Mein erstes Mal

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Wie ich mein Traumland entdeckte ...


Mein erster Urlaub in Norwegen


Es war einmal vor über 20 Jahren ... Wir schreiben das Jahr 1993 und es war Frühling. Irgendwie hatten wir (mein damaliger Freund und ich) überhaupt keinen Plan, wo uns der nächste Urlaub hinführen sollte. Wir als "neue Mitbürger aus dem Osten" hatten nach der Wende im letzten Urlaub (1990) im damaligen Jugoslawien eine kleine Pleite erlebt und hatten uns geschworen, auf die falschen Versprechungen der "West"-Reisever-anstalter nicht mehr reinzufallen. 1991 und 1992 hatten wir aufgrund einer Geschäftseröffnung ohnehin schon auf ausgiebigen Urlaub verzichten müssen, dann sollte unser nächster Urlaubstrip schon was Besonderes sein. Ich hatte mir damals immer mal ein paar Reisezeitschriften aus dem Kiosk geholt und geschaut, was es noch so für Möglichkeiten gibt, die kein Reisebüro im Programm hatte. Diese Zeitschriften bestanden ja auch zu einem Großteil ein Werbung und so kam es, dass ich mir mal ein paar Ferienhauskataloge zuschicken ließ. Außerdem kam ich auf diese Weise zu den Fährplänen von Color Line. Schon auf den ersten Blick in die Kataloge (es waren nicht mehr als 2-3) hatte mich Norwegen bereits unheimlich in seinen Bann gezogen. Also gleich noch den Atlas gewälzt und in der Bücherei ein paar Bücher über Norwegen ausgeliehen.

Ja, damals war alles nicht so einfach wie heute...aber es ging auch ohne Internet. Ich hatte schnell ein Haus gefunden, was mir gefiel und was preislich in unser damalige Budget passte. Das Haus war in Susort in der Region Tysvær am Boknafjord - nördlich von Stavanger irgendwo links von der E39 nachdem man das gesamte Fähr-Brücken- und Tunnelsystem durchquert hatte. Rechts der E 39 liegt das riesige Statoil Areal bei Karstøy. Preislich für heutige Verhältnisse ein Traum - für 2 Wochen im August 600,- DM. Damals war noch ein befreundetes Paar mit dabei, sodass wir uns die Kosten teilen konnten, 300 DM für 2 Personen für 2 Wochen in einem 100 m² Haus in Norwegen, 100 m vom Fjord, mit extra Bootshaus direkt am Wasser und einem 16 Fuß Boot mit 8 PS. Wir waren happy. Sollten sich die Anderen ruhig in Massen mit dem Bus nach Spanien oder Italien karren lassen und dann 10 Tage in einem Hotelbunker in einem 15 m² Zimmer mit Blick auf den Hotelinnenhof oder eine Baustelle campieren und sich in Scharen am Buffet um die angeblich so schmackhaften einheimischen Köstlichkeiten schlagen. Ich war schon im Vorfeld überzeugt, das ich die wahre Urlaubsalternative gefunden hatte. Meine Familie und Freunde, Bekannte und Arbeitskollegen - alle waren skeptisch. Wie konnte man sich nur eine Autofahrt über fast 1500 km antun, dann noch eine Nacht auf einer Fähre rumhängen, um dann Urlaub in einem Haus machen, was man selber sauber machen muss und wo man auch noch selber kochen muss und nicht ein tolles Frühstücksbuffet im Hotel wartet ? Außerdem ist das Wasser zum Baden viel zu kalt und das Wetter im Norden sowieso immer schlecht ! Solche Kommentare hörte ich von fast allen. Aber egal, für mich gab es kein zurück - ich war mir sicher, das perfekte Urlaubsziel gefunden zu haben. Zwischenzeitlich war auch die Fähre gebucht. Wie gesagt, Buchung ohne Internet, keine täglichen Preisdifferenzen, Preise für Haupt- und Nebensaison und fertig. Ein Preisblatt und alle Preise auf einen Blick. Dann nur noch das Formular aus dem Katalog ausgefüllt, evtl. vorab schon mal per Fax geschickt (zum Glück hatte ich auf Arbeit eins direkt hinter mir stehen) und dann ab per Post und auf die schriftliche Bestätigung gewartet. Als Fährverbindung hatten wir Hirtshals-Kristiansand gewählt. Laut Katalog sollte die Überfahrt 4,5 Std. dauern. Kabine - nee brauchen wir nicht, dachten wir jedenfalls. Doch dazu später. Damals fuhren wir mit der MS Christian IV und zurück mit der MS Skagen. Preislich lag die Überfahrt bei ca. 450 DM, also nicht viel günstiger als heute ein günstiges Autosparpaket, allerdings war man viel länger unterwegs.
