Hardanger

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Hardanger

Hallo, liebe Angelfreunde!
Eigentlich waren der liebe Udo und ich locker so verblieben, dass ich ´nen Text von unserer Tour ins AB stelle und er hier sein Unwesen treibt. Da Udo aber ein wenig länger braucht, stelle ich jetzt den Text, der im AB steht auch hier rein. Ich hoffe, ich trete damit niemandem auf den Schlips, ich treibe mich nämlich in beiden Foren gleichermaßen gerne herum. Und wer den Text schon kennen sollte, der kann ja Udos Version, die auch um Bilder angereichert wird lesen. Ist ja vielleicht auch mal was neues, einen Text über einen Trip aus zwei unterschiedlichen Perspektiven zu lesen.

Vor allem aber möchte ich natürlich die Ungeduld meiner lieben Informanten Bitti, Kossiossi, Tidecutter und Kunze befriedigen, indem ich euch jetzt endlich an unseren "unendlichen Erfolgen" teilhaben lasse!

Also, viel Spaß!

Das unnachahmliche leise Knacken mit dem kernigen ?Zisch!? am Ende drang an unsere Ohren. Unser traditionelles ?Dänemark-haben-wir-geschafft-Bier? am Anleger in Hirtshals schmeckte wie immer vorzüglich. Gut sechs Stunden nach Start waren wir wohlbehalten im Norden unseres Nachbarlandes angekommen und harrten nun der Fähre, die uns über Nacht ins gelobte Land bringen sollte. Arschkalt und nass war´s hier allerdings, aber was will man Ende März schon anderes erwarten? Die Fähre war in dieser Nacht fest in deutscher Hand. Was dabei von unseren Landsleuten auch an Hochprozentigem schon im kuschelig warmen Warteraum in Hirtshals verklappt wurde ? Respekt! Da war der Fahrer für den nächsten Morgen wohl im Vorfeld auslost worden. Bedauerlich finde ich dann, dass sich eine Minderheit an Bord nicht benehmen kann. Ich habe ja nichts gegen feucht-fröhliche Fährpassagen, aber muss man dabei immer rumgrölen und Leute, die ´ne Mütze voll Schlaf bekommen wollen, doof belabern, bloß weil die sich nicht den Arsch zu saufen? Zugegebenermaßen habe ich das aber auch schon mit Skandinaviern erlebt, aber wenn´s denn die eigenen Landsleute sind, dann bin ich doch immer ein wenig peinlich berührt.

Norge empfing uns regnerisch. Über die Küstenstraße ging es Richtung Stavanger, ab durch die Tunnel, eine letzte Fähre über den Mündung des Boknafjords und dann war es nur noch ein Katzensprung bis Vestvik. Bitti hatte nicht zu viel versprochen, unsere Bude vom Anbieter mit dem großen D war wirklich in Ordnung. Wir waren zu fünft, aber ein bis zwei Leute mehr wären wohl auch noch zu verkraften gewesen. Unser Interesse galt natürlich vor allem den Booten und auch hier kann ich Bitti nur uneingeschränkt zustimmen. Für zwei Personen prima und mit 15 PS ausreichend motorisiert, bei drei Personen sollte man den Dicksten allerdings nicht in den Bug setzen, dann wird?s nämlich feucht. Die Angel-Info unserer Vermieterin klang nicht allzu vielversprechend. In den letzten Wochen wurde wohl noch viel und auch großer Dorsch gefangen, allerdings waren die Fänge deutlich rückläufig, weil die Dicken in diesem Jahr wohl schon sehr früh (Mitte Dezember) im Fjord waren. Unsere Dorschausbeute die nächsten Tage sollte dies bestätigen. Dass Fisch gefangen wurde ließ sich eindrucksvoll bei einem Blick ins glasklare Wasser des Anlegers erkennen. Ein Skelettfriedhof hatte sich hier die Tage vorher angesammelt. Eine erste kurze Ausfahrt im Pollen brachten mir einen 3-Pfünder, dem ich voller Begeisterung eins auf die Mütze gab. Die erste Fischmalzeit war gesichert. Mehr sprang allerdings an diesem kalten und feuchten Tag nicht heraus.

