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Floater (Schwimmhilfe, Wärmeschutzanzug, Schwimmanzug)

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Welcher Floater (Schwimmhilfe, Wärmeschutzanzug, Schwimmanzug)
Immer wieder tauchen Fragen über die richtige Sicherheitsbekleidung auf. Sehr oft werden die Fragen von Personen beantwortet, die ihren eigenen Floater als den allerbesten halten. Das ist natürlich keine objektive Beantwortung für jemanden, der auf der Suche ist. Deswegen haben wir uns hier einmal um eine Zusammenstellung der wichtigen Grundlagen bemüht.
Als erstes kommt die Frage:

Wo soll der Anzug getragen werden?
Südnorwegen, Westnorwegen, Mittelnorwegen oder Nordnorwegen
Als nächste Frage:

Zu welcher Jahreszeit steht der Besuch in Norwegen an?
Frühling, Sommer, Herbst oder Winter

Es gibt verschiedene Anzüge in der Ausstattung:
· Einteilig
· Einteilig mit Rettungsweste
· Zweiteilig

In den Foren wird oftmals sehr hart diskutiert. Die eine Partei hat sich den Floater mit integrierter Rettungsweste verschrieben, die anderen bevorzugen einen Floater und zusätzlich eine Rettungsweste. Es wird in diesen Diskussionen sehr gern mit ISO und anderen Fachbegriffen versucht, den Fragenden schwindelig zu machen um sein Produkt an den Mann zu bringen.

Es gibt aber Fakten, die man sich erst einmal ansehen sollte, bevor man in irgendwelche Diskussionen mit einsteigt. Wir vom Team können glücklicherweise sagen, dass wir der gesamten Diskussion völlig neutral widmen können, weil wir mit dem Verkauf dieser Artikel nichts zu tun haben.

Varianten der persönlichen Schutzausstattung (im Folgenden PSA genannt)

Zum einen gibt es Anzüge mit integrierter 150 N Rettungsweste. Als Beispiel sei hier der vielbeworbene Te'havs genannt, welcher folgende Merkmale besitzt:
  • Zertifizierung nach DIN EN ISO 12402-3 und DIN EN Iso 15027-3 D, Wasserdicht bei Regen und atmungsaktiv -> nennen wir das PSA 1
 
zum anderen ein Floater (z.B.Fladen 848)
  • Zertifiziert nach DIN EN 15027-3 D, DIN EN ISO 12402-5, Wasserdicht bei Regen und atmungsaktiv, plus 275 Nm Rettungsweste, zertifiziert nach DIN EN ISO 12402-2 -> nennen wir das PSA 2
 
Beide PSA haben dieselbe Zertifizierung gegen die Unterkühlung! Es wird sich noch zeigen warum dieses wichtig ist!

  • PSA 1 hat eine Zertifizierung, die dem Ertrinken entgegen wirkt nach DIN EN ISO 12402-3 D.H. mindestens 150 N Auftrieb wirken auf den Körper um ihn vor dem Ertrinken zu schützen,
  • damit gilt PSA 1 laut Definition als Rettungsweste.
 
  • PSA 2 hat eine Zertifizierung, die dem Ertrinken entgegen wirkt nach DIN EN ISO 12402-2. D.H. mindestens 275 N Auftrieb wirken auf den Körper um ihn vor dem Ertrinken zu schützen,
  • damit gilt PSA 2 laut Definition als Rettungsweste.
 
  • PSA 2 hat zusätzlich noch die Zertifizierung nach DIN EN ISO 12402-5 d.h. mindestens 50 N Auftrieb, unterstützen einen voll aktionsfähigen Menschen sich über Wasser zu halten,
  • damit gilt dieser Teil von PSA 2 als Schwimmhilfe.


Der Unterschied zwischen DIN EN ISO 12402-3 und DIN EN ISO 12402-2 liegen beim Einsatz.

DIN EN ISO 12402-3 reicht aus um einen verunglückten, ohnmächtigen Menschen (75 kg) sicher in die (Winkel, Freibord, Positon) ohnmachtssichere Position zu bringen, wenn er normale und /oder leichte Regenfeste Bekleidung trägt.