Ich bin mir nicht mehr ganz sicher, aber ich hatte Ende Mai alles gebucht und nun hieß es gespannt warten. Die Vorfreude war damals schon genauso wie heute. Allerdings waren uns solche detaillierten Vorbereitungen wie heutzutage damals völlig unbekannt. Monatelange akribische Vorbereitungen, die brauchten wir damals nicht. Wir wussten nur, das wir vorher ausgiebig Lebensmittel einkaufen mussten, weil ja in Norwegen vieles teuer sein soll. Um den Angelkram habe ich mir nicht wirklich Gedanken gemacht, doch eins wusste ich, ich will unbedingt mal was anderes als Karpfen & Co. angeln ! Mein damaliger Freund hatte einiges an Angelequipment fürs Raubfischangeln, das sollte erst einmal reichen. Es wurde eine neue Meerescombo mit großer Stationärolle gekauft und 5 Pilker von 100-150 g. Den Rest wollten wir vor Ort in Erfahrung bringen. Laut Beschreibung zum Ferienhaus sollte der Besitzer Krabbenfischer sein. Da hofften wir auf ein paar nützliche Tipps. Der Tag der Abreise rückte also näher und die Reisetaschen wurden gepackt, 2 kleine Kühlboxen mit Lebensmitteln gefüllt und den Angelkram ins Jetbag gepackt. Heute frage ich mich allerdings, wie wir zu Viert in einem Fiat Kombi mit Dachbox all das Gepäck weggekriegt haben. Das Auto wurde bis unters Dach vollgestopft und es ging los. Bis Hirtshals lagen um die 1000 km vor uns. Die Fähre ging kurz nach Mitternacht. Wir waren zu zeitig da, haben uns dann in einem Hafenkiosk zum Abendessen ein Burger-Menü gegönnt und hatten unendlich viel Zeit bis zur Abfahrt. Endlich war es soweit, wir waren die Ersten, die auf die Fähre fahren konnten. Doch leider hatten wir von unserer Pole-Position einige Startschwierigkeiten. Die Batterie war runter, weil die ganze Zeit, die Kühltasche mit Ladekabel angeschlossen war und den Saft aus der Batterie gezogen hatte. Toll, also hieß es die vollbeladene Karre anschieben. Mit Mühe haben wir das hingekriegt und mussten uns wieder hinten anstellen. Endlich auf der Fähre, wollten wir uns ein Plätzchen zum Ausruhen suchen, aber überall campierten Sinti und Roma-Familien mit ihrem riesigen Clans und blockierten die Gänge. Nach langem Suchen hatten wir eine freie Sitzbank ergattert und wollten uns jeweils zu Zweit abwechselnd ausruhen. Ich hatte mich für die 2. Schlafschicht vormerken lassen, denn zuerst sollten sich die beiden Fahrer ausruhen. So wurde das Schiff erkundet und nächtliche Seeluft geschnuppert. Irgendwann habe ich mitbekommen, das unsere Überfahrt in der Nacht nicht 4,5 Std. sondern 6,5 Std. dauern sollte. Na toll, das hatten wir so nicht eingeplant. Da wäre natürlich eine Kabine angebracht gewesen, aber eh wir das geschnallt hatten, war es eh zu spät. Außerdem wollten wir uns das Geld sparen und so war an Schlafen während dieser Stunden auf der Fähre nicht zu denken. Eins hatten wir schon mal gelernt - beim nächsten Mal nicht ohne richtigen Schlafplatz !
