Bømmmlhamn Mai 2005

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Bericht Bömmlhamn/Bömlo, 16. bis 26. Mai 2005


Eines vorab, wenn es den Roman „Vom Winde verweht“ noch nicht gäbe, hätte ich ihn heuer in Bömlo geschrieben. Von 10 Angeltagen 5 Tage Wind der Stärke 6-7 aus Süd, der ein Ausfahren unmöglich machte, an 4 Tagen Wind aus nördlichen Richtungen, wo es grad so ging und nur 1 Tag Ententeich.

Anreise:

Am Samstag, 14. Mai um 23 Uhr war es endlich soweit. Wir, das sind 3 Erwachsene und unsere 3 Buben (9, 10 und 11 Jahre alt) starteten zum großen Norwegenabenteuer. Wir, alles alte Norwegenhasen, gingen alles ganz gelassen an, doch unsere Buben, allesamt das erste Mal in Norge, waren doch sehr aufgeregt.

Die Fahrt nach Hanstholm gestaltete sich sehr erholsam, da auf der A 7 kaum Verkehr war. In Hanstholm angekommen staunten unsere Buben das erste Mal, als sie die „Fjord Norway“ sahen. So ein riesiges Schiff! Die Überfahrt war auch sehr ruhig, nur bei unserem Jüngsten musste ein Reisekaugummi die aufkommende Übelkeit bekämpfen. Um 2 Uhr Nachts legten wir planmäßig in Haugesund an und nach einem kurzen wellcome und Durchwinken des Zöllners (sehr beruhigend nach der letztjährigen Bekanntschaft der Zollgarage in Bergen) ging es auf die letzten Kilometer Richtung Bömlo. Nach Durchquerung des Bömlotunnels (was zum 2. Staunen unserer Buben führte) kamen wir um 4 Uhr Morgens an unserem Haus an. Hier staunten die Erwachsenen mal zur Abwechslung, denn so ein Haus hatten wir in 11 Norgeaufenthalten noch nie. Riesig viel Platz für die Angelausrüstung, viele Zimmer mit Schränken, super Küche mit allem was dazugehört. Bad und Dusche, wie es daheim nicht besser ist und eine super Einrichtung. Wirklich perfekt. Ein 24 Fuß Dieselkutter und ein 18 Fuß Boot mit 20 PS Außenbordmotor sollten uns die nächsten 10 Tage an den Fisch bringen. Um 10 Uhr kam unser Vermieter und hat uns mehr schlecht als recht (kein deutsch, kein englisch) die Boote erklärt. Nun wurde noch die Playstation für unsere Jungs angeschlossen (was für die kommenden Tage sehr wichtig war, um sie bei Laune zu halten) und dann waren wir für die kommenden 10 Tage erst mal zuhause.

Der Urlaub:

