Norwegen Angelfreunde

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Langenuen März 2008 - Teil 4

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Tag 5 Dienstag:


Was mag Petrus heute in seiner Wetterküche für den Tag bereitet haben? Mein Blick fällt auf einen fast blank geputzten Himmel. Wenige kleine weiße Wölkchen unterbrechen das Blau. Wind war gestern, denn heute weht er an anderer Stelle, nicht bei uns. Das Frühstück ist schnell erledigt. Vorbei an einigen Eiszapfen, die in der Sonne glitzern, führt mich mein Weg zum Hafen. Dort erwartet mich schon mein Angelpartner und wir bereiten das Boot für die Ausfahrt vor.

Wir fahren Leng-Angeln CheckUp:
„Sprit?“
„OK“

„Motor?“
„OK und läuft!“

„Mäusekino läuft?“
„In Farbe und Bunt!“

„Angeln?“
„Bereit!“

„Köder?“
„Wie hätten wir es denn gerne? Geschnitten oder am Stück!“
„Nur ganze Ware bitte!“

Erstmal zu Ende Lachen……und wir nahmen Kurs Richtung der gestrigen Fangstelle.
Die Gedanken kreisen schon in 129m Tiefe. Weilen bei hungrigen Leng, die nur auf unsere Köder warten. Bei wem steigt der erste ein? Können wir die 104cm von Gestern noch übertreffen? Wieder „dicke Backen“? Die Anspannung wurde schon fast körperlich als ich von Philipp auf etwas querab auf der anderen Fjordseite aufmerksam gemacht wurde.
Mein Blick wanderte in Richtung der Stelle auf die er deutete.
DA! Ich erspähte in ca. 500m Entfernung zwei Rückenflossen welche die Wasseroberfläche durchbrachen.
„Tümmler?“ war mein erster Gedanke. Diese Tiere habe ich schon öfter, auch vom Boot, in Dänemark beobachten können. Somit war mir der Anblick vertraut. Irgendetwas stimmte aber nicht überein. Die Entfernung und Größe der Flossen passten nicht zusammen.

„Können das Grintwaale sein?“ fragte ich, als die Rückenflossen erneut auftauchten. Man konnte sogar die Atemwolken erkennen. Dieses hatte ich selbst aus weniger als 50m noch nicht bei Tümmlern gesehen. Kurz bevor die beiden wieder abtauchten, durchbrach wenige Meter vor ihnen eine weitere Rückenflosse die Wasseroberfläche. Langsam aber stetig „wuchs“ sie immer weiter aus dem Wasser. Es müssen mindesten 1 ½ Meter gewesen sein als erst der Rücken des Tieres langsam an die Oberfläche kam. Eine kräftige Atemwolke wurde ausgestoßen und gleichzeitig war er soweit an der Wasseroberfläche, dass wir kurz die weißen Flecken seiner Körperzeichnung ausmachen konnten.
ORKAS!!!
War unser zeitgleicher Ausruf.
„Hinterher?“
„Klar! Mach los! Hast du eine Camera?“

An dieser Stelle, der geneigte Leser mag es ahnen: DA WAR ER WIEDER!
Dieser Gesichtsausdruck! Dieses Mal konnte er sogar zweier Gesichter gleichzeitig habhaft werden. Meine Camera lag mit leerem Akku im Zimmer. Natürlich weilte das elektronische Bildaufzeichnungsgerät von Philipp ebenso in unerreichbarer Entfernung.

„Handycamera muss dann jetzt reichen! Also festhalten und hinterher!“
Den Kurs wählte ich im 45Grad Winkel in Richtung der Orkas jedoch entgegen ihrer Zugrichtung. Erstmal halbwegs hinter sie kommen um im respektablem Abstand, unter 200m wollte ich nicht ran, ihnen folgen zu können. Anfänglich sah auch alles gut aus und verlief wie geplant. Während der Annäherung tauchten die Orkas immer wieder auf. Als wollten sie uns zeigen wo es lang geht! Philipp übernahm das Steuer und ich bezog meine „Stellung“ im Bug. Bewaffnet mit der Handycamera schoss ich die ersten Fotos.