Ankunft und Einreise liefen völlig unspektakulär ab. Bei der Einreise wurden wir zwar gefragt, wohin wir wollen und ob wir Alkohol dabei haben, aber als wir unsere Pässe dem Zöllner hinreichten und obenauf die Pässe von 2 Mädels lagen, hatte sich die weitere Frage nach der Alkoholmenge wohl für die erledigt und wir durften passieren. So nun lagen noch etliche km vor uns. So richtig ausgerechnet anhand der Karte hatten wir das nicht, denn wir hatten auch keinen Plan wie viel Zeit für Fähre, Brücken und Tunnel einzuplanen waren. Also hieß die Devise -fahren und die Landschaft genießen.
Ich weiß nicht mehr wie lange wir gefahren sind, denn kaum die ersten Kilometer in Norwegen gefahren und ich erkrankte gleich am unheilbaren Virus. Ich war von der Landschaft einfach nur fasziniert und kam aus dem Staunen nicht mehr raus. Am liebsten hätte ich an jedem Rastplatz angehalten und Fotos gemacht. Aber mein Filmmaterial war ja begrenzt und ich musste mich zügeln. An einem Rastplatz gab es eine lustige Episode. Unser Kumpel, der uns mit seiner Freundin damals begleitete, war mit der Klopapierrolle im Wald verschwunden. Wir wussten also, das es länger dauern könnte. Doch schon nach kurzer Zeit kam er mit halb runtergelassener Hose aus dem Wald gestürmt und meinte wir sollten ganz schnell verschwinden, denn er glaubte einen Elche gesehen zu haben. Wir also ins Auto gesprungen und weitergefahren. Wir fragten ihn, ob er denn gesehen hat, wie groß er war, meinte er nur, das er eigentlich nur was Unheimliches gehört hatte und ganz schnell abgehauen ist. Wir mussten lachen und er hatte seinen Ruf weg. Vielleicht war es ja wirklich ein Elch - wer weiß ?Unsere weitere Anreise verlief ohne Zwischenfälle, wir haben etliche Kronen für Fähre, Tunnel und Brücken gelöhnt und waren glücklich, endlich am Ziel zu sein.
Der Schlüssel zum Haus sollte im Blumentopf rechts neben der Tür liegen und genauso war es auch. Wir schauten uns an und waren uns einig - in Deutschland einfach undenkbar. Das Haus war einfach eingerichtet, aber wir hatten damals noch keine großen Ansprüche. Wir waren rundum zufrieden. Der Fjord lag vor uns und vom Wohnzimmer hatten wir einen wunderschönen Ausblick.