DIN EN ISO 12402-2 reicht aus um einen verunglückten, ohnmächtigen Menschen (75 kg) sicher in die (Winkel, Freibord, Positon) ohnmachtssichere Position zu bringen, wenn er normale und /oder schwere Schutzbekleidung trägt.


Nun kommen wir zum Grund, warum wir PSA 2 aus Sicherheitsgründen immer Vorziehen würden.

Beide Bekleidungsstücke sind so aufgebaut, dass sie nach DIN EN Iso 15027-3 D, ein Unterkühlen des menschlichen Körpers erheblich (Verlängerung ca. 1h bei 5°C) verhindern, warum?

Beide Anzüge verwenden ähnliche Materialien, ähnliche Verarbeitungen mit gleichen Eigenschaften, um das gleiche Ziel zu erreichen, nämlich die Unterkühlung zu verlangsamen.
Dies wird bei beiden Anzügen dadurch erreicht, dass man langsam Wasser eindringen lässt, dieses wird durch den Menschen erwärmt. Dieses erwärmte Wasser wird durch die isolierende Schicht des Anzuges vom kalten, äußeren Wasser abgehalten. Um eine optimale Isolierung zu erreichen, sollte sich der Verunfallte so wenig wie möglich bewegen.

Ein Anzug mit diesen Eigenschaften gilt laut Berufsgenossenschaft, THW, und SOLAS im Sinne der DIN EN ISO 12402 als schwerer Schutzanzug! warum ?

Ein Anzug, der die oben beschriebenen Eigenschaften gegen Unterkühlung hat, wirkt der ohnmachtsicheren Positionierung eines Verunglückten entgegen, weil dieser Anzug nicht nur Wasser einschließt, sondern auch Luft. Diese Lufteinschlüsse bezeichnet man als unkontrollierbaren Auftrieb, der im günstigsten Fall das Drehen in die ohnmachtssichere Stellung unterstütz, im schlechtesten Fall behindert. Dies ist immer davon abhängig wie man ins Wasser fällt, und sich dann verhält.

Dazu gibt es wissenschaftliche Abhandlungen, z.B. von Jost Bernhardt in Zusammenarbeit mit Dr. med. habil. W.Dietrich und Dipl.-Ing. Herbert Franz.

Auf Grund dieser Untersuchungen empfehlen zwingend THW, SOLAS, BG, DGzRS (alles keine Händler) bei Verwendung schwerer Schutzkleidung immer eine Rettungsweste (laut Definition) nach DIN EN ISO 12402-2 zu tragen, und die hat zum Beispiel ein Te'havs nicht !


Auch Fladen hat daraus gelernt, der eingearbeitete Auftrieb unterstützt jetzt die ohnmachtssichere Stellung, und versucht den unkontrollierbaren Auftrieb zu minimieren.



Grundlagen:

Zertifizierungen von Auftriebsmitteln nach SOLAS Kapitel III, Regel 32

DIN EN ISO 12402-1 -> Rettungsweste für seegehende Schifffahrt
DIN EN ISO 12402-2 oder DIN EN 399 (alte Bezeichnung)
gilt als Rettungsweste Stufe 275
verfügt über einen Auftrieb von mindestens 275 N
ist geeignet für Erwachsenen (75kg) unter extremen Bedingungen
ist geeignet beim Tragen schwerer Schutzkleidung mit Eigenauftrieb, oder Lufteinschlüssen
(darunter fallen auch Wärmeschutzanzüge, bei Anglern gern Floater genannt, egal ob absolut wasserdicht oder atmungsaktiv)
Beispiel: Wärmeschutzbekleidung, im offenen Angelboot, rund um Hitra

DIN EN ISO 12402-3 oder DIN EN 396 (alte Bezeichnung)
gilt als Rettungsweste Stufe 150
verfügt über einen Auftrieb von mindestens 150 N
ist geeignet für Erwachsenen (75kg) im allgemeinen Einsatz ist für leicht bis normale Kleidung, sowie leichte Regenbekleidung geeignet.
Beispiel: Skottevik im Sommer, kurz vor der Hafeneinfahrt, mit Dieselschnecke in normaler Bekleidung