Am ersten Tag haben wir aufgrund des sehr starken Nordwindes erst mal die nähere Umgebung unserer Hafenausfahrt erkundet. Das Ergebnis war mit ein paar Kleinköhlern und 2 schönen Dorschen (so um die 75 cm) für unsere Jungs zufriedenstellend. Feuer und Flamme waren die Jungs beim Krabbenangeln. Sie warteten immer, bis sich die Krabben vor dem Bootsanleger zeigten und holten diese mittels eines Pilkers mit Schwung aus dem Wasser. Jeder Fang sorgte für viel Gejohle. Essen haben wir die Tierchen aber nicht dürfen. Jeder Fang wurde nach Anweisung unseres Nachwuchses sofort releast.
Die nächsten Tage haben wir mit Erkunden des Angelgebietes verbracht (der Wind lies es gerade so zu), was uns die ersten Pollacks, Schellfische, und Lengs bis 80 cm sowie einige schöne Köhler einbrachte. Alles in allem hart erarbeitete Fische deren Menge allerdings in keinem Verhältnis zu den Fängen unserer Nachbarn stand (Massenhaft Köhler bis 80 cm, große Dorsche und sogar Seewölfe). Wir kamen gegenüber unseren Jungs schon in Erklärungsnotstände. Eine Nachfrage ergab das Unwort: Lachsfarm
Unsere Weigerung an der Lachsfarm zu fischen hielt genau 2 Tage mit mäßigen Erfolgen unsererseits und Massenfänge unserer Nachbarn andererseits, dann gaben wir dem Drängen unserer Jungs nach und fuhren auch mal zur Lachsfarm. Wir hielten uns natürlich an die vorgeschriebenen Abstände und fingen auch einige Köhler. Die Massenfänge unserer Nachbarn konnten wir uns aber immer noch nicht erklären. Bis sie dann kamen. Und dann war uns alles klar. Sie fuhren nicht nur bis unmittelbar vor die Lachsfarm, nein, sie haben sich auch noch an eine Boje des Verankerungsseils angebunden und fischten direkt unter den Lachsgehegen. Da staunten wir Erwachsenen zum 2. Mal. Ich brachte den Mund nicht mehr zu und dachte das gibt’s doch nicht. Dem Drängen unserer Jungs auch so nah an die Lachsfarm zu fahren, gaben wir jedoch nicht nach. Nach unseren Erklärungen, was da alles auf uns zukommen könnte an Strafen, habe sie es auch eingesehen. Unsere Nachbarn sanken in der Gunst unserer Jungs jedoch bis unter null. Nachfragen unsererseits, ob sie denn zuviel Geld dabeihätten, wurde mit der Antwort, das es hier jeder so mache und dass sogar ihr Vermieter ihnen den Rat sich an der Lachsfarm festzubinden gegeben hat, quittiert. Da sieht man mal, wie weit einen die Fischgier treiben kann.
Doch nun nach einem kurzen Abgleiten in die Abgründe der Lachsfarmfischerei zurück zu unseren Angelaktivitäten. Die Tage von Montag bis Freitag vergingen und unsere Fischkisten waren immer nur sehr, sehr spärlich mit Fisch gefüllt, da wir an die vorgelagerten Inseln aufgrund des Windes einfach nicht herankamen. Zu allem Unglück drehte der Wind am Samstag auch noch auf Süd und blies mit Stärke 6 bis 7, so dass wir nicht mal mehr aus der Hausbuch rauskamen. Bis Dienstag Abend hielt dieser Wind an und trieb uns schier zur Verzweiflung. Die Zeit vertrieben wir uns mit Playstation Spielen und Angeln vom Ufer am Fähranleger. Die Fänge dort waren zwar nicht schlecht, ersetzte jedoch nicht das Abenteuer Bootsangeln. Allerdings soll nicht unerwähnt bleiben, dass die größten Fische unserer Tour dort gefangen wurden. Ein Pollack von 92 cm von mir mit der Feederrute und ein Pollack von 94 cm mit der einer 3 lbs Karpfenrute von Junior Maxi. Da war die Freude groß. Die beiden Pollacks konnte ich nicht wiegen, da meine Digitalwaage den Geist aufgegeben hatte. Ich schätze beide Fische auf so ca. 6 – 7 kg. Mein Sohnemann konnte am Fähranleger 3 Dorsche, der Größte mit 68 cm fangen. Die größte Schwierigkeit bestand am Landen der Fische. Man könnte auch sagen, das kommt davon, wenn man sich vor dem Fischen keine Gedanken über das Landen etwaiger Fänge macht. Der Fähranleger befand sich ca. 4 m über der Wasserfläche. Wie bringt man nun 90 er Pollacks und sogar Dorsche bis 68 cm ohne Kescher und Gaff aus dem Wasser? Kumpel Eugen kletterte eine Eisenleiter bis zum Wasser runter, mit der rechten Hand festgehalten und mit der linken Hand Kiemengriff und die Fische hochgewuchtet. Nochmals herzlichen Dank. Abends gabs Freibier für Eugen. Die nächsten Tage bis Dienstag verbrachen wir immer wieder am Fähranleger und einige Pollacks und Köhler konnten den ausgelegten Naturködern nicht widerstehen. Was sehr viel Spaß bereitete war das Fischen mit Schwimmer und Heringsfetzen. Schnurstopper auf 8 m eingestellt und ausgeworfen. War wie Karpfenangeln zu Hause. Allerdings waren die zwei großen Pollacks nicht mehr zu Toppen.
Am Mittwoch hatte Petrus ein Einsehen mit uns und lies den Wind einschlafen. Ententeich den ganzen Tag. Wir unternahmen eine lange Ausfahrt, die uns bis an die vorgelagerten Inseln brachte. An die Plateaus davor haben wir uns nicht getraut, da immer noch eine ordentliche Dünung herrschte und uns die Sicherheit unserer Jungs doch wichtiger war als evtl. große Dorsche und Pollacks. Der Tag brachte uns nochmals ordentlich Köhler in der Küchenklasse, ein paar Dorsche, Pollacks und Lengs. Das war ein schöner Abschluss des ansonsten doch sehr vom Wind verblasenen Norgeurlaubs.