Als erstes wurde dann das Bootshaus in Augenschein genommen. Das rustikale Etwas war ein Erlebnis für sich. Ein großer Abstellraum mit Tisch + Sofa in der Mitte. Neben dem Sofa stand eine kleine Camping-Toilette und ein riesiges Holzfass mit eingelegtem saurem Fisch. Es gab noch eine kleine Kammer mit Doppelbett. Das war also der "Extra-Schlafplatz", der im Katalog erwähnt war. Dort schlief wahrscheinlich immer Arne, der Eigentümer, wenn er spät mit seinem Fischerboot zurückkam und es nach ein paar Schlückchen Hochprozentigem nicht mehr bis nach Hause schaffte. Irgendwann kam dann auch Arne, der genauso hieß wie der Ort in dem wir waren, nämlich Susort. In Norwegen gar nicht mal so selten, wie wir später herausfanden. Ein kleiner alter Mann, braungebrannt und immer lächelnd. Er fuhr einen alten Citröen Kombi, den er immer mit geöffneter Heckklappe und offener Fahrertür vor dem Bootshaus abstellte, wenn er mit seinem Boot rausfuhr. Er erklärte unseren Jungs das Boot und machte eine Probefahrt und meinte, das es überall genug Fisch gibt. Wir sollten uns die typischen norwegischen Gummi-Mak-Beifänger und die silbernen Pilker nehmen und dann klappt das schon. Dann erklärte er uns noch, dass er erst vor kurzen den kleinen Hafen in den Felsen gesprengt hatte. Es erklärte uns, das er eine kranke Frau hat, die im Rollstuhl sitzt und er als Rentner sich als Krabbenfischer noch etwas dazuverdient. Und das alles in Norwegisch, was wir aber irgendwie einigermaßen verstanden. Dann machte Arne seine Krabbenkisten fertig und fuhr raus.
Wir machten die ersten Würfen mit der Angelrute von Land aus und büßten gleich einen der neuen Pilker ein. War ja auch ziemlich blöd mit 100 g bei felsigen Untergrund ... Aber Seekarten hatten wir nicht. Wir wussten nur, dass der Fjord sehr tief war. Wir hofften in den nächsten Tagen vom Boot aus, einige Fische zu erwischen. Das Jagdfieber war jedenfalls da. Den ersten Tag ließen wir mit Bier und Wein vor dem Bootshaus mit Blick auf den wunderschönen abendlichen Fjord ausklingen. Ich fühlte mich einfach rundum wohl hier und war glücklich. Kann ein Urlaub nicht schöner beginnen ?
Der erste Tag war grau und regnerisch, aber immer wieder riss die Wolkendecke auf und die Sonne kam kurz hervor, was wunderschöne Regenbogen hervorzauberte. Eine weiteres tolles Naturschauspiel, was immer wieder neue Farbeffekte hervorzauberte. Trotz Regen hatte dieses Land etwas einzigartiges Faszinierendes. Wir erkundeten mit unserem kleinen Boot, die Inselwelt des riesigen Fjordes und suchte teilweise vergeblich den Fisch.
Aber für mich war die Angelei schnell zu etwas Unwichtigem geworden, ich genoss einfach nur die Landschaft und träumte von einem kleinen Häuschen auf einer einsamen Insel.
Die Fjordangelei gestaltete sich ja ziemlich schwierig. Aber dennoch hat es für 2 Mahlzeiten gereicht und ein paar Filets haben wir auch eingefroren. An einem Forellensee waren wir auch angeln und haben 5 Forellen räuchern können.
Arne unser Vermieter kam ab und zu mal vorbei bzw. wir trafen ihn am Bootshaus. Einmal war er über Nacht mit dem Boot draußen geblieben und es regnete unaufhörlich. Sein Auto stand mit offenen Türen nun schon seit Stunden vor dem Bootshaus. Wir machten das Auto trotzdem mal zu, obwohl Arne uns erklärt hatte, das er das immer so abstellt und es kein Problem wäre. Irgendwann war Arne wieder mit seinem kleinen Krabbenkutter im Hafen und wir wollten uns entschuldigen, das wir uns an seinem Auto vergriffen hatten. Arne war jedoch froh, dass es nicht rein geregnet hatte und schenkte uns als Dankeschön einen Hummer, den er in einer Krabbenkiste gefangen hatte. Wir waren sprachlos und freuten uns auf die Delikatesse. Das Wasser wurde im Bootshaus in einem riesigen Alutopf im Bootshaus gleich zum Kochen gebracht.