Am nächsten Tag ging´s mit den mitgebrachten Ködermakrelen vom letzten Norwegenurlaub auf den Bömlofjord hinaus, um unseren grundnahen Freunden auf die Pelle zu rücken. Wir hatten uns vorgenommen, die Ortstipps von Kunze und Bitti zu befolgen. Das Valevaggebiet von Danny war dann bei unruhiger See doch etwas weit weg. Und warum in die Ferne schweifen ?? Birgers Köder hatte den Grund gerade erst erreicht, da machte es gleich Bumms! Der erste Leng ließ sich unwillig ans Tageslicht befördern. Mit gut 60 Zentimetern sicher kein Riese, aber doch ein verheißungsvoller Auftakt! Das sollte es dann aber für diesen Tag auch gewesen sein. Trotz diverser Driften von diversen Hot-Spots gab es nicht einmal mehr einen Zupfer! Auch das andere Boot blieb Schneider, so dass wir doch etwas enttäuscht zum Aufwärmen in unsere Bude heimkehrten.

Der Montag präsentierte sich dann von einer wettermäßigen Schokoladenseite. Strahlendes Blau und eine See glatt wie ein Kinderpopo! Als wir gegen 11:00 Uhr am Anleger aufliefen fiel uns erstmal die Kinnlade runter. Eine Gruppe filetierte fröhlich vor sich hin. Überwiegend brauchbare Köhler, aber auch der eine oder andere schöne Dorsch kamen da unters Messer. Allerdings erfuhren wir, dass die Jungs immer Nachts um 1:00 mit einem großen Boot auf den Fjord tuckerten. Bei aller Liebe zum Angelsport, das war uns dann ? abgesehen davon, dass das mit unseren Boote Schwachsinn gewesen wäre ? doch ´ne Nummer zu heftig. War schließlich noch saukalt im Dunkeln. Außerdem würde dann der gesellige Teil doch etwas zu kurz kommen. Auf dem Bömla angekommen wurden wir Zeuge, wie ein einheimischer Netzfischer einen kapitalen Seeteufel aus dem Wasser zog. Allerdings war das auch sein einziger Fisch, soweit wir das sehen konnten. Auch an diesem Tag lief bei uns auf Naturköder rein gar nichts. Aus lauter Verzweifelung starteten wir noch einen Versuch mit leichtem Pilker und Heringssystem in der Nähe einer Lachsfarm ? ich weiss, aber wenn man total Schneider ist, dann wird man manchmal schwach. Ein paar schöne Portionsköhler waren die Ausbeute. Keine Riesenfische, aber für ein Fünf-Personen-Menü allemal ausreichend.

Am Dienstag versuchten wir uns in Ermangelung von Naturködererfolgen beim Pilken. Was soll ich sagen ? allgemeiner Angeltrend bestätigt. Allerdings fanden Bernd und ich bei der Heimfahrt am Leuchtfeuer gegen 19:00 Uhr jagende Köhler! Also, leichtes Spinngerät montiert und los gings! Heißa, war das ein Fest! Auch diese Jungs waren keine Riesen, aber in einer angenehmen Filetiergröße und natürlich sehr spaßig am leichten Gerät. An diesem Abend wanderten endlich die ersten Filets in die Truhe und nicht direkt in den Magen.

Unser erster richtig toller Angeltag sollte dann der Donnerstag werden. Nachdem wir es Vormittags bis zur Kaffeezeit es zu viert mal auf Platties versucht hatten ? eine wunderschön gezeichnete Scholle war die Ausbeute ? konnte der daheim gebliebene Udo ? mental zum feinen Naturködern auf Platte nicht in der Lage - unsere Teepause nicht abwarten und tobte schon einmal los. Eine Stunde später trat er eindrucksvoll den Beweis an, dass Handys unter bestimmten Bedingungen ein Segen sein können. ?Los, ihr müsst kommen! Ich hab´ schon drei Fische gefangen!? In Anbetracht unserer bisherigen Ausbeute eine echte Fangsensation. Draußen war Ententeich, so dass wir es wagten, uns zu viert in das verbliebene Boot zu zwängen und Richtung Udo fuhren. Das hätten wir bei widrigen Bedingungen wohl nicht riskieren können. Von Weitem konnten wir Udo bei der Landung seines nächsten Fangs beobachten und nachdem Birger zum kleinen Mitarbeiter des Tages ins Boot gestiegen war konnte es endlich losgehen. In den nächsten zwei Stunden fingen wir auf kleine Pilker über dreißig zum Teil sehr schöne Schellfische. Dazu kam ein schöner 65er Dorsch von Volker, der noch den Biss des Urlaubs zu verzeichnen hatte. Es wird wohl einer der ganz dicken Dorsche gewesen sein, der seine Bremse zum Singen brachte. Leider konnte er den Fisch nicht landen. Nach gut fünf Minuten hatte der Riese sich vom Haken befreit. Erstaunlich war, dass wir nicht einmal 50 % unserer Bisse verwerten konnten. Die gelandeten Fische hatten beinahe ausschließlich nur einen Haken in der Oberlippe, so vorsichtig gingen die Biester zu Werke. Auf dem Heimweg machten wir in unserer Köhlerbucht einen kurzen Stop. Auch hier ging wieder die Post ab. Mir gelang hier noch der Fang eines wunderschön gezeichneten Tangdorsches. Ihr könnt euch vorstellen, dass wir diesen Fang am Abend entsprechend mit Gerstensaftkonsum gewürdigt haben. Nur so nebenbei ? an der Schellistelle haben wir in den folgenden Tagen nicht mehr einen einzigen Biss gehabt.

