Norwegen Angelfreunde

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Bømlo, Angelvik

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Angelvik auf Bölo – Teil 2 - Die Revierbeschreibung


Nach dem Auspacken und Hütte einräumen bleibt noch etwas Zeit um bei einer Flasche Roten und n’er guten Zigarre den Sonnenuntergang auf der Terrasse zu genießen. Nach ein paar Minuten stellt sich die Zigarre als nützlich heraus, Knotties! Trotzdem können wir uns nicht lösen, zu überwältigt sind wir von den Eindrücken der Fahrt und der phantastischen Aussicht, so dass sich trotz der Strapazen keine Müdigkeit einstellt. Die Sonne ist längst hinterm Horizont verschwunden bevor es auch uns in die Kojen zieht.

 



Der nächste Tag beginnt wie der vorherige endete, mit strahlendem Sonnenschein. Erstmal frühstücken und dann frische Lebensmittel kaufen. Milch, lecker Norwegisches Brot, Erdbeermarmelade, ….. das zieht sich hin bis gegen Mittag.

Jetzt fängt’s aber an in den Fingern zu jucken. Mittag essen kurz ab, meine Frau will in die Sonne, die Kinder und ich auf’s Wasser. Also die Kiste mit dem Angelzeug hervor und die Ruten klar gemacht. Erstmal auf’s Pilken konzentrieren, die Bootsrute bleibt noch unberührt. „Papa, soll ich schon die Angeln ins Boot bringen?“ will meine Tochter wissen. Doch Stop, erstmal ist zu überprüfen ob sich der Echolothalter am Boot befestigen lässt. Also das ganze Gerödel heruntergeschafft, das Boot an den Kai ziehen, alles an Bord verfrachten und geschaut wie und wo das Teil festzumachen ist. Am Heck, neben dem Motor, möglichst außerhalb des Schraubenwassers, ist normalerweise der beste Platz. Es geht, die Zwinge hat eine ausreichende Öffnung und lässt sich, obwohl das PIONIER 15 aus Vollkunststoff besteht und daher die Wandung etwas nachgiebig ist, ausreichend festzwingen. Zwar sitzt sie etwas nach hinten geneigt, spielt aber keine Rolle, da ich die Schwingerstange stufenlos im Winkel einstellen kann.

 


Jetzt den Gerätekasten an Bord gehievt, das Ding wiegt mindestens einen dreiviertel Zentner und ich beschließe das er bis zum letzten Tag einfach an Bord bleibt, die Verkabelung herstellen, das Echolot in seine Halterung setzen, fertig. Probelauf, geht.

Nun den Benzintank checken. Hab ich mir doch gedacht, höchstens halb voll. Also zurück zum Haus, die Reservekanister geholt, vorher natürlich noch Gemischöl eingefüllt, der TOHATSU ist ein Zweitakter und braucht etwas Schmierung an den Kolbenwänden. Den Tank aufgefüllt, die ganzen 10 Liter aus dem ersten Kanister verschwinden problemlos. Der zweite Kanister kommt als Reserve in die mittlere Staubox. Nun die Angeln an Bord und erstmal sicher ablegen, Kinder hinein und mit einem Machtwort die Platzfrage klären, Schwimmwesten kontrollieren, setzen.

Jetzt ist der TOHATSU dran. Choke ziehen, Drehgriff auf Halbgas und ….. er gibt laut, aber nur kurz, zu kurz um den Choke wieder hereinzudrücken. Also noch mal, diesmal ohne Choke, ein kurzer Zug ….. er röchelt, kräftig und gesund, kein klingeln kein nichts, der Motor ist ziemlich neu und macht einen Vertrauen erweckenden Eindruck. Hab schon anderes erlebt, deshalb beinhaltet mein Gerätekasten auch eine Notwerkzeugausstattung, Kerzenschlüssel, Schraubenzieher, Drahtbürste…. Von nichts kommt das Gewicht nicht!

Aber jetzt, Leinen los und ab geht die Post, endlich wieder Salzwasser unterm Hintern, die ersten Spritzer Gischt auf den Lippen werden genüsslich weggeleckt, der Duft des Meeres, dieser typische Geruch nach Seetank und Mövenscheiße, man wie hab ich das vermisst!!!