Zwischenzeitlich öffnete Arne dieses Holzfass neben dem Sofa mit dem sauer eingelegten Fisch. Der Geruch war zunächst etwas abstoßend, aber wir wollten die Gastfreundschaft von Arne nicht verletzen und kosteten zunächst etwas skeptisch und verhalten. Aber der Fisch im Kräutersud war so was von lecker, das wir einen kleinen Nachschub verlangten. Arne bekam ein paar von unseren Bierdosen und für seine Frau gaben wir ihm eine Flasche Wein mit. Er bedankte sich mehrmals mit Handschlag und war happy. Einen Tag später brachte er seine Frau im Rollstuhl mit zum Bootshaus, damit die sich für die Flasche Wein nochmal persönlich bedanken konnte. Wir waren gerührt, aber es war uns auch etwas peinlich, denn für uns waren es ja Dinge von geringem Wert, die wir verschenkt hatten. Später kam noch der Neffe von Arne, der auch seine Krabbenkisten auslegen wollte. Er erzählte uns, das er gerade wieder ein paar Wochen frei hatte, bevor er wieder auf einer Ölplattform sein Geld verdient. Er erklärte uns, das diese Jobs sehr begehrt sind und viele junge Leute, das erstmal einige Jahre machen, um gutes Geld zu verdienen. Für uns waren das gigantische Einkommenssummen, an die ich mich allerdings nicht mehr genau erinnern kann. Je mehr Details ich über Land und Leute erfuhr, umso wohler fühlte ich mich dort. Die Norweger fand ich alles auf Anhieb sympathisch. Neben unseren Bootsausflügen mit unserem 8-PS-Propeller,
machten wir auch einige Tagesausflüge, u.a. zu den Sandstränden auf Karmøy, nach Haugesund, zum Preikestolen und in die Nähe des Folgefonngletschers.
Die Tour zum Preikestolen startete im Nebel des Grauens. Einen mieseren Tag kam man sich nicht raussuchen, um dort hoch zu wandern. Unser Kumpel mit Freundin ist auch nach kurzer Zeit wieder umgekehrt. Ich ließ mich jedoch nicht davon abbringen, die Tour zu machen. Ich sah helle Abschnitte am Himmel und meinte, das es bald besser wird. Außerdem waren wir nicht die Einzigen Verrückten, die da hoch wollten. Wenn wir einmal hier sind, dann machen wir keinen Rückzieher, das war meine Devise. Und ich hatte recht ! Oben angekommen, riss die Wolkendecke kurz auf und wir konnten sogar die Ausflugsboote unten auf dem Fjord sehen. Es war ein unbeschreibliches Gefühl so nah an der Felskante zu sein. Da es aufgrund des Regens sehr rutschig war, sind wir auf allen Vieren zur Kante des Felsens gerobbt und haben einen kurzen Blick nach unten riskiert. Trotz schwierigem Gelände und schlechtem Wasser beim Aufstieg, möchte ich diese Erfahrung nicht missen.
Auch unsere Tagestrip in Richtung Folgefonngletscher war ein herrliches Erlebnis. Wir hatten nur eine Straßenkarte im Maßstab 1:300 000 und bildeten uns ein, eine Nebenstraße bis zum Ende fahren zu können und dann ist es nicht mehr weit bis zum Gletscher. Allerdings wussten wir nicht, das man für so ein Vorhaben auf jeden Fall eine Wanderkarte braucht. Dann hätten wir auch gesehen, das es von dort aus, überhaupt keine Möglichkeit gab, nur in die Nähe des Gletschers zu kommen.
Wir waren ab Odda auf der 550 unterwegs (den Folgefonntunnel gab's natürlich noch nicht) und sind eine Schotterstraße bis zu einem verlassenen Gehöft gefahren. Von dort aus sahen wir den Gletscher und machten uns mit reichlich Proviant auf den Weg querfeldein bzw.bergauf. Nach einer Stunde merkten wir jedoch, das es unmöglich war, auf diesem Weg zum Gletscher zu gelangen. Also entschieden wir uns, es bis zu einem naheliegenden Schneefeld zu wagen und dort zu rasten und wieder umzukehren.
