen wir nicht in die Gänge. Das wurde Abends noch mal wiederholt – mit dem gleichen Ergebnis. Mäßig gefangen und ziemlich weit draußen ein nicht gerade entspanntes Angeln. Das sollte sich ab Montag ändern.


Am Montag haben wir die eingezeichneten Stellen abgeklappert, die näher am Hafen lagen und auf der Seekarte ver-zeichnet waren. Und das war die richtige Entscheidung. Besonders fängig waren die Stellen, auf die der Wind und die Strömung drückte. Diese waren meist auch nicht so frequen-tiert von Angelbooten. Biss über Biss – wir konnten es beide kaum glauben. Köhler, Dorsch und Pollack stiegen ständig rein, teilweise auch beim Hochkurbeln. Teilweise waren alle Anbissstellen an der Rute mit Fischen belegt. Die Dorsche und Pollacks hatten eine Größe zwischen 60 cm und 80 cm – alles sehr sportlich.


So setzte sich auch der Dienstag fort. Ententeichwetter und somit auch von der Pilkergröße ein Genuss. Wir konnten auf 100 Gramm runtergehen und trotzdem auf 50 Meter fischen. Um 10:00 Uhr hatten wir soviel Fisch in der Tuppe, dass wir be-schlossen abzubrechen, weil ja noch alles filettiert werden musste. Abends das glei-che Schauspiel – innerhalb von wenigen Stunden hatten wir wieder die Tuppe halb gefüllt und mit richtigen strammen Jungs. Dazu noch ohne Ende Makrelen, so dass wir die Beifänger schon demontierten, damit wir überhaupt eine Chance bekamen, den Pilker auf den Grund zu bekommen.

 

 

 

 

Am Mittwoch wurde es wieder ein wenig windig und wir gönnten und ein wenig Entspannung und parkten das Boot an der Windschattenseite einer vorgelagerten Insel, zusammen mit einigen an-deren Booten, ein. Dort trafen wir auch Jens mit seiner Frau. Kurzes Anlegemanöver und Plausch. Tipps wurden ausgetauscht und die Angelei ging weiter.

 

 

 

Wir versenkten an dieser Stelle dann den x-ten Pilker mit Vorfach. Alles unter 30 Meter war höchst hängerträchtig. Belohnt wurde dieses Risiko an diesem Tag mit einem Steinbeißer von 75 cm Länge. Welch ein aggressiver Geselle.


Er hat alles gebissen, was er zwischen seine Zähne bekam. In der Tuppe hat er gleich den nächsten Fisch gebissen. Mit sehr viel Respekt haben wir ihn gekehlt und auch beim Filetieren mit größter Vorsicht behandelt – was für ein aggressiver Zeitgenosse.


Am Abend wollten wir eigentlich nur noch mal raus, um ein paar Dorsche zu überlisten. War es doch mit dem Steinbeißer bereits ein sehr erfolgreicher Angeltag.


Wir fuhren wieder an unsere „Hauskante“ und die Dorsche und Köhler stiegen wie beschrieben wieder ein. Auffällig war die hohe Anzahl an „Aussteigern“, die nach kurzem Drill wieder abgingen. Und da waren richtig gute Bisse dabei. Jeder dritte Anbiss stieg wieder aus.


Soweit kam auch bei mir der Anbiss auf den Pilker in der Phase des Absinkens. Der Pilker hing fest und nichts ging mehr. „Hänger“ dachte ich wieder und fluchte leicht. Also das übliche Procedere: Hin- und her geschwenkt mit Druck auf die Schnur. Kam der Pilker nicht leicht in Bewegung? Und richtig. Die Rute bog sich im Halbkreis und leicht schlagende Bewegungen zeigten mir, dass es kein Hänger war. Aber es be-wegte sich nichts. Dann gingen die ersten 5 Meter Schnur von der Rolle.

Hoppla, kannte ich sonst so nicht. Das muss was größeres sein. Zentimeterweise bekam ich die Schnur auf die Rolle. Immer wieder ein Blick auf die Schäre und den Abstand merken. Zentimeter auf Zentimeter ging es weiter nach oben – wie ein nasser Zementsack – kein Vergleich mit den aktiven Pollacken ... Was das wohl war? Nach ca. 20 Minuten kam der erste Dorsch am Beifänger zu Tage. Strammer Junge aber der kann es nicht gewesen sein. Was war denn da drunter? Bert und ich haben uns wirklich ein wenig erschrocken, da wir weder damit gerechnet haben, noch haben wir beide jemals einen solchen Dorsch gesehen. Was tun. Beide Dor-sche lagen ruhig auf der Wasseroberfläche. Gaff her aber wohin. Erst den Großen. Bei ersten Versuch gegafft aber das Gaff schlitzte auf, da der Fisch zu schwer war und ich nicht tief genug kam.