Das GPS arbeitet und zeigt mir den Kurs zum ersten Spot, der natürlich längst einprogrammiert ist. Schon im Februar hatte ich mir die Seekarte bestellt und den Boroyfjord, der jetzt unser Revier ist, eingescannt. Die eingescannte Karte wird in die GPS-Software auf dem PC eingebunden, kalibriert und kann dann zum Markieren der möglichen Angelstellen genutzt werden. Die markierten Punkte werden als Wegpunkte mit Namen versehen und mittels speziellen Kabels vom PC auf das GARMIN übertragen. Das spart eine Menge Zeit und verhindert Übertragungsfehler beim Eingeben der Koordinaten in das GPS-Gerät. Klar das zu meinem Urlaubsgepäck auch ein Laptop gehört.

Als ich den Laptop einpacken wollte war meine Frau dagegen. Sie vermutete ich würde mir Arbeit mitnehmen und wäre ja wohl nicht ganz dicht. Ich konnte ihren Widerstand jedoch mit dem Argument entkräften, dass der Laptop ein DVD-Laufwerk besitzt und die Kinder damit auf der langen Fahrt in der Lage seien ein paar Filme anzusehen. Das Gerät durfte mit und ich musste ein paar neue Filme besorgen.

Der Boroyfjord hat eine sehr abwechslungsreiche Bodenstruktur mit vielen Erhebungen und Untiefen und ist im Mittelteil 120 Meter tief, zum Bömlafjord hin bis über 200 Meter tief. Er hat viele kleine, zum Teil auch seichte Nebenbuchten mit unzähligen Inseln und Inselchen, die vom Wasser aus wie ein Labyrinth wirken und deren Erkundung ungemein spannend und interessant ist. Dazu kommen noch der Royksund- und der Kuleseidkanal, die es erlauben die Insel Bömlo vom Osten bis zum Westen auf die offene See, per Boot zu durchqueren. Für ambitionierte Wassersportler ein Paradies, dessen Erforschung allein mehrere Tage in Anspruch nimmt. Ich hatte mir allerdings nur die Erforschung der Anglerisch interessanten Gebiete vorgenommen.

Der erste Stop, eine lang gestreckte Erhebung auf 42 Meter in einer Rinne mit Wassertiefen zwischen 60 und 70 Metern brachte keinen Erfolg. Auch das Echolot zeigte keinerlei Objekte im Wasser. Also weiter zum nächsten vorher festgelegten Spot, eine ca. 30 Meter tiefe, größere Ebene im Westen des Fjords. Auch hier brachte die Pilkerei am Grund nichts, lediglich ein kleinerer Pollack stieg beim Einholen ein und durfte nach kurzer Rassebestimmung durch die Kinder wieder ins Nass zurück.

Der nächste Stopp war an der nördlichen 40 Meter Kante des Untiefenbereichs im mittleren Teil des Fjords geplant. Hier zeigte das Echolot erstmals größere Mengen Futterfisch an und wir waren recht zuversichtlich. Und tatsächlich dauerte es nicht lange und meine größere Tochter konnte einen schönen Dorsch der 5 Pfund Klasse verhaften. Nach dem ich auch noch zwei dieser Güte erbeutet hatte, beschlossen wir für heute Schluss zu machen, es war ja auch schon Abend geworden. Diesen Tag haben wir wieder auf der Terrasse sitzend, bei Rotem und n’er guten Honduras, bis zum Untergang der Sonne, ausklingen lassen.

Der nächste Tag begann wie die Vorhergehenden, Sonne bis zum Abwinken. Meine Frau wollte ihre Bräune weiter vertiefen, also freie Bahn fürs Angeln. Wir starteten unsere Tour am erfolgreichen Spot des Vortages. Aber jetzt war Vormittag, keine Echos, keine Fische, tot. Also lotste uns das GARMIN an den nächsten vorgeplanten Spot, eine Erhebung auf 35 Meter, die wie eine Nase in die Strömungsrinne zwischen dem Flachgebiet und der Küste hineinragte. Das Echo zeigte vereinzelt Futterfisch aber keine größeren Objekte. Trotzdem, Versuch macht Kluch, aber Erfolg stellte sich nicht ein. Die Drift lies uns in die Strömungsrinne treiben und meine große Tochter angelte mittlerweile mit Fischfetzen garnierten Pilker und zeigte es dem Alten mal wieder. Ein strammer Leng von 80cm war das Resultat und ich verblüfft. Das kommt davon wenn man alle Tricks verrät. Also nun das Naturködersystem fertig gemacht und ab in die Tiefe, wir blieben mittlerweile in der Rinne, und siehe da, auch bei mir meldete sich ein hungriger Meeresbewohner, ebenfalls ein Leng, allerdings nur dreiviertel des vorherigen. Was soll’s, genug für heute, der Magen knurrt und einem leckeren Lengfilet in der Pfanne ist nicht zu widerstehen. Der Rest des Tages, siehe oben…

