Bjørnafjord 2006

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Bjørnafjord 2006: Fischen und relaxen 

 

 
Nachdem sich die Tage vor der Abreise wie Kaugummi hingezogen hatten und ich vor Angelg...heit kaum noch einen klaren Gedanken fassen konnte ging's am 14. August ENDLICH los! Wie eigentlich jedes Jahr hab ich bis kurz vor der Abfahrt noch im Büro gesessen, da ich meinen Urlaub leider immer komplett vor- bzw. nacharbeiten muß, so daß die ganze P(l)ackerei von meiner Gattin erledigt wurde ! Danke nochmals dafür!

Die für uns doch recht lange Anfahrt zur Fähre nach Hanstholm verlief ohne Zwischenfälle, obwohl meine Tochter (10) dann zum Ende hin doch schon etwas ningelig wurde. Wir waren pünktlich, also etwa 2 Stunden vor der geplanten Abfahrt am Anleger, wo wir aber leider feststellen mussten, daß der Dampfer 4 Stunden Verspätung hat, was die allgemeine Stimmung natürlich ganz schön runterdrückte. Zu meinen teilweise traurigen, teilweise skurrilen Erlebnissen auf der Atlantic Traveller hatte ich ja schon an anderer Stelle berichtet, so daß ich mir das hier ersparen möchte.

Während wir noch am 14. in Dänemark bei Nieselregen losgefahren waren, kamen wir am 15. bei stralendem Sonnenschein in Bergen an. Die Verspätung hatte sich noch etwas vergrößert, aber egal, die Stimmung war trotzdem primstens.

Die ca. 2 Stunden zu unserem Ferienhaus am Ostufer des Björnafjordes, wo uns schon unser Vermieter und inzwischen guter Freund Oddvar erwartete, waren schnell runtergeschruppt, so daß wir nach dem groben Einräumen der Behausung so gegen etwa 17 Uhr noch einen Kurztrip in unsere Hausbucht zur Frischfisch-Beschaffung unternahmen, was auch recht schnell klappte (paar mittlere Pollacks und Köhler). Fotos haben wir davon nicht gemacht, aber der superfrische Fisch hat nach der langen Zeit natürlich absolut klasse geschmeckt!

Am nächsten Tag war erstmal Ausschlafen und nach einem ausgiebigen Frühstück, welches sich bis etwa 13 Uhr hinzog, chillen angesagt. Aufgrund des super Wetters (bis auf die letzten beiden Tage fast nur Sonneschein, kaum Wind und so 20 -25°C) wurde erstmal die Badetauglichkeit des Fjordes getestet und für gut befunden



Laut Echolot lag die Wassertemperatur in unserer flchen Bootsbucht die ganze Zeit zwischen 19 und 20 °C, weiter draußen im offenen Fjord bei etwa 18°C.

Nach dem Nachmittagskaffee wurde dann die erste Angeltour angesetzt, die ich dazu nutze, um mal mein neugebautes Rotbarschpaternoster (Vorlage aus Fachzeitung) auszuprobieren (etwa 10 m lang 10 Haken). Klappte auch wunderbar, so daß wir am Ende (nach etwa 3 Stunden) doch eine ganze Menge der lustigen Pikser eingesammelt hatten. Obwohle es sich in diesen Breiten nur um den kleinen Rotbarsch handelt, hatten die meisten durchaus eine gute Größe (so 25 - 30 cm), so daß man schon allerhand damit angfangen kann.





Der Rest der Familie hatte inzwischen mit kleinem Pilker noch paar andere Fische gefangen (kleiner Köhler, Pollacks, paar Makrelen), so daß es eine schöne bunte Kiste wurde



Überhaupt gehören die kleinen Roten für mich zum leckersten was der Fjord zu bieten hat, auch wenn mich meine Angelkumpels manchmal deswegen auslachen wenn ich gezielt auf Rotärsche gehe (die wissen ja nicht, was sie verpassen!).

Wenn ich mal abschweifen darf, möchte ich an dieser Stelle gleich noch ein einfaches, aber schmackhaftes Rezept reinstellen: Rotbarschsuppe nach Art des Hauses.

Man nehme 2 Fertigsoßen aus der Tüte, z.B. "Sauce Bernaise" oder "Dill-Sahne-Soße" (von Muggi oder Knorrx), mit etwa 50% mehr Wasser als auf der Packung angegeben (also bei 2 Packungen für je 250 ml Wasser insgesamt etwa einen dreiviertel Liter, also so ungefähr) und bereitet die Soße nach Plan zu, dann warmstellen.
Absolute Feinschmecker können vorher auch einen Fischfond aus den Karkassen herstellen, geht aber auch mit normalen Wasser, ist dann nur nicht so "fischig".

Anschließend oder nebenbei etwa je ein halbes Pfund Kartoffeln und Möhren putzen und Würfeln, etwas Sellerie und wenn man hat Fenchel (sehr gut!) und/oder Lauch, 2 - 3 Zweibeln und Knobi nach Geschmack, in einer tiefen Pfanne in Butter anschwitzen. Nach 5 Minuten ein bisschen Wasser auffüllen und in der zugedeckten Pfanne schmargeln lassen, bis die Kartoffeln fast weich sind.