 

 

Also nur an den Bootsrand gezogen und zusammen mit Bert haben ich den Dorsch an den Kiemen gefasst und ins Boot gleiten lassen. Den konnte man nicht heben – der musste gleiten ... Kurz nach dem anderen Dorsch geschaut, weg war – nicht schlimm und erst mal durchatmen. Unglaublich dieser Dorsch – nahm er doch in der Tuppe soviel Platz ein.

 

 


Wir fuhren dann rein und ich ging zunächst zum Vermieter um ein Maßband und eine Waage zu holen. Was soll ich sagen: 113 cm und 41,3 Pfund – welch ein Fisch.


 

Gefangen habe ich ihn mit einer leichten Pilkrute (Abu Garcia Diamond Cest 2,40 cm und 60-120 Gr. Wurfgewicht, dazu eine Multi Penn 600 mit einer 20er gefloch-tenen Schnur, einem Mak-Vorfach japanrot sowie einem 250 Gr. Pilker aus NOR vom Grabbeltisch aus Mandal).
5 Minuten vom Hafen entfernt in 50 Meter Tiefe und 50 Meter vor der Schäreninsel – also direkt vor der Haustür. Jens kennt die Stelle jetzt auch!


Nach vielen Bildern und Videos wurde der Fisch filetiert. Keine einfache Sache und in Dimensionen, das war nicht schön. Die Filets hatten eine Stärke von über 6 cm! Der Vermieter wollte unbedingt den Kopf haben. Er wollte von diesem Filets runterschneiden??? In Ordnung – das Geräusch, welches das Brechen des Genickes verursachte, stammte nicht von dieser Welt. Wir hatten alle drei eine Gänse-haut! Zwei Riesenfilets und ein Riesenkopf, der Rest wanderte wieder ins Meer. Das Problem der Mitnahmemenge wurde durch das teilweise Verschenken des Filets behoben bzw. am Abend gab es für alle Fisch satt.

 

 

 

Ein Traumfisch in einer Traumgegend!


 

 

 

Am Donnerstag war dann so starker Wind, so dass wir „nur“ durch den neuen Kanal in Spangereid in den Fjord gefahren sind – eine wunderschöne Landschaft die wir nach dem ereignisreichen Vortrag sichtlich genossen haben. Kurz noch zu einer der Inseln und in der Abdrift mal probiert – es wurde ein Leng mit 75 cm Länge – un-glaublich, was das Meer an Möglichkeiten anbietet.


Für die Selbstversorgung, den Mitnahmeanteil hatten wir schon deutlich überschritten, sind wir dann immer nur noch kurz rausgefahren an unsere „Hausstelle“ und haben innerhalb von 20 Minuten 6-7 Dorsche in stattlicher Größe gefangen, so dass wir uns die letzten Tage mit frisch gebratenem Fischfilet ernähren konnten und Suse unser mitgebrachtes Hüftsteak überneh-men konnte. Hoffentlich gelingt ihr der geplante Sauerbraten!

 

 

 

 

 

 


Fazit:
Ungelogen und nicht übertrieben – ein Traumurlaub für einen Angler – alles hat ge-passt – Krönung war ein Traumfisch, wie ich ihn vermutlich nie wieder fangen werde. Und das alles in Südnorwegen! Wer hätte das gedacht!

Wir hatten nie das Bedürfnis, zu den Neskletten rauszufahren. Auch bei dem Wind wäre das keine ungefährliche Tour geworden! Warum auch – alle Fischsorten und Größen liegen vor der Haustür – welch ein wunderbares Angelrevier.

Die Karten mit den „Hot-Spots“ waren zutreffend und äußerst hilfreich. Gerade für „Neulinge“ in der Region eine wertvolle Orientierungshilfe. Lameniert auf dem Boot auch eine sichere Sache – Danke noch mal dafür!


 

 

Als wir mit Suse auf der Terrasse noch einen Ab-schiedskaffee getrunken haben, kamen uns noch mal die vielen Vorurteile für Süd-Norwegen in den Kopf. Zumindest für dieses Jahr kann ich sagen – Fisch satt und in guten Größen und das Meer beinhaltet viele Überraschungen. Süd-Norwegen hält den Vergleich mit anderen Regionen unbedingt stand! Ich freue mich schon auf das nächste Jahr in Süd-Norwegen.
So Jungs & Mädels – mein Erlebnisbericht für das Forum. Die Filme müssen zu-nächst noch bearbeitet werden und einige Bilder fehlen auch noch.

 

 

 

Viel Spaß beim Lesen
Es grüßt der Martin1