Der nächste Tag begann, siehe oben…, wegen der Hitze beschlossen wir erst am Nachmittag zum Fischen raus zufahren. Das eröffnete die Möglichkeit einen kleinen Schnack mit unserem Betreuer zu halten und ihm ein wenig die Würmer über die guten Angelstellen aus der Nase zu ziehen. Das kostete mich zwei Zigarren, welche sich der Infos Wert erwiesen. Meine gezielten Fragen nach Sei und Torsk wurden mit drei Beschreibungen beantwortet, die ich sogleich in der Seekarte vermerkte. Ich haben immer einige Kopien im A3 und A4 Format mit, die ich in stabile Plastikhüllen gesteckt, mit aufs Boot nehme. Also den markierten Bereich für die Seis angefahren und das Echo beobachtet. Tatsächlich, große Mengen Futter und dazwischen immer wieder viel versprechende Echos. Die Fischerei brachte allerdings nur ein paar Pollacks um die 1-2 Kilo. Da Pollacks auf unserem Speisezettel nicht unbedingt ganz oben stehen, haben wir den Platz verlassen um an der gegenüberliegenden Seite der Bucht unser Glück auf Dorsch zu versuchen. Auch hier dasselbe Bild auf dem Echo, aber diesmal keine Pollacks sondern Wittlinge, nicht sehr groß aber sehr lecker. Vier Stück füllten unsere Kiste, dazu doch noch ein gerade maßiger Dorsch und ein Seehecht von knapp 34cm, gefangen von meiner jüngsten Tochter mit der Handleine. Genug für heute, Rest wie oben.


Neuer Tag neues Glück, Wetter wie gehabt, heute ging’s am Vormittag raus, da wir Nachmittags unsere Vorräte für das bevorstehende Wochenende auffüllen wollten und weil der Rote trotz Übermenge nicht gereicht hatte und deshalb auf einheimische Sorten wie z.B. Ringenes umgeschwenkt werden musste. Ziel war die von Herje, unserem Betreuer, bezeichnete zweite Dorschstelle, eine schmal Strömungsrinne zwischen einer kleinen Insel und dem Festland mit Tiefen zwischen 60 und 80 Metern. Die Drift war sehr günstig, immer in der Rinne lang, dass Echo zeigte immer wieder größere Schwärme Futterfisch, jedoch keine größeren Fische darunter. Ich angelten deshalb von Anfang an mit der Naturködermontage, meine große Tochter mit dem Fetzen bestückten Pilker. Und wieder war sie es die den ersten Erfolgt verbuchen konnte, ein Leng von knapp 70cm. Kurze Zeit später hatte auch ich ein leises Zupfen und liftete einen Leng von gerade mal 20cm aus dem Wasser. Wer hat den Kids eigentlich solche Sprüche beigebracht, von mir sind die nicht! Also das Objekt des Spots durfte natürlich sofort wieder schwimmen gehen und das tat es auch. Mit einem 60cm Leng konnte ich meine Reputation wieder herstellen und das musste dann auch genügen denn Einkaufen war ja angesagt. Am späten Abend bin ich noch mit meiner Frau rausgefahren um den Sonnenuntergang bei Ententeichbedingungen vom Wasser aus zu erleben. Dabei gelang es ihr mich mit einem Dorsch von knapp 65cm, mal wieder alt aussehen zu lassen, denn ich blieb Schneider.