Wenn fertig, alles in die vorher hergestellte Sauce geben, kurz aufwallen lassen, vom Herd nehmen und pro Nase etwa 5 - 10 Rotbarschfilletchen in die heiße Suppe werfen. Darf auf keinen Fall kochen! Noch 5 Minuten ziehen lassen und dann kräftig mit Salz und Pfeffer abschmecken. Einfach nur super, mehr kann man dazu nicht sagen!

So, nach dem kleinen Abschweifer ins Kochstudio gehts weiter. Am nächsten Tag war Räuchern angesagt. Dazu hatten wir am Vorabend schon mal einen Teil der Beute eingelegt: paar Rote, einen kleinen Köhler, einige Makrelen und eine etwa 30er Mefo, die ich bei Oddvar gegen einen größeren Pollack eingetauscht hatte (daraus macht der immer lecker Fischbuletten). Nachdem er mir aber mal erzählt hatte, daß er die gerade beim Pollack oft in den Bauchlappen sitzenden Würmer nicht weiter tragisch findet weil die ja im Fleichwolf eh zerhäckselt werden, komm ich da nicht mehr so richtig ran.

Also, das Ergebnis beim Räuchern war sehr zufriedenstellend



leider wurde durch den Qualm des Ofens



der bei ungünstigen Winden durch das offene Fenster in die Saunahütte eindrang, der Feuermelder in selbiger ausgelöst, was dieser mit einem durchdringenden Gejaule anzeigte. Blöderweise war das Teil direkt unter dem Dachspitz angebracht, wo man natürlich ohne Leiter nicht rankam (Vermieter war gerade nicht da). Nachdem die Batterien
ihre Standfestigkeit bewiesen hatten (alos etwa 1 Stunde später) hat dann meine Frau die Nerven verloren und sich unter Mißachtung aller gängigen Unfallverhütungsvorschriften über den Alkoven zu dem Ding durchgehangelt, um es endlich "mundtot" machen zu können. Bei sowas zahlt sich ein robustes Nervenkostüm eben aus !
 

 
 

Teil 2 

 
Am nächsten Tag ging's dann (wieder nach dem Nachmittagskaffee) mal zum Grundfischen. Alledrings wurde das meiner etwas "häppeligen" Tochter schnell zu langweilig, und da es ja als Familienurlaub geplant war, haben wir dem Geningel, daß nichts beißt, dann ziemlich schnell nachgegeben.

Trotzdem hat meine Frau in etwa 200 m Tiefe noch einen seltsamen Fisch gefangen (immerhin 1,17 m lang), der wie eine Kreuzung aus Conger und Leng aussah. War bei der Landung noch ganz dunkel olivbraun, wurde aber nach dem Ausbluten erst hellgrau und dann braun-grau-fleckig. Ich glaube das war ein Blauleng, bin mir aber nicht ganz sicher. Ihr seht das Teil auf den drei letzte Bildern dieses 1. Teiles, vielleicht weiß ja jemand was das für'n Tier ist.






 
Nach den ersten anglerischen Erfolgen (siehe Teil 1) und nachdem wir uns erstmal richtig an frischem Fisch satt gegegssen hatten, haben wir's dann mit dem Angeln erstmal etwas ruhiger angehen lassen. War ja schließlich als Familienurlaub geplant, also: Fischfang überwiegend nur zum Frischverzehr - war ausgemacht. Da wir (also meine Frau und ich, ohne Kind) bisher immer nur für eine Woche mit Angelkumpels im April oder Mai in der Gegend waren (jeden Tag Angeln von morgens bis abends) hatten wir ja auch noch nicht allzuviel vom "Hinterland" gesehen, was wir dieses Mal aber unbedingt nachholen wollten.

Für diejenigen, die auch mal mit Familie in der Gegend sind hab ich deshalb 2 ganz heiße Tips:

Der erste ist das Heringsfestival in Haugesund, welches immer an einem Wochenende im August stattfindet (den genauen Termin kann man im Netz rausbekommen). Dafür lohnt sich in jedem Fall auch eine etwas weitere Anreise (für uns etwa zweieinhalb Stunden). Dort ist von etwa 10 - 14 Uhr in der Fußgängerzone eine riesige Tafel aufgebaut (schätze mal so 200 m lang, über 2 Kreuzungen hinweg), wo man sich auf Kosten des Sponsors (glaube ein Fischverarbeiter) an allen möglichen Heringsleckereien den Bauch vollschlagen kann, wovon auch alle reichlich Gebrauch machen. Da gibts Hering gebraten in allen varianten, sauer eingelegt, in diversen Saucen und und und. Als Beilage gibts kalte Pellkartoffeln. Man nimmt sich einfach einen Plastikbecher und los geht die große Schlemmerei, immer am Tisch lang, ganz langsam vorwärts. Wer ausschert hat verloren. Innerhalb des U-förmigen Tisches sind weißbemützte Köche ständig um Nachschub bemüht. Dazu gibts Straßenmusik vom Shanty-Chor bis Jazz, totale Volksfeststimmung. Am Hafen geht das ganze weiter, haufenweise historische Schiffe, die man sich anschauen kann, Buden, Gaukler und Massen von fröhlichen Leuten. Absolut sehenswert, wir waren begeistert. Auf den ersten beiden der angehängten Bilder hab ich mal versucht, das Treiben festzuhalten, die Lifeatmosphäre kann man damit aber natürlich nicht rüberbringen.





