Sunndalsfjord

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Reise/Erfahrungsbericht Winter am Sunndalsfjord 2004/05

 

So, dann will ich euch man nicht länger auf die Folter spannen. Hier also nun mein Reise- und Erfahrungsbericht von unserem Winterurlaub in Norwegen 2004/05.
Ich bin zwar kein großer „Schreiberling“ und die Eindrücke, die wir aus dem winterlichen Norge mitgebracht haben, kann man sowieso nicht beschreiben aber ich hoffe, Ihr habt ein bisschen Spaß daran.

Die Vorbereitungen und Planungen für unseren 7-wöchigen Winterurlaub in Norge begannen bereits im Oktober/November 2004 und gestalteten sich doch etwas umfangreicher als ein 14-tägiger Angelurlaub im Mai.
Das Ziel war klar. Fredsvik am Sunndalsfjord, in der Kommune Nesset in Möre og Romsdal. Unsere norwegischen Freunde hielten dort eine Hütte für uns bereit, die für uns im Dezember, Januar und Februar unser zuhause sein sollte. Das erste Mal über Weihnachten und Sylvester nicht zu hause! Was wird das für ein Gefühl sein?

Nun denn. Zunächst einmal wurde die Reiseroute festgelegt. Da uns die Zeit nicht im Nacken saß, beschlossen wir die Fährpassage Frederikshavn – Göteborg (Stena) zu buchen, weil sie einerseits billiger als Color-Line ist und zudem eine kürzere Überfahrtzeit gewährleistet (3,25 Std.). Dies ist insbesondere für unseren Hund ein wichtiger Aspekt.
Da wir nicht wussten, wie die Wetter- und Straßenverhältnisse in Schweden und Norwegen werden und wir mit unserem Anhängergespann vorankommen sollten, haben wir vorsichtshalber 2 Übernachtungsstopps eingeplant. Den ersten in Sanngrund-Camping (ca. 70 Km nördlich von Oslo) und den zweiten auf dem Dovre-Fjell. Bei der Reiseroutenplanung waren wir uns zuerst nicht ganz sicher, ob wir den Weg über den Dovre-Fjell (E 6 zwischen Dombas und Oppdal) wegen der winterlichen Verhältnisse wählen sollten. Hiervon später mehr….

Das Auto und der Anhänger mussten vorbereitet werden. Anhänger deswegen, weil hinten in unserem Kombi unser Hund sein Platz hat.
Winterreifen aufziehen (zu diesem Thema später mehr!), Schneeketten (absolutes Muß, wenn man auf Spikes verzichten will), warme Arbeitshandschuhe, Kleinwerkzeug (Schraubendreher, Zange pp.) einpacken, Scheiben- und Kühlerwasser frostsicher machen (mind. Bis -25 ° C !), Ersatzsicherungen- und Glühbirnen, Schlafsäcke, Wolldecken (falls man unterwegs einmal liegen bleibt). Ersatzreifen für den Anhänger montieren und und und…..

Nachdem die Koffer gepackt , in denen natürlich die warme Kleidung vorherrschte und die Angelausrüstung nebst Thermo-Overall und warmen Stiefeln, Weihnachtsgeschenke und Kleinkram auf dem Anhänger verstaut waren sollte es dann endlich am 15.12.04 losgehen:

A 7/E 45 Kiel-Flensburg-Frederikshavn. Fähre nach Göteborg. Ankunft dort um 07.15 Uhr. Schnell zum Zoll den Hund einchecken und dann weiter auf der E 6 Richtung Oslo. Kein Schnee !!
Grenzübergang nach Norge am Svinesund ohne Probleme, obwohl dort gerade gebaut wird (Straßenarbeiten, neue Zollabfertigungsgebäude pp.). Nun waren wir im gelobten Land. Immer noch kein Schnee !!
Weiter auf der E 6 über Oslo bis Stange. Dort abgebogen auf die RV 2 nach Sanngrund - Camping zur ersten Übernachtungsstation. Regen !!!
Die Übernachtungshütte hatten wir via Internet schon vorgebucht. Es ist nämlich im Gegensatz zur Saison nicht so einfach, im Winter vernünftige, geöffnete Übernachtungshütten zu finden.