„Die sind noch zu weit weg!“ war kaum ausgesprochen als die große Rückenflosse abtauchte und weg waren sie. Einfach so weg. Mindestens 5 Minuten waren sie an der Oberfläche gezogen und nun wo wir fast dran waren, tauchen sie ab. Die Fahrt des Bootes wurde verlangsamt. Etwas später, jeder eine Seite des Fjordes beobachtend, lagen wir ohne Fahrt mitten im Langenuen. Es vergingen Minuten, es zeigte sich aber kein Wal mehr an der Oberfläche. Keine Atemwolke.
 
Nichts.

„Schade. Die sind wohl wirklich weg.“
„Wird wohl. Es kommt keiner mehr rauf. Entweder fressen sie jetzt oder ziehen tief im Fjord weiter. Ob wir sie verschreckt haben?“
„Kaum. Die sind bei dem Verkehr hier im Fjord bestimmt einiges mehr als ein kleines Angelboot gewöhnt.“
Wir waren beide froh, die Orkas wenigsten von Weitem gesehen zu haben. Aufgeregt darüber wurde mit leicht zittrigen Fingern ein Paar Zigaretten hervorgekramt.
Gerade als ich meine anstecken wollte, ein Auge immer noch auf den Fjord gerichtet, tauchte plötzlich die große Flosse wieder aus dem Wasser auf. In weniger als 250m zog sie an der Oberläche und der Orka stieß mehrmals Atem aus ohne abzutauchen.
„Der kommt auf uns zu!“ bemerkte Philipp als Erster. Zwischenzeitlich hatten wir den Motor abgestellt, trieben nur auf dem Fjord.
„Motor an?“
„Nein besser nicht! Hoffen wir, dass sie an uns vorbeischwimmen!“
So taten wir es: Einfach treiben lassen und „der Große“ kam langsam aber stetig weiter auf uns zu. In weniger als 100m Entfernung tauchten gleichzeitig zwei weitere Orkas querab zum Großen Orka auf. Sie kamen von der anderen Fjordseite und steuerten auf den Großen zu. Als wolle er alle versammeln! Es müssen um die 60-70m Abstand zu uns gewesen sein, da trafen sie aufeinander. Alle tauchten ab! Mit zittrigen Händen hatte ich einfach nur noch auf den Auslöser der HandyKnipse gedrückt. Selbst wollte ich nicht nur durch den Sucher die Tiere sehen.
Es waren weniger als 50m Entfernung zu unserem Boot als die große Rückenflosse langsam wieder auftauchte. Ein kräftiger Atemstoß und er taucht wieder ab. Wir erwarten ihn in ca. 20m querab vom Boot. Warten….warten….warten…. und müssen nach ca. 2 Minuten erkennen, dass die Orkas wiederum in die Tiefen des Fjords entschwunden sind.

Zu diesem Zeitpunkt waren wir beide nicht mehr wirklich ansprechbar. Jeder musste erstmal das gerade Erlebte verarbeiten. Glaubt mir ruhig, wenn wir keine Ohren gehabt hätten, wir hätten glücklichst im Kreis gegrinst!!!
Ein Naturerlebnis, welches mir noch hoffentlich lange im Gedächtnis präsent bleiben wird.