Der 2. Tip ist ein Wandertip auf der Insel Tysnes, und zwar der höchste Berg der Insel, der Tysnessatà. Stolze 753 m hoch, was nicht viel erscheinen mag, aber der Aufstieg beginnt ja bereits bei knapp über null (ist also so, als wenn man von Dresden aus auf den Fichtelberg klettert). Hatten wir wirklich erst unterschätzt. Dabei gehts ganz malerisch über Stock und Stein, erst durch Heidelbeer- und Weidengestrüpp, dann über Wiesen (mit zahlreichen Schafen) und zuletzt gibst nur noch Moose und Flechten. Auf dem Gipfel wird man mit einem echten Gipfelkreuz nebst Gipfelbuch und einer herrlichen Aussicht über die Insel und die angrenzenden Fjorde belohnt. Bei guter Sicht (hatten wir) kann man auch die Gletscher des Folgefonn deutlich erkennen. Echt empfehlenswert,





Die Bilder zeigen das Gipfelkreuz und die Aussicht über den Björna.

Geangelt wurde natürlich auch noch (meistens nur paar Stunden morgens oder abends), wobei wir dem leicht ungeduldigen Kind zuliebe meist nur mit leichterem Gerät in den flacheren Zonen geangelt haben. Das schwere Grundangeln in großen Tiefen ist schon wegen der erforderlichen Gewichte für Kinder nicht so geeignet, und wir wollten es unserer Tochter ja nicht gleich verleiden.

Trotzdem haben wir noch hervorragend gefangen, so daß wir uns noch vor Ort eine zweite Styrobox besorgen mussten (war so nicht geplant, aber wenn man die Fische einmal gefangen hat, ist's dann ja doch schade drum. Mit der 15kg - Regel hatten wir keine Problem, waren ja schließlich zu dritt. Hat aber bei der Ausreise auch keinen interessiert, obwohl massig WoMos, Kleinbusse mit abgedunkelten Scheiben und PKW mit Hänger auf der Fähre waren.

Die ganz dicken Teile fängt man beim Leicht-Pilken und Spinnen im Flachwasser (so bis etwa 50 m) natürlich kaum, mehr so die "Mittelklasse", macht aber sowieso mehr Spaß einen 3kg-Pollack oder Köhler an der 60g-Spinnrute zu bändigen, als einen 10kg-Leng mit der großen Multi und der 30Lbs-Rute aus 150 m Tiefe hochzupumpen. Schön ist dabei auch, daß man meist viele verschiedene Arten ins Boot bekommt



Die größten Einzelfische will ich zum Gedenken trotzdem nicht verschweigen:

- Leng von 1,08 m (ich) auf's Rotbarsch-Vorfach, der war richtig dick und fett, aber nicht vollgefressen, sindern richtig schön fleischig (super Filets!). Auffällig war, daß der Fisch nicht einen Wurm hatte, weder in den Bauchlappen noch in den Innereien, daß ist in der Gegend sicherlich sehr, sehr selten (vielleicht war er deshalb so gut genährt?). Zu sehen ist das stolze Tier mit dem stolzen Bezwinger auf hier:



- Dann hab ich noch mit der Leichtpilke (30 g Pilker) einen für die Gegend und die Jahreszeit sehr schönen Dorsch im Mittelwasser erwischt, knapp 90 cm lang (Waage hatten wir keine dabei), zu sehen mit meiner Holden auf Bild 7



- der größte Fisch meiner Tochter war ein 96er Leng (leichter Pilker mit Fischfetzen am Drilling in nur etwa 60 m Tiefe) , der sie ganz schön beschäftigt hat, ebenfalls dick und rund (Bilder 8 und 9)





- gute Schellfische gabs auch (hatten wir im Frühjahr kaum), und natürlich die allgegenwärtigen Köhler



aber die waren nicht so häufig und groß wie im Frühjahr, man musste zum Teil ganz schön suchen.

Fazit: Super Urlaub, hat wirklich fast alles gestimmt. Werden wir sicherlich bald mal in der Form wiederholen. Angelurlaub für den Winter ist schon in Planung, dann (Dezember) gibts dort jede Menge "Wintertorsk" (sagt Oddvar), die sind so im Schnitt 3 - 5 kg schwer und sollen prima schmecken (noch weitgehend ohne Laich).
 
 

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