Spangereid 2014

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Spangereid - Südnorwegen 2014

 

Ein Traumrevier inmitten einer Traumgegend

 

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Bereits zum fünften Mal ging es auch dieses Jahr im Frühjahr zu Reidar nach Spangereid in Südnorwegen. Nicht nur die kurzen Reisewege, sondern auch die Freundlichkeit des Vermieters sowie die optimalen Bedingungen vor Ort bringen mich jedes Jahr auf’s Neue dazu, genau dort meine Frühlingsreise zu buchen. Genau da ist das Haus SÖR 187, über Hausvermittlung Frühling aus Hamburg vermittelt.

 

Genau da ist auch die Einliegerwohnung von Reidar, die über der Doppelgarage liegt. Zwischen traumhaften Villen blickt man über die Terrasse auf den Fjord in Richtung offene See und lässt den Blick die Seele folgen. Genau dort habe ich 2011 meinen Traumfisch gefangen, einen Dorsch von 1,20m Länge und sage und schreibe gute 20 kg schwer. Solch einen Fisch fängt man nur einmal, dachte ich damals wie auch heute. Dachte ich!

 

 

 

Doch der Reihe nach!

Wie erhofft und so auch eingetroffen, erfolgte die Anreise mit der üblichen Prozedur des Wartens auf die Fähre, das Einschiffen und die gute Stunde Fahrt von Kristiansand nach Spangereid. Reidar war nicht da, seine Ehefrau überreichte uns das Mobiltelefon mit Reidar an der Strippe: „Schön das ihr gut angekommen seid. Es liegt alles dort wie im letzten Jahr. Viel Spaß wir sehen uns Donnerstag.“ Es hat schon was vertrautes, so begrüßt zu werden. Alles lag an seinem Platz, die Schlüssel fürs Boot, das Echolot, die Reservekanister. Das Boot war tadellos sauber und schaukelte leicht im Hafen hin und her, als wollte es sagen: „He, was wartet ihr, startet den Motor und los geht’s“.

 

 

 

Das Auto wurde entladen, Kiste um Kiste wanderte nach oben. Herrjeh, was nehme ich doch immer wieder an unnützes Zeugs mit. Was soll es, Floater an und ab, zur Reviererkundung aufs Wasser. Erste Ernüchterung, nix an der Leine! Oh weh, das wird anstrengend, dachten wir uns, als wir nach zwei Stunden lediglich einen kleinen Dorsch am Band hatten, der aber weiterwachsen durfte. Alle fängigen Stellen des letzten Jahres waren verwaist. Aber was soll’s!

 

Der nächste Tag sagte gemäßigte Windgeschwindigkeiten voraus. Also ein erster Versuch, vor Udvare zu kommen. Was hatte Suse mir noch gesagt? Tvisteinen ist der Bringer! Wohin denn nun? Erstmal ein Bierchen und Tag ausklingen lassen. Wir entscheiden morgen früh.

 

Mit dem frühen Aufstehen war es dann doch nicht so weit her … aber zumindest das Wetter sah passabel aus. Wenig Wind und Wolken, leichter Niesel, also raus nach Udvare. Ist schon toll, mit 50 PS und Halbgas in leichter Gleitfahrt rauszufahren. Mmmmhhh, der Geruch, der Ausblick, das Schreien der Möwen – die Hast der Vorwoche entschleunigt sich in wenigen Stunden. Wir genießen die Umgebung und sind ca. 30 Minuten später vor Udvare und … mit vor Ort sieben andere Boote. Ein wenig voll vor Ort fand ich es schon. Nun ja, was sagt das Echolot, was machen die anderen Boote. Diese standen auf den Plateaus und zogen Köhler … nun ja, es sollten wohl Köhler werden. Mit einer Länge von 30-40cm bissen die kleinen Seelachse auf alles, was von ohne nach unten fiel. Also erstmal Beifänger ab, jedoch ohne Wirkung. Der kleine 75 Gr. Pilker kam nicht nach unten und blieb in den Köhlerschwärmen hängen. Mmmhhh, was nun? Sicherlich den einen oder anderen größeren Seelachs entnahmen wir dem Meer, aber so richtig machte dies keine Freude.