Wie soll man sich nach so einem Ereignis auf das nun folgende Angeln konzentrieren? Wir haben auch länger darüber nachgedacht. Treiben mit dem Boot noch so auf dem Fjord, mit der Sonne im Gesicht, mit den Gedanken bei den Orkas. Die Frage: „Angeln?“ verschoben wir erneut auf später.
Nach ein paar weiteren Minuten fuhren wir dann Richtung unseres eigentlichen Zieles für diesen Tag.
Wir haben unsere „Bühne“ schnell wieder gefunden und begannen auch gleich mit dem Ablassen der Köder. Nach kurzer Zeit stellten wir eine gänzlich andere Drift fest als wir sie erwarteten. Statt langsam entlang der 129m wurden wir recht schnell darüber hinweggetrieben. Da es auf der einen „Seite“ recht gerade auf 60m raufgeht hingen unsere Montagen schnell mit der Schnur über die Kante. Wir kurbelten unsere Montagen schnell rauf, um einen eventuellen Hänger zu…….spät!!! Hängt fest! Nach ein wenige Zuppel und Zerren können wir die Montage doch noch befreien. Erneut versuchen wir das Boot entsprechend auszurichten. Die Drift drückt uns aber wiederum zu schnell über das 129m Loch hinweg. Ein weiterer Hänger ist die Folge. Glücklich über eine erneute Rettung der Montage aber frustriert nicht dort vernünftige Bedingungen zu haben, brechen wir das Angeln an dieser Stelle ab.

Wir wechseln die Seite des Fjordes und hoffen dort weniger dem nun stark zunehmenden Wind weniger ausgesetzt zu sein. Auch hoffen wir auf weit weniger Drift. Eine begrenzte Erhebung von 90m auf ca. 50m wird in’s Auge gefasst. Dank des Garmin-Gerätes treffen wir genau auf den Punkt. Echos auf dem Schirm zeigen uns die Anwesenheit von Fischen. Wir lassen unsere Montagen absinken. Auf der nicht der Strömung ausgesetzten Seite des Berges stehen einige gute Echos beisammen. Die Köder erreichen den Grund und wir beginnen mit der Überzeugungsarbeit. Es zuppelt zwar hin und wieder aber so richtig möchte keiner dort unten das gereichte Köder-Buffet eröffnen. „Sind wohl Wittlinge oder andere Nervensägen!“ wurde mit einem starken, kurzen Zug an meiner Angel dort unten quittiert. Anschlag und sitzt….was immer da auch dran ist. Es wehrt sich nicht und so richtig was großes scheint es auch nicht zu sein. Wittling aus 60m mit Augen wie ein Froschkönig war das Ergebnis. „Och nee!“
Derweil waren wir auf ca. 90m Wassertiefe abgedriftet. Es zeigten sich immer noch Echos auf dem Schirm. Also angelten wir weiter. Immer wenn man eine Zigarette ansteckt kommt das „Stangentaxi“ auch eins von Murphys-Gesetzen. Stimmt in diesem Falle wenn man das „Stangentaxi“ durch Fische an einer Angelmontage in 90m Tiefe ersetzt.

Mein Arzt wird es den Fischen danken, die Zigarette bleib aus und ich drillte die Störenfriede nach oben. „Hoffentlich nicht schon wieder Kleinkram mit Froschaugen.“ Es sollte der besagte „Kleinkram“ sein. Jedoch waren es zu meinem Erstaunen 3 Rotbärschlein von ca. 20cm Länge. Auch wieder Grimms-Märchen auf den Augen. Da dies nicht unbedingt meine Einstellung gegenüber Fischen wieder spiegelt, wenn ich die Angelei ausübe, wurde eine andere Stelle im Fjord angesteuert.
Dort angekommen konnten wir, in moderater Wassertiefe, mit der Angelei auf Seelachse, in vernünftigen Größen, den Tag ausklingen lassen.
Leider war dieser ereignisreiche Tag der letzte in diesem Urlaub an dem ich mit Philipp zum Angeln fahren konnte. In diesem Urlaub!

Ein weiteres „Naturereignis“ dieses Tages möchte ich euch nicht vorenthalten. Es hat mit dem hier geschilderten nichts zu tun, aber die Geburt meiner Nichte Anna-Karina möchte ich nicht unerwähnt lassen. Kind und Mutter wohl auf! Vater stolz wie Oskar! Ein frischgebackener Onkel grüßt!!!!
 

 

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