Nächsten Morgen gemütlich im Camping-Restaurant gefrühstückt und dann so gestärkt weiter.
E 6 über Dombas zum Dovre-Fjell. Und hier sollte unser erstes Abenteuer beginnen: Schnee, Schnee und nochmals Schnee !!! Und das nicht zu wenig.
Frohgemutes in Dombas rechts abgebogen und dann den Berg zum Dovre hinauf. Man hatte ja gute Winterreifen aufgezogen und die Schneeketten lagen ja griffbereit im Fahrzeug. Es konnte also eigentlich nichts passieren.
Es war aber schon ein komisches Gefühl. Was wird wirklich passieren , wenn ich plötzlich nicht weiterkomme. Komme ich da überhaupt bei den winterlichen Verhältnissen den Berg rauf ? Auf der Straße lagen ca. 20 cm festgefahrener Schnee, der zum größten Teil schon zu Eis mutierte.
Nun gut, es gab ja nur einen Versuch. Und der klappte, Gott sei dank.
Oben auf dem Dovre angekommen ging es zunächst ziemlich eben weiter. Meine Winterreifen taten bisher ihren Dienst und wir waren fasziniert von der winterlichen Fjellandschaft des Dovre.
Nach ca. 25 Km Fahrt über das Dovre musste ich dann nach rechts abbiegen, um unsere nächste Übernachtungsstation anzulaufen: "Furuhaugli - Hütten - Camping" . Es ging einen kleinen schmalen Weg entlang, der plötzlich sehr steil wurde. Etwas schneller werden, um Anlauf zu nehmen und dann hoch……
…..bis zur Hälfte der Steigung und dann war Schluss. Pures Eis auf dem Weg. Das Fahrzeug war nicht mehr zu halten und rutschte rückwärts wieder hinunter. Schock !!! was macht mein Anhänger hinter mir !!!????
Als das Fahrzeug im Grund wieder zum Stehen kam, sah ich das Chaos. Der Anhänger hatte sich natürlich quergestellt ! Gott sei dank blieb großer Schaden aus. Das Reserverad des Anhängers, welches ich flach auf die Deichsel montiert hatte, pufferte den Zusammenstoß ab. Es blieben ein paar oberflächliche Kratzer in der Stoßstange.
Also, Schneeketten aufziehen und hoch den Berg ! So habe ich zu mindest gedacht. Gesagt, getan und los ! Aber selbst mit Ketten war es nicht möglich das Gespann den vereisten Berg hochzufahren. Also, Anhänger abkuppeln und in der Prärie stehen lassen und dann noch mal versuchen. Dann klappte es.
Den Anhänger habe ich dann später zusammen mit dem Hüttenwirt und seinem Allradbetriebenen Geländefahrzeug abgeholt.
In der Hütte habe ich dann erst einmal einen kleinen Drink zu mir genommen !
Morgens ging’s dann nach einem gutem guten Frühstück auf die letzte Etappe zum Urlaubsziel.
Weiter über das Dovre-Fjell bis Oppdal. Auf der weiteren Fahrt wurden die Schneefälle so heftig, das man manchmal kaum die Hand vor den Augen sehen konnte. Hinzu kam dieses diffuse Licht, das um diese Jahreszeit in der Mitte Norges vorherrscht.

Und es ging von Oppdal nur noch abwärts. Eine Rutschpartie der Sonderklasse auf dieser schmalen und teilweise sehr kurvigen. abschüssigen Straße. Für Menschen wie wir, die eigentlich keinen richtigen Winter mehr kennen und mit derartigen Straßenverhältnissen nicht wirklich vertraut sind, war das schon recht abenteuerlich und teilweise ist mir beim Fahren das Herz in die Hose gerutscht !
Kurz und gut sind wir trotzdem heil und gesund angekommen.

Das Wetter war die erste Zeit nicht so, das man mit dem Boot hätte `rausfahren können. Teilweise sehr stürmisch und ohne Ende Schneefall. Also begnügte ich mich zunächst einmal mit Schneeschaufeln und „Brandungsangeln“. Von Land `ne Peitsche mit Naturköder fertig gemacht (ich hatte mir Hering mitgenommen), und dann ab da mit. Nach kurzer Zeit hatte ich auch den ersten guten Dorsch (70 cm) am Haken, weitere drei folgten. Der Grundstein für ein erfolgreiches Fischen im Fjord war damit also schon einmal gelegt, so hoffte ich.
Hell wurde es in der Regel so gegen 09:00 Uhr und dunkel wurde es bereits schon wieder gegen 15:00 Uhr. Daran musste man sicher erst einmal gewöhnen.