 

Ein anderer Plan muss her. Doch nach Tvisteinen rüber? Liegt auf der gleichen Höhe! Oder mal etwas tiefer versuchen, in den Rinnen zwischen den Plateaus?

 

Das wurde dann auch gemacht und wegen der Drift und der vielen Köhler wechselten wir auf 300 Gr. Pilker. Die Entscheidung war richtig!

 

Die ersten Dorsche stiegen ein, vernünftige Größen! Das machte Laune. Offensichtlich blieb unser Treiben nicht unbemerkt, die ersten Boote gesellten sich zu uns und es wurde wieder voller.

 

Es ist immer wieder erstaunlich, wieso Bootsführer im Urlaub es nötig haben, mit Vollgas zwischen zwei Booten durch zu zimmern. Auch immer wieder gerne gesehen, wenn andere Boote ankommen und sich 10 m neben das Eigene legen und die Drift kurz oder lang mich zwingen, zu verlegen. Es ist ja auch so wenig Platz auf dem Wasser …

Ruten hoch und ab in Richtung Tvisteinen. Dort standen auch zwei Boote, vermutlich auch eines von Furu. Auch dort waren die kleinen Köhler und nachdem in zwei Stunden nur noch ein Dorsch mitkam, hat es uns auch gereicht und wir sind zurück Richtung Hafen, schließlich musste die Strecke filetiert werden. Das dauerte dann auch ca. 2 Stunden, da mein Schwager die Klinge nicht mehr führen darf. Wir haben es 2011 einmal probiert. Ich habe mich anschließend beim Fisch entschuldigt und wir beschlossen beide, zur Sicherheit aller Beteiligten, dass er nicht mehr filetiert.

 

Somit waren wir auch gegen 16:00 Uhr durch mit dem Thema und müde. Essen machen, Fernseher an, Pilsette angesetzt und früh ins Bett, denn morgen sollte es noch weniger Wind werden.

 

Eigentlich hatten wir nie so richtig Wind. Dieser stellte seine Arbeit nämlich im Laufe der Woche komplett ein. Es bahnte sich ein Wetterwechsel an, der dazu führte, dass wir aber auch jeden Tag entspannt vor Udvare fahren konnten.

 

Was soll ich sagen? Der nächste Tag bescherte uns Dorsche, Dorsche und nochmals Dorsche. Zu Mittag war unsere Tuppe gerammelt voll mit guten Dorschen und Schellis. Abbruch, denn, ich musste noch filetieren. Also Rücksturz und früher Feierabend. Übliche Procedere mit Versorgung und chillen – mein Rücken machte sich bemerkbarL.

 

Wenn ich denn dachte, 2011 meinen Traum- und Lebensfisch genau dort gefangen zu haben, überkam mich der Eindruck, so klein sind die Dorsche alle nicht! Kräftige Gesellen und auch den einen oder anderen Biss, der Gutes erahnen ließ … und der dann auch auf 65m zulangte.

 

Wie so häufig beim Absinken des Pilkers.

Wir alle kennen das Gefühl. Der Pilker wird nach unten geführt und auf einmal fehlt die Spannung in der Schnur. Anhieb und meine Multi machte ungeahnte Geräusche. Stets und stetig wurde Schnur abgezogen und die 30 lbs Abu Garcia bog sich ordentlich. Auch Bert, mein Schwager, war irritiert ob des Geräusches und es dauerte 5-6 Sekunden, bis die erste Flucht gestoppt war. Das Schlagen in der Rute war zu spüren und mir war klar, ein Dorsch und auch kein kleiner! Nach 20 Minuten war er dann soweit und er ploppte hoch. Mein Gaff war zu klein! Also herkömmliche Landung. Pilker saß gut und somit zwei Hände, zwei Kiemen und rein ins Boot. Was für ein Fisch! Von der Länge wie 2011, nur schlanker und kräftiger! Ein Traum! Der Tag ging aber noch mit einigen guten Dorschen weiter, aber zu 13:00 Uhr Abbruch, denn Fotos und Filets standen noch an. Was für eine Strecke für diesen Tag! Beim Filetieren hatte ich wieder diese Rückenfilets mit 6-8 cm Dicke. Wie sollte dieser Tag, diese Woche noch getoppt werden? Vielleicht mit dem nächsten Tag?