Der nächste Tag sah nicht so gut aus. Es war bewölkt und ein leichter Wind wehte über den Fjord. Wir beschlossen die Insel zu erkunden und eine Rundfahrt zu machen. Es waren herrliche Eindrücke von traumhaften Landschaften und im Nachhinein merke ich, dass man mal wieder viel zu wenige Bilder gemacht hat. Trotzdem bin ich am Abend noch mal losgeschippert, da mir die Beschreibung Herjes bezüglich der Seelachse nicht aus dem Kopf ging. Also hab ich mir eine Schleppmontage gebastelt und bin mit dieser an der kurzen Bootsrute immer um die beschrieben Kante gefahren. Beginnend im flachen Bereich und mit jedem Törn etwas tiefer werden. Bei dritten Hol hatte ich einen Biss und ordentlich Widerstand an anderem Ende der Leine. Leider stieg der Fisch knapp zwanzig Meter vor dem Boot ungesehen aus. Also noch mal den Törn, Wenden und zurück und es kam was kommen musste, Hänger, Totalverlust. Mist, wat nu? Makrelenvorfach angeknotet und noch mal probieren. Motor anwerfen, langsame Fahrt aufnehmen, die Montage ins Wasser die Rücklaufsperre an der 330 Penn lösen und mit der Daumenbremse langsam Schnur ablaufen lassen. Hä? Wieso läuft die Schnur nicht ab, ist da was verheddert? Nix da, Makrelen, die ganze Miete voll. Also herein damit und noch mal runter, ganze 2 Meter tief und schon wieder voll die Montage. Alles gute Größen, ideal zum Räuchern. Kurzer Anruf per Funk an die Ehefrau, wie viel sind bestellt? Und los ging’s. Nach dem das Soll erfüllt war, fiel mir wieder mein Ursprünglicher Zweck des Trips ein, die Seelachse. Also zurück auf die Spitze der Bucht und diesmal gleich die 80 Meter Kante angefahren, plötzlich Echos auf dem Bildschirm, Fischsicheln wie sie im Lehrbuch stehen, bei 78 Metern. Das muss Dorsch sein! Maschine Stopp, runter mit der Montage, der erste Biss ließ nicht lange auf sich warten, kräftige Gegenwehr am Ende, das typische Stoßen eines Dorsches, der Adrenalinspiegel beim folgenden Drill hätten für fünf Goldmedaillen mehr gereicht, steig bloß nicht aus, vorsichtig pumpen, nichts überstürzen, ruhig bleiben, da kommt er, zeigt weiß, dass Gaff ist zur Hand, der Fisch ist Müde, die Landung kein Problem, 8,5 kg zeigt die Federwaage, nicht der größte meines Lebens, aber der Größte dieses Urlaubs. Mann wie hab ich das vermisst!

Die folgenden Hols brachten keinen Fisch mehr. Es war längst dunkel geworden und die ganzen Makrelen mussten noch geschlachtet werden. Mit dem letztem Licht kam ich am Ferienhaus an und wurde schon von allen erwartet, da ich das Ereignis bereits über Funk angekündigt hatte. An diesem Abend wurde es spät und zwangsweise der Vorrat an Zigarren nicht weiter dezimiert.

Der Neumond läutete den Wetterwechsel ein, es wurde unbeständiger mit mehr Wolken und gelegentlichen Regenschauern, so dass meine Frau nicht mehr täglich mit dem Sonnenbaden ausgelastet war und wir mehr das Erkunden der Insel investierten. Trotzdem blieb Zeit genug auch den Rest des Fjordes zu erforschen bis herunter an die Mündung in den Bömlafjord.

Mit Genehmigung von Statens Kartverk


Neben weiteren Dorschen, Makrelen, Pollaks und Schellfischen die wir in der verbleibenden Zeit fingen, sei ein Ereignis noch geschildert: Die Bucht in der ich die Makrelen fing ist vom Wasser aus gesehen ein einmalig idyllischer Ort, wunderbar geschützt gelegen und eingerahmt von steilen Ufern rechts und links, läuft sie aus in eine schmale Strandlinie von vielleicht 100 Metern Breite mit dahinter liegender steil ansteigender grünen Wiese mit ein paar typischen Häuschen darauf. Es wimmelt direkt von Fischreihern und auch der Seeadler lies sich ab und an sehen. Diesen schönen Platz musste ich auch meiner besseren Hälfte zeigen, angelnderweise versteht sich, und so hatten wir schon eine ganze Weile ohne nennenswertem Ergebnis gefischt als sie plötzlich mit den Worten aufstand: „Blöde Fische, beißt endlich an!“ Das Echo war noch nicht verklungen als es einen Schlag in ihrer Rute tat und ein Fisch den Pilker mit ungestümer Kraft gen Boden riss. Mir blieb der Mund offen stehen als sie nach einiger Zeit einen knapp 6 pfündigen Seelachs auf die Planken legte. Der größte in diesem Urlaub. Um ähnliche oder größere zu fangen, mussten andere Angler weit auf den Bömla hinaus ins tiefe Wasser.



Mein Fazit: Alles im allen ein wunderbarer Urlaub, ein super Haus, eine interessante und spannende Umgebung, ein viel versprechendes Angelrevier, welches lohnt weiter erforscht zu werden. Wenn meine aktuellen Erfolge nicht berauschend waren, so führe ich das auf die extreme Wetterlage zurück. (Siehe auch andere Berichte aus derselben Zeit.)

Kurz ein sehr empfehlenswerter Urlaubsplatz für die Familie, dessen einziges Manko die fehlende Spülmaschine und der fehlende Schlacht- und Filetierplatz am Wasser ist. Aber vielleicht tut sich da ja noch was.



Das war’s für Heute, doch Heute ist nicht aller Tage, ich komm wieder, keine Frage!

 

 

 

 

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