Nebenbei liefen die Vorbereitungen auf das für uns erste Jule-Fest in Norge auf vollen Touren. Mit unseren norwegischen Freunden wurde das essen vorbereitet. Es sollte das typisch traditionelle „Pinekjött“ geben. Für mich, bei dem die Augen auch schon bei der Zubereitung mitessen, sah es nicht unbedingt nach einem Festessen aus. Pinekjött sind gepökelte Lammrippen, die dann im Ofen gebacken werden und mit allerlei anderen Dingen, wie z. B. Erbsenpüree serviert werden.
Es hat zwar ganz gut geschmeckt, wird aber mit Sicherheit nie meine Leibspeise werden.
Nach dem wir im Wald zwei Tannenbäume geschlagen hatten (Einen für unsere norw. Freunde und einen für unsere Hütte, feierten wir eine ruhige und vor allem weiße Weihnacht.
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Zwischen Weihnachten und Silvester ging mit dem Boot wegen schlechtem Wetter gar nichts.
Ich beschränkte mich mit Wanderungen auf den Hausberg und Beobachtungen von Steinadlern, Schneehasen, Füchsen und Fischreihern, Hirschen und Rehen. Einen Elch bekam ich leider nicht zu Gesicht.
Des Weiteren konnte ich mich auf dem Hof von unseren norwegischen Freunden ein bisschen Nützlich machen. Pferde ausführen, Stallungen ausmisten, Quad fahren (macht einen Riesen Spaß) etc.
Von Ausflügen mit dem Auto in die nähere Umgebung oder gar nach Molde etc. nahmen wir zunächst Abstand, da die Straßenverhältnisse katastrophal winterlich waren. Für die Norweger ein normaler Zustand, die fahren ja auch Spikes. Ich hatte damit doch etwas Probleme, zumal meine Winterreifen, obwohl sie ziemlich neu waren, völlig überfordert waren. Nach einiger Zeit entschloss ich mich dann doch, schon allein aus Sicherheitsgründen und die Rückfahrt schon im Hinterkopf, zum Kauf von neuen Spike-Winterreifen. Ich konnte bei einem Reifenhändler in Molde einen guten Preis aushandeln und er erließ mir sogar noch die Mehrwertsteuer. Fortan fuhr ich durch norwegische Winterpracht fast wie auf Schienen.
Ich kann nur jeden dringend ans Herz legen, bei einem Winterurlaub in Norwegen Spikesreifen aufzuziehen !

Zwischendurch gab es dann auch einmal Tage, an denen ich mit dem Boot `rausfahren konnte. Nach dem ich das Boot vom Schnee befreit und gelenzt hatte, konnte ich in den geschützten Fjordbuchten einige schöne Köhler und Dorsche verhaften. Alle auf Naturköder. Mit Pilk ging gar nichts.
Ich hatte außerdem Order von meiner Regierung bekommen, nicht so viel Fisch zu fangen, da wir den Fisch nicht mit nach hause nehmen können, wegen der langen Heimfahrt. Recht hatte sie ja.
So gingen die Tage dahin und schneller als wir dachten waren sieben Wochen vorbei. Einen abend hatten wir sogar die gelegenheit, das Nord(-Polar)Licht zu beobachten. Ein faszinierendes Schauspiel am Himmel.

Da wir ja jetzt Spikes-Reifen „drauf hatten“ konnten wir dann noch einige Ausritte machen. Molde, Kristiansund, Alesund, Andalsnes und natürlich auch Sunndalsöra. Hat viel Geld gekostet, denn man kann ja kaufen kaufen kaufen…………

Die Rückfahrt war dank der Spikesreifen wesentlich entspannter. Meine alten Winterreifen hatte ich hinten auf dem Anhänger verzurrt und wir brauchten auch nur einen Übernachtungsstopp zu machen.
Alles in allem war es ein super Urlaub, den ich mit Sicherheit wiederholen werde, dann aber von vorn herein mit Spikes und einem zweiten Mann auf dem Boot. Ist nämlich ganz schön langweilig so allein in dem Kahn.
Ich kann es nur jedem empfehlen, einmal Norge im Winter zu erleben, sich von der faszinierenden Winterlandschaft verzaubern zu lassen. Man wird es nicht vergessen
Michael

 

 

 

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http://www.norwegen-angelfreunde.de