 

Ich kürze mal den vierten Tag zusammen. 08:00 Uhr rausfahren, 12:00 Uhr wieder reinfahren, da Tuppe voll. Und mit was für Fischen. Drei Dorsche mit 1m Länge und einen Pollack von einem Meter! Was für ein Prachtexemplar. Er biss auch auf meinen 300 Gr. Pilker?!?!?! Das war so! Die kleinen Köhler bissen immer wieder auf unsere dicken Pilker. Wir haben die Erfahrung gemacht, nicht anzuhauen und einen Moment zuzuwarten, damit wir uns das Hochkurbeln ersparen. 75 % der Bisse lösten sich von alleine und wir konnten weiterangeln. So auch diesmal. Ich merkte deutlich die kleinen Bisse auf den Pilker und der Versuch, den Pilker wieder loszuwerden, bis auf einmal ein Einschlag kam, der nicht Köhler heißen konnte. Anhieb und Pollack gefangen. Lasse, ganz ohne Felsen!

 

Ein Blick in die Truhe ermahnte uns zur Mäßigung! Transport und Menge sagten: „Feierabend“ und das nach vier Tagen. Also Entschluss gefasst! Es wird nur noch Fisch für den Sofortverzehr gefangen. Reichte auch, denn am fünften Tag kurz rausgefahren und an den Stellen von Barschandy angehalten. Hat gereicht, drei Dorsche zw. 50 und 60 kamen mit in die Küche und es gab Filets satt. Die eine oder andere Drift mit NK brachte nichts und somit damit keine Wiederholung. Das Angeln im Spangereidkanal haben wir uns für das nächste Jahr aufgehoben.

Tja, so haben wir dann bereits am sechsten Tag das Fischen eingestellt und mit Aufkommen des Hochdrucks kam auch stets und ständig der Seenebel. Mal mehr, mal weniger, mal heftig. War uns egal, da keine Erforderlichkeit bestand, rauszufahren. Somit Land & Leute angeschaut und besucht. Suse kümmerte sich um Gäste im Furu-Haus. Schwätzchen, Päuschen, alles schick. Jeden Abend kam Fussball, auch eine schöne Gelegenheit, den großen Flachbildschirm im Ferienhaus zu genießen. Es wurde gechillt und die leckersten Sachen gekocht! Frischer Fisch – ein Genuss! Schaut selbst …

 

Die Rückfahrt war, von einigen kleinen Problemen abgesehen, recht entspannt. Wir haben uns für die Rückfahrt das Büffet bei Colorline gegönnt. Eine gute Entscheidung. Bei „Ententeichwetter“ und Null Sicht ging es zurück Richtung Deutschland, nicht ohne vorher in Kristiansand kontrolliert zu werden. Ja, Ausweis, Fahrkarte und darf ich mal in den Kofferraum gucken. Durfte er, alles in Ordnung. Eine stressfreie Rückfahrt und um 19:00 Uhr waren wir zu Hause.

 

Fazit:

 

 

 

Ein gutes, solides Ferienhaus mit sehr guten, gepflegten Booten. Ein Revier, welches immer Überraschungen parat hat. Fische, wie sie angeblich nicht in Südnorwegen vorhanden sind. Traumfische, die mein Herz haben höher schlagen lassen. Ja, vielleicht auch ein wenig windanfällig die Gegend, aber bisher hat über all die Jahre es immer gut geklappt mit dem Fisch. Anglerherz, was möchtest du mehr? Mehr geht immer, aber wer will das schon? Ich nicht! Mir liegt diese Region einfach am Herzen, die Menschen, die Natur, einfach alles und deshalb wird auch der Familienurlaub 2014 eben genau dort stattfinden.

 

 

Es grüßt ein äußerst zufriedener

 

Martin1