Es war ein schöner warmer Tag und die Sonne brannte. Besonders lästig waren unzählige Insekten, die uns umschwirrten. Ein Plage, die wir unbedingt loswerden wollten. Das wurde dann auch besser, nachdem wir die Baumgrenze hinter uns gelassen hatten. Das Schneefeld war in Sicht und wir stürmten wie die kleinen Kinder darauf los und veranstalteten eine wilde Schneeballschlacht. Total ausgepowert, war es jetzt Zeit für das langersehnte Picknick. Wir relaxten ausgiebig, lagen faul herum und genossen die Einsamkeit. Es war eine tolle Tagestour, die bei herrlichem Wetter faszinierende Ausblicke lieferte.
Leider blieb uns das schöne Wetter nur noch für kurze Zeit. Trotzdem wurden die verbleibenden Urlaubstage genossen, es wurde gefaulenzt und noch ein bisschen das Umland der Region Tysvær erkundet. Außerdem war der Platz am Wasser vordem Bootshaus unser Hauptaufenthaltsort am auch am Abend. Die Nächte waren lange hell und wir hielten uns bevorzugt in der Nähe des Wassers auf. Dort wurde gegrillt und auch ein bisschen im Bootsschuppen rumgestöbert. Es gab überall faszinierende Dinge zu entdecken. Am vorletzten Tag wollten wir unsere Dachbox wieder auf das Auto montieren. Die hatten wir mit Hilfe des Eigentümers an einer Art Lift an der Decke der Bootsgarage befestigt. Allerdings klemmte das was und einer der Jungs musste auf die Leiter steigen. Dabei entdeckte er auf dem Dachboden etliche Kisten mit Dynamitstangen. Die hatte Arne wohl übrig, nachdem er seinen kleinen Hafen in den Felsen gesprengt hatte. Undenkbar für uns, das man Sprengstoff einfach in einem unverschlossenen Schuppen lagern konnte. Aber so waren sie nun mal, die Einheimischen. Ein für mich wunderschöner Urlaub ging viel zu schnell zu Ende. Der Wunsch noch viel mehr von diesem Land zu sehen, war größer denn je. Insgeheim hatte ich schon Pläne für das nächste Jahr, jedoch behielt ich die erst einmal für mich. Meine Vorstellungen wurden in diesen beiden Wochen bei weitem übertroffen, die Landschaft war viel schöner als vorher in den Reiseführern beschrieben. Ich hatte mich in dieses Land verliebt und wollte sobald wie möglich wiederkommen.
Zehn Jahre später waren wir übrigens auf der Rückfahrt mal wieder auf der E 39 unterwegs und wollten in Susort mal kurz von der Hauptstraße abbiegen.
Leider konnten wir dort nur kurz schauen, ob unser damaligen ersten Ferienhaus in Norwegen noch stand und vor allem ob das Bootshaus nicht doch dem Dynamit zum Opfer gefallen war. 2004 standen beide Gebäude noch und sahen auch aus wie im Jahr 1993. Es hatte sich dort kaum was verändert, was man ja in Norwegen nicht überall erlebt. Warum muss denn alles exklusiver werden, immer noch größer und mit hochmotorisierten Booten ? Ich erinnere mich jedenfalls gern an mein 1.Mal im gelobten Land und würde unter diesen Umständen auch in der heutigen Zeit nochmal Urlaub machen können, auch wenn es bei machen Dingen Verzicht bedeuten würde. Desto mehr kann man doch die Schönheiten dieses Landes genießen.
Übrigens - im folgenden Jahr (1994) wurde es dann ein 2. Urlaub in Norwegen zu Zweit an Sognefjord - aber ohne Fische. Jedoch mit Skifahren im Sommer, Wanderung zum Gletscher, Gletscherrundflug mit dem Wasserflugzeug, Fahrt mit der Flambahn und herrlichen Naturimpressionen in einer gigantischen Landschaft.
Jeg elsker Norge for alltid !