DIN EN ISO 12402-4 oder DIN EN 395 (alte Bezeichnung)
gilt als Rettungsweste Stufe 100
verfügt über einen Auftrieb von mindestens 100 N
ist geeignet für Erwachsene (75kg) die schwimmen können und sich in geschützten Gewässern aufhalten
Beispiel: Süßwassersee in Schweden im Sommer, Ruderboot in Ufernähe

DIN EN ISO 12402-5 oder DIN EN 393 (alte Bezeichnung)
gilt als Schwimmhilfe Stufe 50
verfügt über einen Auftrieb von mindestens 50 N
ist nicht zur Eigenrettung geeignet !


Zertifizierung von Kälteschutzanzügen
(es wird nur die Norm für Nassanzüge betrachtet, all unsere „Floater“ sind Nassanzüge)
EN ISO 15027-1
Class A B C D
In welcher Zeit sinkt die Körperkerntemperatur um nicht mehr als 2°C
dies definiert die Stelle, an der es lebensbedrohlich ist
Wassertemperatur
< 5°C 6 Std 2,5 Std 1,5 Std 1 Std
5 – 10°C 9 Std 4,5 Std 2,5 Std 1,5 Std
10 -15°C 15 Std 7 Std 4 Std 2 Std
>15°C 24 Std 15 Std 6 Std 3 Std
 


Zusammenfassung:


Wir betrachten nur die für unser Hobby in Betracht kommenden Komponenten, bei den Rettungswesten die nach DIN EN ISO 12402-2, 3 und 4, und beim Kälteschutz den nach EN ISO 15027-1 D.

Unsere Sicherheitsausrüstung soll uns vor dem Erfrieren und vor dem Ertrinken retten, wenn wir über Bord gegangen sind. Die Konstruktion unserer Wärmeschutzanzüge, (Material, Verarbeitung, Konzept und Wirkungsweise) wirken leider im ungünstigen Fall der Arbeit der Rettungsweste entgegen! Warum?

Das Prinzip des Kälteschutzanzuges (gern Floater genannt) ist recht einfach. Beim Sturz ins Wasser, dringt langsam (über Arm-Bein-und Kopföffnung) Wasser ein, welches durch den Körper erwärmt wird, der Kälteschutzanzug isoliert dieses erwärmte Wasser gegen das kältere Umgebungswasser.

Hier liegt auch der Grund, warum man sich so wenig wie möglich bewegen soll, damit dieses erwärmte Wasser nicht ausgetauscht wird.

Leider kann in unserem Anzug nicht nur Wasser langsam eindringen, sondern auch die in der Kleidung enthaltenen Luft nur langsam austreten, was zur Folge hat, dass wir einen sogenannten unkalkulierbaren Auftrieb erhalten. Dieser Auftrieb kann nun dazu führen, dass die angelegte Rettungsweste uns nicht in die ohnmachtssichere Stellung bringt.

Aus dieser Sicht betrachtet ist unser Kälteschutzanzug schwere Schutzkleidung. Darum empfehlen SOLAS, THW, Berufsgenossenschaft, DgzRS und wir auch, beim Tragen schwerer Schutzkleidung immer in Kombination mit einer 275 N Rettungsweste!
 
Zum Abschluss noch eine Anmerkung, was die Praxis beim Angeln betrifft:
Ist es mal Windstill und die Sonne scheint, kann es einem in einem Floater ganz schön warm werden. Was macht der Angler dann im Boot?
Er streift das Oberteil seines Floaters nach unten. Hat dieser Floater nun eine integrierte Rettungsweste, ist diese nicht mehr dort, wo sie im Notfall sitzen sollte. Das wäre dann der sichere Tot. Ist die Rettungsweste einzeln, dann kann man diese nach dem herunterstreifen des Floaters wieder anlegen.
 
Udo und Horst

 

 

 

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