An den folgenden Tagen plätscherte die Angelei weiterhin sehr mäßig vor sich hin. Auch die anderen Angler in den Nachbarhäusern fingen wenig bis gar nicht. Das ist dann ja immer ein kleiner Trost! Nach einigen wettermäßig auch nicht sehr tollen Tagen schien dann am Dienstag der zweiten Woche die Sonne auf den Fjord. Wir beschlossen, eine relativ weite Ausfahrt Richtung Valevag zu machen. Kossi hatte hier einen Unterwasserberg benannt, den wir dank Echoltot und GPS auch problemlos fanden. Während die anderen sich mit Naturköder in Grundnähe versuchten, wollte ich sehen, ob die von Ossi angesprochenen Köhler tatsächlich vor Ort waren. Also, leichter Pilker ab Richtung Grund und diesen dann mit leichten Pilkbewegungen immer ein paar Kurbelumdrehungen einholend Richtung Mittelwasser. Der erste schöne Vierpfünder ließ mein Herz vor Begeisterung hüpfen. Als dann wenige Minuten später meine Rute einen Wunderschönen Halbkreis Richtung Wasseroberfläche machte und die Bremse fröhlich zu singen anfing, dachte ich schon an den ganz großen Fang. Letztendlich hingen dieses Mal drei schöne Seelachse, einer auf Pilker, die anderen beiden auf Eigenbaufliegenbeifänger. Was für ein Spaß! Auch die anderen erkannten jetzt die Zeichen der Zeit und stellten auf Seelachs um. Insgesamt fingen wir an dieser Stelle 27 schöne Seelachse. Dass auch hier nicht der Teufel los war wird daran deutlich, dass wir fast nur einzelne Fische fingen. Lediglich ich hatte das Glück einmal alle fünf Haken ? Pilker und vier Fliegen ? voll zu haben. Gut zwei Stunden nach Hochwasser war der Spuk dann vorbei. Wir tuckerten fröhlich grinsend ´gen Heimathafen.

Erstaunlicherweise fingen wir auch an dieser Stelle die letzten Tage nur noch zwei Köhler. Das Wetter war konstant, die Position war exakt bekannt, wir fuhren zum gleichen Tidenstand ? trotzdem: Die Köhler waren weg! Vielleicht hat ja einer von euch eine Erklärung hierfür ? abgesehen davon, dass wir vielleicht einfach zu doof sind!!!

Ein paar Dorsche und Lengfische in nicht erwähnenswerten Größen bereicherten unseren Fang an den letzten Tagen noch. Insbesondere die Köhlerstelle am Leuchtfeuer im Fördespollen war eine Bank. Hier ging immer was! Allerdings nur kurz vor Sonnenuntergang. Insgesamt lautet mein perönliches Resumee, dass es sich nicht gelohnt hat, der Fänge wegen im März an den Bömlofjord zu fahren. Im Sommer haben wir dort auch unsere Fische gefangen und die Fangpalette ist insgesamt natürlich sehr viel bunter. Andere mögen da andere Erfahrungen gemacht haben, wir fahren in den nächsten Jahren aber wieder im Sommer nach Norge. Da ist es dann einfach noch viel schöner, zumal man dann auch mal ein kühles Bad nehmen kann, ohne dass einem die Klöten vor Kälte abfallen.

Trotzdem, wir hatten mal wieder zwei schöne Wochen im gelobten Land!

Hilsen fra Nordheide
Toddi
 
 
 

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