Am nächsten Tag hieß es einpacken und Boote säubern. Um 21.30 Uhr bestiegen wir die Fähre in Haugesund und waren mit 1 stündiger Verspätung am Freitag morgen in Hanstholm. Die Rückfahrt nach Mittelfranken verlief ohne Probleme, wenn man vom Klimaschock (8-10 Grad in Norge, 34 Grad am Freitag in Deutschland) absieht.

Fazit:

Das Ziel unserer Norgetour mit den Kindern wurde erreicht. Alle drei wollten gar nicht mehr nach Hause. Der Norgevirus wurde erfolgreich eingepflanzt. Vom Fischen her war es nicht so toll. Was aber an dem wohl schlechtesten Wetter, seit ich nach Norge fahre, lag. Keiner hat das 25 kg Limit erreicht. War mir aber ziemlich egal ist, da die tolle Landschaft, unser super Haus und die Zeit mit unseren Jungs, uns dafür entschädigt hat.
Was mir sauer aufgestoßen ist, ist die Tatsache, das sehr viele Angler sich, trotz vieler Warnungen, nicht an die norwegischen Vorschriften halten und hierzu noch von den Vermietern ermutigt werden - Fischen an der Lachsfarm.

Eine Anekdote hätte ich noch. Mein Kumpel Rainer muss leider den Verlust einer Balzer Matrix Spin Rute und Daiwa SS 2 Rolle (Gesamtwert ca. 200 Euronen) verkraften und das kam so: Er hat unter der Fahrt Köhler ausgenommen und die Rute steckte in einem Rutenhalter, der an die Bordwand geschraubt war. Nach dem entleeren des Eimers mit all den Fischinnereien kam das, was alle Norgefahrer kennen, Unmengen Möwen stürzten sich mit Geschrei auf die Leckerlis. Eine war so gierig, dass sie wohl des Kumpels Rute übersah. Auf jeden Fall flog sie mit Höchstgeschwindigkeit in die Rute. Die Verschraubung des Rutenhalters hatte dem Aufprall nichts entgegenzusetzen und hat sich gelöst. Rutenhalter mitsamt Rute versanken im tiefen Bömlafjord. Wir haben zwar noch eine halbe Stunde versucht, mit schweren Pilkern und großen Drillingen, die Rute den Klauen des Meeres wieder zu entreißen, ist uns aber nicht gelungen.

So, das war der Bericht vom Vater/Sohn Ausflug an den Bömlafjord. Nächstes Jahr ist wieder Papa solo angesagt und zwar nördlich von Tromsö nach Nord Lengangen.
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Grüsse aus dem " Neuen Fränkischen Seenland"
vom
Frankenfischer
 
 

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